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"Deutschland gehört zu den Top-Favoriten" RB-Schlussmann Gulacsi über das Duell mit Klostermann und Halstenberg bei der Fußball-EM

Peter Gulacsi wird auch bei der EM vor vielen Fans spielen.

Peter Gulacsi wird auch bei der EM vor vielen Fans spielen.

Peter Gulacsi gehört zu den herausragenden Torhütern der Fußball-Bundesliga - und stellt sich bei der EM der deutschen Nationalmannschaft entgegen. Im SID-Interview spricht der 31 Jahre alte Schlussmann von RB Leipzig über die Rolle des Außenseiters Ungarn in der "Todesgruppe F", einen besonderen Heimvorteil und die Schatten der ruhmreichen Vergangenheit.

Ungarn ist in der deutschen EM-Gruppe F klarer Außenseiter. Warum glauben Sie dennoch an die Sensation?
Wir haben in der Nations League und zu Beginn der WM-Qualifikation für Überraschungen gesorgt und gegen starke Gegner gepunktet oder sogar gewonnen. Das gibt uns Hoffnung - und, dass wir zwei Heimspiele haben. Wir werden in Budapest über 65.000 Ungarn in unserem Rücken haben. Das gibt uns eine riesige Portion Extra-Motivation, einen emotionalen Push. Wir hoffen, dass wir zusammen mit den Fans gegen Portugal und Frankreich überraschen können.

Gulacsi: Dominik Szoboszlais Fehlen "natürlich bitter"

Auch ohne Ihren Vereinskollegen Dominik Szoboszlai?
Dass er fehlt, ist natürlich bitter. Er hat Riesenpotenzial und Riesenqualität. Sein rechter Fuß ist außergewöhnlich in Europa, er kann ein Spiel sehr gut beschleunigen, das Tempo wechseln und hat sich körperlich extrem gut entwickelt. Er ist kombinationsstark und für einen offensiven Mittelfeldspieler sehr schnell, ein kompletter Spieler und Schlüsselspieler für uns. Aber ich bin mir sicher, dass wir seinen Ausfall gemeinsam kompensieren werden."

Und dann müssen Sie zum Gruppenfinale gegen Deutschland auch noch auswärts in München antreten.
Für mich gehört Deutschland vom Kader und vom Potenzial her zu den absoluten Top-Favoriten. Für mich sind sie absolut auf Augenhöhe mit den Besten. Und mit Thomas Müller sowie Mats Hummels sind jetzt noch zwei erfahrene Topspieler zurückgekommen. Wenn man sieht, welche Offensivqualität und welche Spieler Deutschland vorn hat - puh. Dazu die Klasse im Mittelfeld, das ist mit das Beste in Europa. Es wird gegen sie genau so schwer wie gegen Frankreich oder Portugal. Unser Ziel ist, dass wir bis dahin unsere Chance offen halten und noch weiterkommen können.

Welche Schwächen hat die DFB-Elf?

Sehen Sie bei der DFB-Elf auch Schwächen?
Schwächen? Tja, wir reden wirklich über Kleinigkeiten. Ich habe einige Spiele von ihnen gesehen, aber davon auszugehen, was in der Nations League oder in der WM-Quali war, wäre falsch. Die Topspieler leben für so ein großes Turnier - und Deutschland hat einige davon. Ich bin ziemlich sicher, dass sie bei der EM ihre bestmögliche Leistung abrufen werden. Da von Schwächen zu reden, wäre nicht richtig.

Ihr Gegenüber im deutschen Tor ist Manuel Neuer. Was schätzen Sie an Ihrem Kollegen?
Für mich ist er der beste Torwart der Welt. Er ist sehr komplett in allen Bereichen: Ob Raum- oder Torverteidigung, auch sein Offensivspiel - er ist überall absolut auf Top-Niveau. Er ist mit 35 Jahren extrem fit, extrem schnell. Seine Leistungen in wichtigen Spielen sprechen für sich.

Witze mit RB-Teamkollegen Marcel Halstenberg und Lukas Klostermann

Mit Marcel Halstenberg und Lukas Klostermann treffen Sie auch auf zwei Ihrer Klubkollegen. Blüht der Flachs?
In der Kabine gab es natürlich einige Sprüche. Aber wir haben während der Saison nicht so viel über die EM gesprochen. Wir hatten mit Leipzig so viele Aufgaben, dass wir darauf voll den Fokus hatten. Nach dem ersten Gruppenspiel werden wir sicher schreiben. Beide sind sehr gute Jungs, sehr fokussiert. Ich hoffe sehr, dass sie mit Timo (Werner) ein sehr erfolgreiches Turnier spielen - aber gegen uns nicht gewinnen.

Wann immer Ungarn auf Deutschland trifft, werden Erinnerungen an 1954 wach, an das legendäre WM-Finale.
Wir als neue Generation beschäftigen uns weniger mit der großen Vergangenheit. Wir wissen natürlich trotzdem alle, dass es für Deutschland gegen Ungarn ein historisches Vorbild gibt, damals in Bern, wo wir leider verloren haben. Wir waren nie so nah dran, ein großes Turnier zu gewinnen. Es ist schade, dass es nicht geklappt hat, sonst könnten wir uns heute auch Weltmeister nennen. Das war eine großartige Mannschaft.

RB Leipzigs Peter Gulacsi über die Schatten der Vergangenheit und den Achtelfinal-Einzug

Belasten die langen Schatten der Vergangenheit nicht auch?
Nein. Die Tradition ist ein wichtiger Teil der ungarischen Fußballgeschichte, aber wir schreiben unsere eigene. Wir sind jetzt zum zweiten Mal in Folge bei einer EM, haben unsere Nations-League-Gruppe gewonnen und sind in die Liga A aufgestiegen. Wir sind erfolgreicher als die anderen es in den 20, 25 Jahren davor waren. Die Entwicklung geht in die richtige Richtung.

Was würde Ihnen der nächste Achtelfinal-Einzug nach 2016 bedeuten?
Sehr viel. Das würde wieder beweisen, dass wir in sehr kurzer Zeit etwas Großes geschafft haben. Wir sind Außenseiter in unserer Gruppe, obwohl wir mehrere Spieler in Top-Ligen haben und mit jungen Spielern näher an das Top-Niveau in Europa herankommen. Wenn wir es trotz des noch bestehenden Unterschieds zu den Top-Mannschaften schaffen würden, wäre das ein Riesenerfolg für den ungarischen Fußball, ein Riesenmoment für das Land und die Leute, die den Fußball lieben. Wenn wir denen etwas zurückgeben könnten, wäre das fantastisch. Unser großes Ziel ist es, einen der drei Großen zu schlagen. (sid)