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Von Ullrich Kroemer

Parkhaus-Streit RB Leipzig versus Stadt: Aussage gegen Aussage

Riss zwischen Stadt und RB Leipzig: Burkhard Jung und Dietrich Mateschitz beim Aufstiegsspiel in die Bundesliga 2016.

Riss zwischen Stadt und RB Leipzig: Burkhard Jung und Dietrich Mateschitz beim Aufstiegsspiel in die Bundesliga 2016. 

Die denkmalgeschĂŒtzte TribĂŒne des ehemaligen Schwimmstadions gegenĂŒber dem Stadion von RB Leipzig wittert seit Jahrzehnten weitgehend unbeachtet vor sich hin. Zuletzt wurde die Freiluft-Arena, die einst fast 10.000 Zuschauer fasste, als Freibad genutzt und 1999 geschlossen; 2004 folgte der Abriss – bis auf die denkmalgeschĂŒtzte NordtribĂŒne samt ehemaligem Heizhaus.

Doch aktuell ist das etwa 17.000 Quadratmeter große GelĂ€nde prominentes Streit-Thema in der Messestadt: RB will das Areal kaufen, um ein Parkhaus, seine GeschĂ€ftsstelle samt neuer „Fanwelt” und auf Wunsch der Stadt auch ein Sportmuseum darauf zu errichten. Die Stadt um den am vergangenen Sonntag wiedergewĂ€hlten OberbĂŒrgermeister Burkhard Jung hingegen will das GrundstĂŒck nicht (mehr) abgeben, sondern lediglich fĂŒr 99 Jahre an RB verpachten. Weil das laut Verein ganz anders vereinbart gewesen sei, ging der Klub mitten im Wahlkampf massiv an die Öffentlichkeit und warf OBM Jung (SPD) Wortbruch vor.

„Wenn ich mit jemandem ĂŒber einen Kaufvertrag spreche und die Zusage war: ,Wir verkaufen euch das GrundstĂŒck unter gewissen Bedingungen’ – dann kann ich es nicht nachvollziehen, wenn der OberbĂŒrgermeister erklĂ€rt, dass dies angeblich nie ein Thema war”, preschte RB-Klubboss Oliver Mintzlaff via Bild-Zeitung vor. Jung tue so, „als hĂ€tten wir nie ĂŒber einen Kauf gesprochen und als ob es keine Zusagen gegeben hĂ€tte. Die gab es und die waren klar besprochen.”

RB vs. Jung: Aussage gegen Aussage

Ein offenes ZerwĂŒrfnis zwischen zwei Playern, die bislang eine unzertrennliche Symbiose bildeten. Der Klub bekam stets, was er wollte (GelĂ€nde am Cottaweg, Stadion) und im Rathaus waren sie dankbar, dass der polarisierende Spitzenverein mit immenser Strahlkraft in ganz Europa fĂŒr Leipzig wirbt. Nun aber steht Aussage gegen Aussage.

2018 hatte RB erstmals Interesse bekundet, das GrundstĂŒck zu kaufen und in Höhe von etwa 50 Millionen Euro investieren zu wollen. Wohlwissend, dass der Stadtrat grundsĂ€tzlich beschlossen hatte, keine kommunalen GelĂ€nde mehr zu verkaufen. Jung brachte die Anfrage im Mai 2019 dennoch im Ältestenrat ein, dem der OBM und die Fraktionschefs aller Parteien angehören. Über das Ergebnis dieses GesprĂ€chs herrscht Uneinigkeit. „Es wurde mit den Fraktionsvorsitzenden besprochen, dass RB seine AusbauplĂ€ne in den stĂ€dtischen Gremien prĂ€sentieren kann, was anschließend in einer gemeinsamen Sitzung verschiedener FachausschĂŒsse auch erfolgt ist”, teilte ein Rathaussprecher auf MZ-Nachfrage mit. Und: „Es wurden an RB immer beide Optionen –Verkauf und Erbpacht – kommuniziert, mit dem klaren Hinweis, dass der Leipziger Stadtrat fĂŒr die Verkaufs-Option nur sehr schwer zu gewinnen wĂ€re.”

RB pocht hingegen darauf, dass der Ältestenrat einem Verkauf unter Bedingungen zugestimmt habe: Der Klub solle das Sportmuseum integrieren, die Stadt wolle Miteigentum an dem GebĂ€ude behalten, in dem das Sportmuseum integriert wird, und das Parkhaus solle unterirdisch gebaut werden.

Jung gab GrĂŒnen eine „Zusage” – RB wusste von nichts

Da der Bau einer Tiefgarage in sumpfigem Terrain wie dem StadiongelĂ€nde vier mal so teuer ist wie ein oberirdisches Parkhaus, holte RB einen Investor ins Boot. Das habe die Stadt abgelehnt, da es im Stadtrat erst recht nicht darstellbar wĂ€re, dass ein Dritter MiteigentĂŒmer des GelĂ€ndes wĂŒrde, und sich mit der Parkhauslösung zufrieden gegeben. Ende November habe RB dann die nochmals geĂ€nderten, vermeintlich finalen Bedingungen gestellt bekommen. Zudem habe die Stadt eine Kanzlei beauftragt, den Kaufpreis mit dem Fußballklub zu verhandeln. Seit Mitte Dezember soll die Summe – ein hoher, einstelliger Millionenbetrag – RB vorliegen.

Im Klub sind sie nun vor allem erbost darĂŒber, dass Jung RB nicht darĂŒber informierte, dass ein Verkauf plötzlich nicht mehr zur Debatte steht. Das erfuhr der Verein aus einer Facebook-Mitteilung der GrĂŒnen, die Jung ebenso wie die Linke bei der Wahl unterstĂŒtzten. Katharina Krefft, Fraktionsvorsitzende der Leipziger GrĂŒnen, sagte auf MZ-Anfrage, dass ihre Partie eine „Zusage” von Jung zum Mitgliederbeschluss habe, in dem es unter anderem heißt: „Das GrundstĂŒck soll im Eigentum der Stadt verbleiben.”

Im Verwaltungsstandpunkt zu einem Antrag der GrĂŒnen, dass kein oberirdisches Parkhaus im Waldstraßenviertel gebaut werden solle, teilte Jung mit: „In Verhandlung ist unter anderem ein Erbbaupachtrecht zur dauerhaften Sicherung kommunalen Eigentums. FĂŒr den privaten VorhabentrĂ€ger ist aus kaufmĂ€nnischer Sicht eine eigentĂŒmerĂ€hnliche Stellung zur Umsetzung fĂŒr die Stadt (Sportmuseum) und den Investor (Infrastruktur zur Stadionbetreibung und zum Sportbetrieb) unabdingbar.” Was mit „eigentĂŒmerĂ€hnlicher Stellung” gemeint ist, ist unklar.

Mintzlaff hatte vor der Wahl in der Leipziger Volkszeitung gefordert: „Wir erwarten, dass der OberbĂŒrgermeister, die Stadtverwaltung und alle Fraktionen im Stadtrat den eingeschlagenen Weg weiter mit uns beschreiten und einem Verkauf und einer anschließenden Entwicklung des GrundstĂŒcks im Rahmen der getroffenen Vereinbarungen auch weiterhin zustimmen können.” Die Entwicklung des Vereins, „der Woche fĂŒr Woche Zehntausende Menschen der Region berĂŒhrt”, dĂŒrfe nicht auf dem Altar des Wahlkampfes geopfert werden.

Linken-StadtrĂ€tin Riekewald: „Entsetzt ĂŒber die Aussagen von Herrn Mintzlaff”

Linken-StadtrĂ€tin Franziska Riekewald betont, dass es im Ältestenrat grundsĂ€tzlich „kein Votum und auch keine Abstimmung geben könne, höchstens ein Stimmungsbild”. Entscheidungen allerdings treffe allein der Stadtrat. Sie sei „entsetzt ĂŒber die Aussagen von Herrn Mintzlaff, da diese suggerieren, dass es ihm egal ist, was der Stadtrat will”. Dass ihm Gegenwind ins Gesicht weht, ist der Klub, dessen SelbstverstĂ€ndnis es ist, alles zu erreichen, was er sich vorgenommen hat, nicht gewohnt. Doch dass nun noch ein Verkauf im Stadtrat beschlossen wird, ist nach der Vorgeschichte kaum vorstellbar.

Vor allem aber gilt es, das gestörte VertrauensverhĂ€ltnis zwischen RB und Stadt wieder zu kitten. Aktuell ruht die direkte Kommunikation zwischen Jung und RB. Doch die Zeit drĂ€ngt. 2021 muss der Bau beginnen, damit das Parkhaus – auch Auflage des europĂ€ischen Fußballverbandes Uefa – rechtzeitig zur Europameisterschaft 2024 fertig wird, wo Leipzig vier Spiele ausrichten wird. (RBlive/ukr)