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Machtdebatte bei RBL: Rangnick ist aktuell nicht zu ersetzen

Ein Kommentar von Ullrich Kroemer
Gemeinsame Zukunft in Leipzig? Ralf Rangnick und Oliver Mintzlaff (Foto: imago/Revierfoto).

Gemeinsame Zukunft in Leipzig? Ralf Rangnick und Oliver Mintzlaff (Foto: imago/Revierfoto).

Ralf Rangnick äußerte bei der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den FC Bayern München zwei vielsagende Sätze. Angesprochen auf sein – vorerst – letztes Heimspiel als Trainer sagte er: „Es wird nicht mein letztes Heimspiel sein. Ich gehe mal davon aus, dass noch viele weitere dazukommen.” Er geht davon aus. Einhundertprozentig sicher klang das nicht.

Zwar bekräftigte Rangnick gleich mehrfach, dass er seinen bis 2021 laufenden Vertrag als Sportdirektor zu erfüllen gedenke, dementierte aber Meinungsverschiedenheiten mit Klubboss Oliver Mintzlaff wegen seines Wunschs nach größerer Aufgaben- und Machtfülle nicht. Mintzlaff könnte mit zwei Sätzen Schärfe aus der Debatte nehmen, schweigt aber auf Anfrage.

Debatte mit großer Sprengkraft

Die Reaktionen der Beteiligten zeigt, dass die Diskussion durchaus genug Sprengkraft besitzt, das so erfolgreiche Duo der vergangenen Jahre zu entzweien. Rangnick ist Widerspruch in entscheidenden, strategischen Fragen nicht gewohnt. Und Mintzlaff, erster Fußball-Vertrauter von Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz, mag seine Stellung als Dreh- und Angelpunkt des Red-Bull-Fußball-Reichs nicht an Rangnick abtreten.

Inhaltlich würde es dem Red-Bull-Klub-Netzwerk zweifellos gut tun, wenn Entwicklungsexperte Rangnick die Talenteausbildung lenkte. Fraglich ist jedoch, ob Rangnick überhaupt offiziell zusätzliche Aufgaben in Brasilien und den USA übernehmen dürfte. Schließlich pochte der europäische Fußballverband 2017 darauf, dass Mintzlaff den Job als Head of Global Soccer bei Red Bull abgibt. Was den Manager freilich nicht davon abhielt, jüngst im Auftrag von Mateschitz bei der Übernahme des brasilianischen Zweitligisten Bragantino zu verhandeln. Doch eine offizielle Tätigkeit Rangnicks an verschiedenen Standorten macht vor diesem Hintergrund wenig Sinn.

Mintzlaff kann Rangnick-Abgang nicht riskieren

Aber zurück nach Leipzig: Ob Mintzlaff und Rangnick auch über den Sommer hinaus weiter zusammenarbeiten können, hängt davon ab, ob Rangnick bereit dazu ist, sich als Sportdirektor auf Leipzig zu beschränken, ins zweite Glied zu treten und seinen Nachfolger als Sportdirektor aufzubauen. Für diese Variante spricht, dass Rangnick seinen Wunschtrainer Julian Nagelsmann als Mentor begleiten und aufbauen will.

Wenn der aktuelle Erfolgscoach jedoch das Gefühl bekommt, nicht vollends ausgelastet zu sein und von seinem einstigen Berater Mintzlaff ausgebremst zu werden, kann eine Trennung auch ganz schnell gehen. Dass Rangnick rigorose Entscheidungen fällen kann, hat er einst in Hoffenheim gezeigt, als er am Neujahrstag 2011 wegen Meinungsverschiedenheiten mit Mäzen Dietmar Hopp hinwarf.

Doch das kann Mintzlaff nicht riskieren, denn RB Leipzig verlöre in Rangnick den sportlichen Vordenker und Motor des Klubs. Aktuell sind Expertise, Autorität und Entscheidungskraft des 60-Jährigen nicht zu ersetzen. Mintzlaff, der alle Fäden im Klub in der Hand hält und ein blendendes Verhältnis zu Mateschitz hat, der ihn als einziger kippen könnte, steht ebensowenig zur Disposition. Sieht also ganz so aus, als müssten sich beide Klublenker in den Gesprächen nach Saisonende wieder zusammenraufen, will RB nicht auf einer der drei wichtigsten Positionen nicht an Qualität verlieren. Noch ist das möglich.