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RB Leipzig spielt gegen sich selbst: Für Ralf Rangnick eine Sache des Kopfes

Vorbericht von Martin Henkel und Matthias Kießling
Lukas Klostermann könnte bei RB Leipzig ins Team zurückkehren und will in Leverkusen wie schon in der Hinrunde auch jubeln. (Foto: imago/Eibner)

Lukas Klostermann könnte bei RB Leipzig ins Team zurückkehren und will in Leverkusen wie schon in der Hinrunde auch jubeln. (Foto: imago/Eibner)

Es gibt schlechtere Gegner als Bayer Leverkusen, findet Ralf Rangnick. Der 60-Jährige weiß nur zu gut: Bayer unter Coach Peter Bosz, das ist, als würde der Tabellendritte gegen sein eigenes Spiegelbild spielen – und zwar gegen die radikalere Version. „Das ist gut für uns“, meinte der Trainer von RB Leipzig deshalb vor dem direkten Duell (06.04.2019, 15.30 Uhr/ live bei Sky). „Damit wissen wir, was wir auf alle Fälle nicht tun dürfen.“

Zum Beispiel: „den Ball hin und herzuschieben“. Sprich, auf die Idee kommen, sich von hinten heraus nach vorn zu kombinieren, im schlimmsten Fall durchs Zentrum. Kurzum: Bayer ins Messer zu laufen. Radikal, das bedeutet unter Peter Bosz nämlich Forechecking. Den Gegner so früh wie möglich anlaufen, nervös machen, den Ball abnehmen und im Sprinttempo umschalten. So zu spielen also, wie RB Leipzig auch. Aber mit viel mehr Risiko und – wie Peter Bosz auf Differenzen zu RB hinweisend anmerkte – mit dem Willen den Ball von hinten auch unter Druck geordnet herauszuspielen.

Auf Bayer Leverkusen lastet Erfolgsdruck

Rangnick hat Lust auf dieses Duell, das war dem RB-Trainer anzumerken. Endlich mal kein Gegner, der tief im eigenen Hinterland steht, weil er sich vor Leipzigs Pressing fürchtet. Sondern der selbst presst und vorwärts spielt. Zumal Bayer ja Gastgeber ist, das verpflichtet. Und bereits zehn Punkte hinter RB liegt. Letzte Chance also, um den Kontakt zu den Champions-League-Plätzen nicht endgültig abreißen zu lassen.

Auf Leverkusen lastet deshalb der weitaus größere Druck in diesem Spiel, das im Schatten des Klassikers zwischen den Bayern und Dortmund am Samstagabend eine Vorentscheidung bringen könnte, wer im Rennen um die Königsklassentickets verbleibt. Verliert Leverkusen, vergrößert sich der Abstand zu den Rasenballern auf 13 Punkte. Siegen auch Frankfurt und Gladbach enteilen die zwei Teams ebenfalls um zehn bzw. acht Zähler.

Ralf Rangnick verspricht frisches RB Leipzig

Als wäre das der Last nicht genug, bekommen es die Rheinländer auch noch mit der besten Abwehr der Liga zu tun und dem hinter BVB und FCB drittbesten Auswärtsteam der Liga. Dass Bayer zuletzt zwei derbe Pleiten hinnehmen musste, verschlechtert die Auspizien auf einen Sieg zusätzlich. Ausgerechnet gegen die unmittelbaren Kontrahenten um die Karten für die Europa League, Hoffenheim und Bremen, kassierte der Tabellensechste ein 1:4 und 1:3.

Trotzdem bereitet sich Rangnick auf das schwerstmögliche Spiel vor. „So früh attackiert zu werden, wird eine neue Erfahrung für uns.“ Mulmig aber ist ihm nicht. Dass RB am Dienstag beim 2:1 im Pokal gegen Augsburg über 120 Minuten gehen musste, werde kein Problem sein, versicherte er. „Wir werden frisch sein!“ Eher sei es „eine Kopfsache“: Wie dem Druck der Leverkusener Stand halten und selbst die eigenen Stärken ausspielen.

Teamvergleich Bayer 04 vs. RB Leipzig

RB muss laufstärkstem Team der Liga standhalten

Die Antwort darauf ist das Personal. Geeignetes Personal: ballsicher, ideenreich, nervenstark. In dieser Frage sieht Rangnick sein Team gewappnet. Nur Mittelfeldspieler Tyler Adams falle verletzt aus, berichtete er. Dafür aber stehen ihm Lukas Klostermann und Emil Forsberg wieder zur Verfügung.

Mit drei, vier Spielern, die in Augsburg nicht über 120 Minuten auf dem Platz standen, will Ralf Rangnick zusätzliche Frische ins Team bringen. Das dürfte auch nötig sein, denn Leverkusen ist das laufstärkste Team der Bundesliga und hatte eine Woche lang Zeit sich auf das wichtige Spiel gegen RB Leipzig vorzubereiten. Um erfolgreich zu sein, trainierte man mehrfach hinter verschlossenen Türen und wird die Fehler in der Defensive in den letzten zwei Spielen abstellen müssen.

Mannschaften mit Offensivgeist treffen aufeinander

Offensiv bringen Bayer und RB ähnliche Zahlen zustande. 15 Torschüsse gegen beide Teams pro Spiel ab, 1,8 Tore fallen dabei. In der Defensivarbeit unterscheiden sich die Mannschaften aber enorm. 12,4 Torschüsse lässt Bayer pro Spiel zu, RB nur 9,0. Daraus fallen bei Bayer pro 90 Minuten 1,6 Gegentore, bei RB nur 0,7. Unter Peter Bosz haben seit der Winterpause bei Bayer sowohl die Zahl der eigenen, als auch der gegnerischen Torschüsse noch mal zugenommen.

Für das Spiel gegeneinander verspricht das viel Offensivgeist und viele Aktionen vor beiden Toren. Ziel von RB Leipzig ist es, im Umschalten schnell hinter Bayers Mittelfeld und Abwehr zu kommen, so wie es Hoffenheim und Bremen bei ihren Siegen gegen Leverkusen zuletzt vormachten. Viel Zeit, dies einzuüben hatte Ralf Rangnick allerdings unter der Woche nicht, da Nach dem Spiel in Augsburg am Mittwoch und Donnerstag Regeneration auf dem Programm stand. Angesichts dessen dürfte es gut sein, dass mit Bayer ein Gegner auf RB zukommt, dessen Spielweise dem Leipziger Trainer und seinen Spielern in vielen Aspekten allzu bekannt vorkommen dürfte.

Rotebrauseblogger Matthias Kießling mit seinen Einschätzungen zum Spiel in Leverkusen und zur Auslosung im DFB-Pokal.

Gepostet von RBlive – Das Newsportal zu RB Leipzig am Freitag, 5. April 2019