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Von Thomas Fritz

RB kritisiert niedrige Impfquote in Sachsen Aber Red-Bull-Sender Servus TV macht Stimmung gegen den Pieks

Dietrich Mateschitz, der umstrittene Gründer des Getränkekonzerns Red Bull.

Dietrich Mateschitz, der umstrittene Gründer des Getränkekonzerns Red Bull.

Deutlich wie selten zuvor hat sich RB Leipzig in eine politische Debatte eingeschaltet. Weil der Freistaat Sachsen in seiner neuen Corona-Schutz-Verordnung bis Mitte Dezember Großveranstaltungen mit Zuschauern untersagte und RB damit zu mindestens drei Geisterspielen verdonnerte, hagelte es vom Fußball-Bundesligisten Kritik an Ministerpräsident Michael Kretschmer, ohne ihn beim Namen zu nennen. „Die höchste Infektionsrate aller Bundesländer einhergehend mit der niedrigsten Impfquote ist ein Beleg dafür, dass die Politik es in Sachsen bislang nicht geschafft hat, tragfähige Konzepte umzusetzen, um die Pandemie wirksam einzudämmen“, hieß es in einer Erklärung vom Cottaweg.

Nicht so recht ins Bild passt es da, dass ausgerechnet Servus TV, der vom Red-Bull-Boss, RB-Leipzig-Gründer und -Sponsor Dietrich Mateschitz finanzierte österreichische Privatsender, Stimmung gegen Coronaimpfungen macht. "Impfpflicht durch die Hintertür, vertuschte Nebenwirkungen, Einschränkung der Grundrechte, Repression, der Druck auf Ungeimpfte, die Unterdrückung kritischer Experten, die Aufdeckung der Wahrheit hinter den politisch motivierten Lügen und den Interessen der Pharmaindustrie" seien in der Pandemie die wiederkehrenden Themen von Servus-TV-Intendant Ferdinand Wegscheider, schreibt die Süddeutsche Zeitung. 

Servus TV verbreitet "gefährlichen Scheiß"

Während Mateschitz' deutscher Fußballklub die Politik in Sachsen kritisiert, wettert Mateschitz' TV-Sender zeitgleich gegen Maßnahmen zur Pandemie-Eindämmung in der Alpenrepublik. Ein Widerspruch, der auch einigen Fußball-Fans auffällt. "Mensch, haben wohl zu viele Menschen den gefährlichen Scheiß geglaubt, den euer Haus- und Hofsender Servus TV täglich seit fast 2 Jahren verbreitet", schreibt Jonas Frohwitter auf Twitter an die Adresse von RB. Ein weiterer Twitter-User namens "Bigbamboo361" meint: "Ihr habt schon mitbekommen, dass der Fernsehsender Eures Hauses u.a. dem Impflügner Bahkdi permanent eine Bühne gibt?". (Anmerkung der Redaktion: Die Zusammenarbeit wurde wegen antisemitischer Äußerungen Bahkdis eingestellt) 

RB Leipzig hat natürlich nichts damit zu tun, was auf Servus TV gesagt oder kommentiert wird. Trotzdem muss der Klub damit leben, dass manche Menschen die Verbindung aufgrund des Sponsors aus Fuschl am See herstellen. Die Red Bull Media House GmbH, unter deren Dach Servus TV produziert wird, gibt unter anderem auch "The Red Bulletin" heraus. Ein Magazin, in dem schon oft Geschichten über RBL-Profis erschienen sind.

RB-Ultras arbeiten sich an Mateschitz ab

Anerkennung für die RB-Kritik an der sächsischen Regierung kommt derweil aus unerwarteter Ecke: Jule Nagel, Leipziger Landtagsabgeordnete der Linkspartei und langjährige Anhängerin von Chemie Leipzig, lobt den Bundesligisten auf Twitter für die klaren Worte. Nicht ohne Widerspruch zu ernten. "Schade nur, dass der Verein einem Rechtspopulisten gehört, dessen eigener Fernsehsender Servus TV die Pandemie kräftig mit anheizt", schreibt einer ihrer Follower.

Auch die eher linksgerichtete aktive Fanszene von RB Leipzig reibt sich seit Jahren am österreichischen Mäzen. Die inzwischen aufgelöste Fangruppierung Red Aces griff Mateschitz 2017 sogar mit einem Banner direkt an. „Der Mäzen des autoritärsten Vereins, welch Witz, nennt sich selbst ein Pluralist“, hieß es als Reaktion auf ein Interview, in dem der 77-Jährige vermeintliche Fehlentscheidungen der österreichischen Asylpolitik bemängelte und die Arbeit von Flüchtlingshelfern schlecht redete. Und das obwohl sich RB Leipzig immer wieder aktiv in der Flüchtlingshilfe engagiert hatte. Widersprüche wie diese und wie im aktuellen Fall gehören im Hause Red Bull/RB Leipzig wohl einfach dazu.