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RB sucht neuen Fanbeauftragten – Jänicke übernimmt auf Zeit

Von Ullrich Kroemer
Fans von RB Leipzig (Foto: imago).

Fans von RB Leipzig (Foto: imago).

Das Personal-Hickhack in der Fanbetreuung bei RB Leipzig setzt sich fort. Nach nur knapp fünf Monaten im Amt hat der leitende Fanbeauftragte Timm Merten seinen Posten geräumt. Nach Informationen von RBlive hat Merten fristlos gekündigt und den Klub bereits verlassen. Die Kündigung ist ab diesem Montag wirksam.

Interimslösung: Falk Jänicke übernimmt für Merten

Update: Interimsmäßig wird Timm Mertens Aufgabenbereich von Falk Jänicke übernommen, der bislang mit operativen Themen wie dem Stadionumbau betraut war. Seit 2015 ist der 48-jährige Rechtsanwalt bei RB. Zuständig für die Suche nach einem Nachfolger ist das „Operations Team“ unter Leitung von Ulrich Wolter, zu dem auch Jänicke gehört. Nach den Regularien des DFB sind drei Fanbeauftragte vorgeschrieben.

Zuvor war der langjährige Fanbeauftragte Enrico Hommel Ende 2017 fristlos gekündigt und nach juristischer Auseinandersetzung abgefunden worden. Hommels Nachfolger Benjamin Jank hatte den Posten im Juni 2018 „aus familiären Gründen” aufgegeben und war in den Fanshop gewechselt.

Als dann Timm Merten im September seinen Job als neuer, leitender Fanbeauftragter bei RB Leipzig antrat, wurde das von vielen Fans zunächst kritisch aufgenommen. Da Merten zuvor für den Hamburger SV aktive Fanarbeit geleistet hatte und Mitglied eines HSV-Fanklubs war, war er unter anderem mit Protestbannern („Gegen zweitklassige Fanbeauftragte”) empfangen worden, wovon sich allerdings die meisten Fanklubs distanzierten.

Fans loben: „Timm Merten gibt alles, was er hat”

Doch der frühere Berufssoldat konnte die Vorbehalte in seiner kurzen Amtszeit ausräumen und viele organisierte Fans überzeugen. Die für das Anti-Merten-Banner zuständige Fangruppe „Zone 147” hatte sich erst jüngst bei einer Fan-Veranstaltung Ende Dezember öffentlich dafür entschuldigt und eine Lanze für Merten gebrochen.

„Mittlerweile ist Timm für uns der erste Ansprechpartner bei den Fanbeauftragten. Er macht Top-Arbeit, kümmert sich, ist schnell”, sagte ein Vertreter der „Zone 147” unter dem Applaus der übrigen Anwesenden. Und: „Wir haben ihn akzeptiert. Er gibt alles, was er hat und ist deutlich aktiver als die anderen beiden Fanbeauftragten. Es war ein Fehler von uns, dass wir ihn anfangs vorverurteilt haben.”

Kein Vertrauensverhältnis mehr zum Verein

Warum Merten nun trotz schnell aufgebauten Vertrauens in der Szene seinen Posten räumt, hat mehrere Ursachen. Laut RBlive-Informationen soll es zwischen Verein und dem Fanarbeiter inhaltliche Differenzen gegeben haben. Zuletzt hatte es in der Fanszene gebrodelt, weil viele aktive Fans die Art und Weise der Ermittlungen des Vereins und Sanktionierungen wegen Pyrotechnik-Vergehen gegen RB-Anhänger kritisieren.

Es werde seitens zwei der drei Fanbeauftragten versucht, „Fanarbeit zu unterlaufen und zu sabotieren”, hatte ein Ultra-Sprecher gesagt. Die RB-Fanbetreuer verfolgten „persönliche Interessen, um ihre Stellung gegenüber der Chefetage zu verbessern. Hier wird mit einem Eifer Sachen hinterhergejagt, den man sich sonst nur wünschen kann, wenn es um andere Dinge der Fanarbeit geht.” Der Verein bestreitet, dass die Fanbeauftragten gegen die eigenen Anhänger ermittelt hätten. Dafür gebe es keine Beweise.

Doch auch diese Causa hat das Vertrauensverhältnis zwischen Merten und seinen Kollegen einerseits sowie dem Verein andererseits weiter zerstört, sodass der 38-Jährige schließlich die Reißleine zog und wieder zurück in seine Heimat zieht.