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Emil Forsberg exklusiv: „Ich bin wie ein feiner Rotwein”

Interview: Ullrich Kroemer
Erster Startelfeinsatz seit Anfang Oktober: Emil Forsberg startete in Stuttgart noch einmal neu in die Saison (Foto: imago).

Erster Startelfeinsatz seit Anfang Oktober: Emil Forsberg startete in Stuttgart noch einmal neu in die Saison (Foto: imago).

Emil Forsberg muss während des Gesprächs mit Mitteldeutscher Zeitung/RBlive in der Mittagspause ein paar Mal herzhaft gähnen. Das lässt sich nicht vermeiden, wenn man wie der Spielmacher von RB Leipzig eine sechs Monate alte Tochter hat. Junge Väter kennen das. Doch der Schwede macht keineswegs einen schlappen Eindruck. Im Gegenteil: Nach seiner viermonatigen Verletzungspause mit Problemen an Adduktoren und Schambeinfuge ist er endlich wieder schmerzfrei und voller Tatendrang. Trotz kleiner Rückschläge wie bei seinem ersten Startelfeinsatz in Stuttgart.

Herr Forsberg, auch wenn Sie die Frage sicher nicht mehr hören können: Wie geht’s? Sie mussten in dieser Woche wieder teils individuell trainieren.
Emil Forsberg: Das ist nur eine Innenbandreizung, nichts Schlimmes. Ich muss einfach ein bisschen abwarten. Das dauert nicht lang, aber wir bleiben vorsichtig. Mein Ziel ist das Spiel gegen Hoffenheim am Montag.

Wie genau ist das passiert?
Ich bin direkt vor meiner Auswechslung in Stuttgart ein wenig ausgerutscht, blöd gefallen und habe mir das Knie nach vorn verdreht. Dadurch wurde das Innenband überstreckt.

Haben Sie einen Schreck bekommen?
Ich wusste sofort, dass es nichts Schlimmes ist. Wir haben Eis drauf gepackt, ich konnte auch danach fast ohne Schmerzen laufen.

War das eine Folgeerscheinung der noch ungewohnten Belastung bei Ihrem ersten Startelfeinsatz nach über vier Monaten?
Schwer zu sagen, in dieser Szene hatte ich einfach Pech. Aber natürlich war es neu für mich, fast 60 Minuten zu spielen. Mein Körper war müde. Aber das ist normal, ich mache mir keine Sorgen.

Wie wichtig war diese Stunde Einsatzzeit für Ihren Weg zurück zu alter Form?
Für das Selbstvertrauen war das sehr wichtig, um einfach das Gefühl zu haben, dass wieder alles ohne Probleme läuft, ohne Schmerzen zu spüren. Das ist ein geiles Gefühl. Meine Leistung war weder gut noch schlecht, aber es war notwendig, die 60 Minuten zu bekommen, um wieder in den richtigen Fitnesszustand zu kommen.

Gespräch am Cottaweg: Emil Forsberg und MZ-Reporter Ullrich Kroemer (Foto: MZ)

Gespräch am Cottaweg: Emil Forsberg und MZ-Reporter Ullrich Kroemer (Foto: MZ)

Emil Forsberg: „Fünf, sechs Wochen ohne Schmerzen”

Ralf Rangnick ist sehr vorsichtig mit Ihnen, auch etwas unsicher, ob er wieder auf Sie zählen kann.
Ich war vier Monate weg mit einer ganz schwierigen Verletzung, bei der niemand weiß, wie sie reagiert, wenn ich zurück bin. Aber ich habe jetzt fünf, sechs Wochen mittrainiert, ohne Schmerzen zu spüren. Für mich ist das Thema Adduktoren vorbei, abgehakt. Ich muss mich jetzt zeigen und in den Zustand kommen, um der Mannschaft auch wieder helfen zu können. Das geht nicht mit einem Fingerschnippen.

Was fehlt Ihnen noch?
Es dauert eine Zeit, bis du wieder das Timing hast und die Entscheidungen, die du triffst, schneller kommen. Es fehlt noch die Spritzigkeit in den entscheidenden Momenten. Das hat man auch in Stuttgart gesehen. Aber da mache ich mir keine Sorgen: Ich trainiere sehr hart und gut und fühle mich auch so. Das ist das Einzige, was zählt.

Besteht die Gefahr, dass Sie es zu schnell angehen?
Nein, ich habe jetzt sechs Wochen mittrainiert und mich wieder aufgebaut. Ich spüre, dass alles nach und nach wiederkommt. Das sind Automatismen, deswegen war die Stunde in Stuttgart auch so wichtig. Ich bin hochmotiviert, weiß genau, wie gut ich bin, wenn ich fit bin.

Das Team agiert vorbildlich im Defensivverhalten und beim Umschalten. Wie können Sie das RB-Spiel veredeln?
Ich sehe mich selbst als einen der entscheidenden Spieler, will Vorlagen geben, das Spiel kontrollieren, gute Räume finden und meine Mitspieler gut in Szene setzen – eben der Spielmacher sein. Das ist mein Spiel.

„Wir haben ein super Kind für einen Profifußballer“

Wie ist es Ihnen eigentlich trotz der langen Zeit im Krankenstand gelungen, Ihre Gelassenheit, gute Laune und Selbstvertrauen zu behalten?
Ich bleibe immer positiv, das ist wichtig für mich. Sehen Sie: Ich habe ein sehr gutes Leben, meine kleine Tochter und meine Frau, meine ganze Familie, sind gesund – und ich jetzt auch wieder. Ich kann die Kleinigkeiten genießen und will mir gar keine Sorgen machen über meine Verletzung oder über meine Laune. Ich behalte den Kopf oben. Das ist auch wichtig für die Mannschaft, selbst wenn man selbst gerade nicht dabei ist. Ich finde, ich habe das gut gemeistert während der Verletzungszeit.

Sie sprechen Ihre sechs Monate alte Tochter an: Wie müde sind Sie eigentlich?
(Forsberg gähnt demonstrativ, Anm.d.Red.)
Klar, ist schlafen wichtig. Aber wenn man etwas Schlaf für die Familie opfert, ist das kein Problem. Meine Frau und ich steuern das auch so, dass ich manchmal ausschlafen kann. Aber meine Tochter schläft auch hervorragend. Wir haben Glück, wir haben ein super Kind für einen Profifußballer bekommen (lacht).

Sie achten nicht nur auf den Familienfrieden, sondern auch auf Harmonie im Team. Was ist anders als 2017/18?
Letztes Jahr war alles neu für manche Spieler, die bis dato nur in ihrem Heimatland gelebt und gespielt haben. Jetzt kennen wir uns besser, und jetzt läuft es auch besser innerhalb des Teams. Auch diejenigen, die gerade nicht so viel spielen, machen es jetzt sehr gut und wollen sich von ihren besten Seiten zeigen. Das sieht auch der Trainer. Aktuell haben wir eine super Konkurrenz in der Mannschaft, das brauchen wir, um wieder Erfolg zu haben. Das haben inzwischen auch die Jungs verstanden.

„Wir spielen fast genauso wie vergangenes Jahr”

Taktisch hat Ralf Rangnick das Team wieder zu noch intensiverer Pressing-Arbeit zurückgeführt. Als wie gravierend nehmen Sie das wahr?
Klar, ist es ein bisschen mehr Pressing jetzt, um schneller umschalten zu können. Unter Ralph Hasenhüttl hatten wir mehr Ballbesitz. Aber generell finde ich, spielen wir fast genauso wie vergangenes Jahr, wobei wir gerade defensiv noch stabiler stehen. Für uns Spieler sind das allerdings nur Kleinigkeiten, kein großer Unterschied. Für mich ist es am Wichtigsten, dass es Spaß macht, Fußball zu spielen – egal mit welchen taktischen Vorgaben.

In der vergangenen Saison haben Sie im letzten Saisondrittel die Champions League verspielt. Was braucht es, damit das nicht noch einmal passiert?
Wir brauchen Stabilität, vor allem auswärts. Es ist in dieser Saisonphase wichtig, dass wir 100 Prozent Einstellung haben.

In der Rückrunde haben Marcel Halstenberg und Marcel Sabitzer als Standardschützen geglänzt. Wie gehen Sie mit der Konkurrenz im eigenen Team um?
Wir nehmen uns jetzt viel mehr Zeit für Standards im Training. In fast jeder Einheit haben wir auch Standards trainiert, um neue Lösungen zu finden und neue Varianten herauszuspielen. Dazu haben wir die Einstellung in der Box wiedergefunden, die Tore auch zu machen. Das zusammen hat uns schon sieben Tore nach Standards eingebracht.

Ist es selbstverständlich für Sie, dass Sie sich den nächsten Freistoß nehmen oder diskutieren Sie das mit den Kollegen aus?
Wir kommunizieren immer. Wer sich gut fühlt, schießt. Je mehr Standardschützen wir sind, desto mehr Tore machen wir doch. Das ist für mich überhaupt kein Problem.

Sie haben sich zu Saisonbeginn sehr darüber gefreut, dass Ralf Rangnick Trainer wird. Ist er eigentlich anders als in der 2. Liga?
Für mich nicht, er ist der gleiche Trainer geblieben: in jedem Bereich sehr detailliert. Er versucht, dass auf und abseits des Platzes alles perfekt läuft und jeden zu unterstützen. Jeder Spieler hat das Gefühl, dass Ralf Rangnick ihm hilft. So funktioniert er als Trainer.

Unter Ralf Rangnick läuft es sehr gut für die Mannschaft. Hätten Sie es am liebsten, er würde weitermachen?
Ralf macht es selbst viel Spaß in diesem Jahr. Aber es ist eben vereinbart, dass dann Julian Nagelsmann kommt, auf den ich mich auch freue. Aber das ist für mich und die Kollegen erst nächste Saison ein Thema.

„Ich glaube der Verein will keine Dreißiger”

Sie haben jüngst gesagt, dass Sie vielleicht irgendwann einmal zu alt für RB Leipzig sein könnten. Wenn Ihr Vertrag 2022 ausläuft sind Sie 30. Wie sind Ihre Pläne?
Die besten Jahre kommen jetzt für mich. Deswegen bin ich auch froh, dass ich jetzt wieder voll angreifen kann. Ob ich hierbleibe, bis ich 30 bin, werden wir mal sehen. Ich glaube der Verein will keine Dreißiger hier haben. Aber ich bin wie ein feiner Rotwein, werde im Alter besser (lacht).

Vor zwei Jahren wollten Sie unbedingt wechseln, jetzt hat man das Gefühl, dass Sie gern so lange wie möglich bleiben würden. Sind Sie zufriedener in Leipzig als vor zwei Jahren?
Vielleicht, ich bin Vater geworden, habe eine andere Perspektive auf das Leben. Aber ich habe auch damals immer gesagt: Jeder Spieler hat Träume, will vielleicht eines Tages auch mal in Italien, Spanien oder England spielen. Aber ich bin jetzt seit vier Jahren in Leipzig, fühle mich immer noch sehr wohl, habe keinerlei Probleme hier und denke gerade nur an unsere Ziele. Die Fans, der Verein und auch wir Spieler wollen wieder Champions League spielen. Wir wollen diese Hymne wieder hier in Leipzig hören. Daran arbeiten wir.

Worauf kommt es im wichtigen Spiel am Montag gegen Hoffenheim an?
Hoffenheim ist auch kompakt, gut am Ball und individuell gut besetzt. Wir müssen es so machen, wie in den vergangenen Spielen: eng stehen und dann schnell umschalten. Dann haben wir gute Chancen zu gewinnen.

Sagen Sie Julian Nagelsmann dann schonmal Guten Tag?
Ich kenne ihn persönlich noch gar nicht. Dann käme es komisch rüber, wenn ich zu ihm hinginge, um ihn zu begrüßen. Und er wird auch nicht zu mir, Timo Werner oder Marcel Sabitzer gehen, um uns zu sagen, dass wir uns in fünf Monaten sehen. So läuft das nicht. Noch haben wir unterschiedliche Ziele. Das Einzige, was jetzt für uns zählt, ist die Champions League.