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Halstenberg im Interview: „Das kann meine beste Saison werden“

Marcel Halstenberg spielt eine starke Saison bei RB Leipzig.

Marcel Halstenberg spielt eine starke Saison bei RB Leipzig.
Copyright: imago/Christian Schroedter

Er gehört mittlerweile zu den Stamm – und Schlüsselspielern von RB Leipzig: Linksverteidiger Marcel Halstenberg. Der 27-Jährige hat heute Chancen, von Bundestrainer Joachim Löw zum zweiten Mal nach November 2017 in den Kader der Nationalmannschaft berufen zu werden. Wir haben Halstenberg getroffen und mit ihm über den Umbruch in der DFB-Elf, einem zweiten Debüt unter Löw, über Flugkopfbälle und seine Lieblings-Ecke gesprochen.

Herr Halstenberg, am Mittag wird der Bundestrainer seinen Kader für die kommenden zwei Länderspiele gegen Serbien und die Niederlande bekanntgeben. Hat er Sie schon angerufen?
Bis jetzt noch nicht.

Wird er Sie nominieren?
Es gab im Vorfeld keinerlei Signale. Aber ich würde mich tierisch über einen Anruf freuen. Das ginge keinem Spieler anders.

Wenn Joachim Löw Sie einlädt, was sagt Ihnen das? Sie werden getestet – oder Sie sind jetzt für eine Weile dabei?
Ich denke, der Grundgedanke wäre: Der ist jetzt erstmal Teil der Mannschaft. Alles andere liegt dann bei mir. Zu zeigen, dass ich es auch international draufhabe.

„Es ist Zeit, dass jüngere die älteren Spieler ersetzen“

Es gibt aktuell vier, fünf Kandidaten für die Position des Linksverteidigers: Nico Schulz aus Hoffenheim, Marvin Plattenhardt aus Berlin, Jonas Hector vom 1. FC Köln und Philipp Max, Augsburg. Wo sehen Sie sich in dieser Hierarchie?
Das ist schwierig zu sagen, die Einordnung liegt auch nicht bei mir. Schulz ist ein guter Verteidiger, hat viel Tempo nach vorn, ist robust, sehr sicher am Ball. Jonas Hector spielt in der 2. Liga meist im Mittelfeld und bringt sehr viel Erfahrung mit – schwer, ihn einzuordnen. Und Marvin Plattenhardt hat in dieser Saison nicht so viel gespielt. Klar, habe ich gute Leistungen gezeigt und fühle mich bereit für die Nationalmannschaft. Ich wäre gern dabei, den Umbruch im Team zu bewerkstelligen. Aber, wie schon gesagt, das muss ja jemand anderes entscheiden.

Vielen Spielern ist die WM in Russland zum Verhängnis geworden. Ist es ein Vorteil, dass Sie aufgrund Ihres Kreuzbandrisses vor einem Jahr nicht dabei gewesen sind?
(lacht). Nein, ich wäre natürlich gern dabei gewesen. Egal, wie es ausgeht, lernst du bei jedem Turnier und kannst es für dich verarbeiten.

Zitat Marcel Halstenberg

Zitat Marcel Halstenberg

Joachim Löw hat in der Vergangenheit lange an Spielern festgehalten. Jetzt hat er Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng aussortiert, die ihren Zenit mit 30 oder wie in Müllers Fall mit 29 Jahren nicht zwangsläufig überschritten haben. Hat Sie seine Entscheidung überrascht?
Ich kenne Joachim Löw nicht lange genug, um einzuschätzen, was ihn in Summe bewogen hat. Irgendwann ist einfach immer der Zeitpunkt, zu dem jüngere Spieler die älteren ersetzen. Die Zukunft wird zeigen, ob es die anderen besser machen.

Sie sind 27. Das ist kein klassisches Umbruchspieler-Alter.
Das müssen andere beurteilen. Bei meinem Debüt gegen England habe ich aber ordentliche Leistungen gezeigt, denke ich.

Haben Sie sich mit den kommenden zwei Gegnern der DFB-Elf schon gedanklich beschäftigt?
Nein. Ich bin Profi und spiele in erster Linie für RB und konzentriere mich auf das nächste Spiel. Und da heißt der kommenden Gegner FC Schalke 04.

Mehr „unauffällige“ Bälle

Wie ist das, gegen eine Mannschaft zu spielen, die gerade 0:7 in der Champions League verloren hat?
Nach einer solchen Niederlage wie in Manchester werden sie es gegen uns ganz anders angehen. Vor ihren eigenen Fans werden sie sich nicht so präsentieren. Gegen City musste Schalke Tore schießen, um weiterzukommen, gegen uns werden sie sicher erst einmal tief stehen und abwarten.

Wöchentlich grüßt das Murmeltier. Haben Sie eigentlich noch Bock auf Spiele, in denen Sie gegen tiefstehende Gegner und Sechserketten anrennen müssen?
Es geht ja nicht immer um Bock – wir nehmen die Herausforderung an und wollen die Spiele immer gewinnen. Man hat gegen Augsburg gesehen, wie schwer das war. Wir hatten zwar unsere Torchancen, aber keine hundertprozentige. Das wird auch auf Schalke wieder ein Geduldsspiel, nehme ich an. Ich bin selbst gespannt, wie wir das angehen werden.

Wie knackt man solche Teams, beim 0:0 gegen Augsburg wirkten Sie und Ihre Kollegen etwas ratlos?
Gegen solche Mannschaften brauchen wir die ein oder andere Blitzidee, die Bälle, die unauffällig sind.

Was meinen Sie mit unauffälligen Bällen?
Bälle, die keiner auf dem Radar hat. Zum Beispiel gefährliche Chip-Bälle hinter die Kette – auch wenn sie so tief steht wie die der Augsburger. Das haben wir trainiert. Dass der FCA sich soweit zurückzieht, hat uns aber schon überrascht. Teilweise hatten sie zwischen dem vordersten und dem hintersten Verteidiger gefühlt nur 15 Meter Abstand. Trotzdem, wir haben einige Spieler, die diese Bälle in die Räume Richtung Eckfahne spielen können, wo die Zehner oder die Außenverteidiger dann querlegen sollen.

Heißt das, die Mannschaft muss mehr Risiko gehen?
Natürlich bedeutet das mehr Risiko, dass wir nicht nur Sicherheitspässe spielen, sondern im letzten Drittel mehr wagen.

Sie sind auf der linken Seite sehr in den Spielaufbau eingebunden. Was sind Ihre Aufgaben, wenn RB angreift bzw. umschaltet?
Gegen Augsburg zum Beispiel war die Idee, dass Kevin Kampl auf meine Position kommt, diese Seite überladen wird und ich nach vorn durchschiebe. Aber wenn sechs Spieler in der letzten Abwehrreihe stehen, ist es schwer, bis zur Grundlinie durchzukommen.

Ihr Counterpart auf der rechten Seite, Lukas Klostermann, strahlt gerade etwas mehr Torgefahr aus als Sie. Können Sie sich bei ihm was abschauen?
(lacht) Ich kann mir bei Ecken ja schlecht den Ball selbst auflegen. Ich trete sie ja oft. Deshalb freue ich mich, ihm die Assists zu servieren. Nein, im Ernst, Lukas hat sich generell sehr gut entwickelt in den vergangenen Monaten und ist im Offensivspiel gefährlicher geworden.

Sie machen gerade offensiv durch Standards auf sich aufmerksam. Woher rührt die neue Stärke?
Selbstvertrauen. Ich schlage im Moment einfach gute Ecken und Freistöße.

„Wir sind jetzt eingespielt“

Wie ist das bei Standards geregelt: Übernimmt Emil Forsberg automatisch, wenn er reinkommt?
Wenn Emil reinkommt, ist er mit seinem sehr guten Fuß eine Waffe. Also übernimmt er je nach Bedarf. Manchmal ist er einfach auch schneller beim Freistoß oder an der Eckfahne (lacht). Ich habe kein Problem damit, mich hintenanzustellen und in die Mitte zu gehen, um zu versuchen selbst torgefährlich zu werden. Wenn er nicht dabei ist, bin ich aber momentan der alleinige Standardschütze. Da geht man automatisch selbstbewusster ran und versucht die Dinger bestmöglich reinzubringen.

Haben Sie eine Lieblingsecke?
Die auf meiner Seite. Also die Bälle weg vom Tor. Unsere Zielspieler im Strafraum, Willi Orban zum Beispiel, mag sie so lieber. Damit man nur noch reinlaufen muss und so automatisch mehr Druck auf dem Ball hat, wenn er einem entgegenkommt. Ich selbst mag das auch lieber.

Standards sind ein Mittel, um die vielen defensiv spielenden Gegner zu schlagen. Ein anderes ist es, hinten ja nichts anbrennen zu lassen. 20 Gegentore sind Ligabestwert. Haben Sie jemals einen Ralf Rangnick erlebt, bei dem es in erster Linie heißt: Die Null muss stehen?
(lacht). Wir hatten Ende vergangener Saison 53 Gegentreffer. Das war ein bisschen viel. Also musste der Trainer etwas ändern. Dass wir hinten jetzt so dicht sind, spricht für unsere System. Und das ist nun mal die Basis dafür, dass die Tore vorn was einbringen.

Was ist anders im Vergleich zur letzten Saison?
Wir machen weniger einfache Fehler und wir kennen uns inzwischen viel besser. Wir sind eingespielt. Das macht schon einen großen Unterschied.

Viele Gegner dringen zur Leipziger Vierer- beziehungsweise Fünferkette, in der Sie spielen, gar nicht erst durch. Wie entspannt haben Sie es da hinten?
Wir haben schon noch zu tun, aber wir stehen auch gut, klar. Das gibt uns Raum und Kraft für die Offensive. Man sieht das ja. Ich habe ein Tor geschossen, Lukas Klostermann zwei, Willi Orban fünf, Ibrahima Konaté eins.

Zuletzt machte es den Eindruck, als ginge die Null-Gegentore-Strategie zu Kosten Ihrer Offensive. Zu Hause hat RB seit der Winterpause erst ein Tor geschossen. Täuscht der Eindruck?
Ich denke, ja. Unsere Torflaute hat vor allem mit den Gegnern zu tun und wie die gegen uns agieren. Vielen Teams reicht es, wenn sie einen Punkt holen. Also machen sie hinten dicht.

Haben Sie mit 27 noch ein großes Entwicklungsziel? Eine bestimmte Freistoßtechnik á la Cristiano-Ronaldo-Knuckle-Ball zum Beispiel? Oder Flugkopfbälle?
(lacht). Ich habe bei St. Pauli mal eine Weile lang versucht, die Schusstechnik von Ronaldo nachzuahmen. Hat nicht geklappt. Danach habe ich entschieden: Lass mal, Marcel. Mach‘ lieber die einfachen Sachen.

Ihre Talententwicklung ist in Bezug auf Neuigkeiten also abgeschlossen?
Nein. Da gibt es schon noch Sachen, die ich gern könnte.

Zum Beispiel?
Mein Kopfballspiel bei eigenen Ecken: Wann muss ich wo stehen und abspringen? Willi Orban kann das richtig gut. Und natürlich Torgefährlichkeit. Heißt: Wann spiele ich ab, wann gehe ich selber in den Strafraum?

Nah am Karriere-Zenit

Sie könnten mit Yussuf Poulsens Mentalcoach zusammenarbeiten. Der hatte sich Ende vergangener Saison dieselbe Frage.
(lacht) Wird schwer, sein Coach ist Däne und kann leider kein Deutsch.

Vielleicht mit einem deutschen Kollegen?
Bei mir ist das gar nicht so sehr eine mentale Frage, sondern eine handwerkliche. Das muss ich im Training lösen.

Sind Sie zufrieden soweit mit ihrem aktuellen Entwicklungsstand, ihrer Karriere?
Bin ich. Nach meinem Kreuzbandriss war es wichtig, die Verletzung aus dem Kopf zu bekommen, Vertrauen in die Bänder und das eigene Vermögen zurückzugewinnen. Das habe ich hinter mir, jetzt geht es darum, mein Spiel zu verfeinern.

Es heißt, normalerweise braucht ein Spieler für die Rückkehr auf sein Topniveau mindestens genauso lang, wie er verletzt gewesen ist. Sie waren schneller. Woran lag das?
Die Physios wussten genau, was sie tun. Der Klub hat mir signalisiert, dass er auf mich baut und ich habe während der Verletzung meinen Vertrag verlängert. Das war das Signal für mich: RB rechnet mit dir.

Wie nah sind Sie Ihrem Karriere-Zenit?
(lacht) Von den Scorerpunkten her bin ich schon ganz nah. Ich fühle mich wirklich gut. Wenn ich das Niveau halte und vielleicht auch noch selber treffe, kann das meine bislang beste Saison werden.

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