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Kommentar: Mit diesen Emotionen ist alles möglich

Kommentar von Matthias Kießling
Ausgelassener Jubel bei RB Leipzig nach dem 2:1 in Augsburg. (Foto: imago/Sven Simon)

Ausgelassener Jubel bei RB Leipzig nach dem 2:1 in Augsburg. (Foto: imago/Sven Simon)

Es waren aussagekräftige Bilder, die RB Leipzig beim Sieg in Augsburg mal abgesehen von den unnötigen Rangeleien nach der Partie produzierte. Nach dem Treffer zum 2:1 in der letzten Minute der Verlängerung war die gesamte Bank mit in die Jubeltraube gestürmt, die von Augsburger Fans mit Bierbechern eingedeckt wurde. Später rannte die Mannschaft mit ausgebreiteten Armen zum Gästeblock, um dort den Einzug ins Halbfinale des DFB-Pokal ausgelassen zu feiern. Zuvor war schon Ralf Rangnick direkt Richtung Gästefans gelaufen und herzte alles, was ihm in den Weg kam, was beim RB-Trainer in der Form sonst nur sehr selten vorkommt.

Wie wohltuend anders die Emotionen gerade im Vergleich zur mit professionellen Kühle verwalteten Europa League waren. Mit jeder Faser demonstrierten die Akteure, dass sie im DFB-Pokal nicht nur mitspielen, sondern Großes erreichen wollen. Berlin, das Finale vor der Haustür, das ist das Ziel. Das Ausscheiden in der Europa League nach einem Unentschieden gegen ein an diesem Tag international bestenfalls zweitklassiges Rosenborg Trondheim war dagegen noch eher gleichmütig runtergeschluckt worden.

Lust auf DFB-Pokal ermöglicht Sieg in Augsburg trotz Rückschlag

Genau diese Lust auf den Wettbewerb machte am Ende in Augsburg den Sieg in einem Spiel möglich, das fußballerisch von Perfektion Meilen entfernt war. Gerade in der zweiten Halbzeit der regulären Spielzeit hatte RB Leipzig kaum noch eine gelungene Offensivaktion verzeichnet. Einen einzigen Torschuss gab man in 45 Minuten ab und das war das Tor von Timo Werner.

Der Ausgleich mit der letzten Aktion der regulären Spielzeit gab den Gastgebern eigentlich das Momentum in diesem Spiel. Doch in der Verlängerung zog RB Leipzig das Tempo noch mal an und verdiente sich den Sieg durch eine kämpferisch tadellose Leistung und viel Willen. Paradebeispiel dafür war Marcel Sabitzer, der in der 115. Minute noch quer über den Platz sprintete, als wäre die Partie gerade angepfiffen worden. Auch wenn ihm fußballerisch über weite Strecken der Partie nicht viel gelang.

RB Leipzig darf vom Finale in Berlin träumen

Die Partie in Augsburg war ein deutlicher Beleg dafür, was auch an Tagen möglich ist, an denen es spielerisch nicht läuft, wenn man denn den Wettbewerb annimmt und ihn nicht als zusätzliche Belastung wegmoderiert. Mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln stemmte RB sich auch in den schwächeren Phasen des Spiels den wuchtigen, mit langen Bällen vorgetragenen Attacken der Augsburger entgegen.

Sicher, wir würden wohl anders über die Partie sprechen, wenn der FCA im Elfmeterschießen ins Halbfinale eingezogen wäre. Aber an der Lust der RB-Spieler auf den DFB-Pokal, die sich in den emotionalen Bildern ausdrückt, gibt es nichts zu deuteln. Erstmals konnte RB Leipzig damit in das Pokal-Halbfinale einziehen. Und wenn man erst mal so weit gekommen ist, ist mit den Emotionen tatsächlich auch in Richtung historischem Pokalsieg alles möglich – und es wäre auch in der Europa League sehr viel mehr möglich gewesen.