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Von Ullrich Kroemer

Timo Werner abgezockt im DFB-Dress „Das kann sehr, sehr gut werden”

Von der Wade des Gegenspielers ins Tor: Timo Werner erzielt seinen zweiten Treffer.

Von der Wade des Gegenspielers ins Tor: Timo Werner erzielt seinen zweiten Treffer.

Bundestrainer Joachim Löw wusste, bei wem er sich bedaken musste. Als er Timo Werner in der 78. Minute für den Dortmunder Julian Brandt auswechselte, klatschte er den Lokalmatadoren nicht nur ab, sondern drückte den Torjäger kurz an seine Schulter. Mit seinem Doppelpack und den Toren 14 und 15 für das DFB-Team sorgte Werner beim 3:1 (2:1)-Sieg in der Nations League gegen die Ukraine dafür, dass der Erfolgsdruck, der derzeit auf der deutschen Nationalmannschaft lastet, etwas entwich. Zum Abschluss in Spanien am Dienstag hat die Löw-Elf den Gruppensieg nun selbst in der Hand.

Viereinhalb Monate nach seinem Abschied aus Deutschland lieferte Werner in der alten Heimat Leipzig zwar kein glanzvolles Spiel ab, aber ein gnadenlos effektives vor dem Tor. „Ich hatte hier vier Jahre lang sehr viel Spaß am Fußball und am Toreschießen”, sagte Werner im ZDF. Jetzt mache es ebenso Spaß, „in mein altes Stadion zu kommen und vor allem zu gewinnen”. Das gewohnte Umfeld sei dabei auch ein Faktor gewesen. Werner brillierte nicht, er war einfach da, wo er sein musste, um die Vorlagen selbstverständlich zu verwerten.

Timo Werner zum 2:1: „Mein Tor war einfach”

Der starke Robin Koch, den Bundestrainer Joachim Löw als Sechser aufgeboten hatte, um das Spiel der Ukrainer durch das Zentrum zu stören, chipte vor Werners 2:1 hinter die Abwehrkette auf Leon Goretzka, der den Ball mit einer Scherenschlag-Annahme artistisch kontrollierte und mit Tempo in die Mitte flankte, wo Werner wuchtig mit dem Kopf herangerauscht kam (33.). Beleg der neuen Robustheit aus der Premier League. „Mein Tor war einfach, aber wie Leon den Ball herunterholt und in die Mitte bringt, war sehr gut“, lobte der 24-Jährige.

Der Offensivmann vom FC Bayern München, bester Akteur der Partie, gab das Lob zurück. „Normalerweise schießt man so hin und wieder aufs Tor, ich habe jetzt den Ball so angenommen – anders komme ich einfach nicht dran”, erklärte Goretzka seinen Geniestreich. „Und Timo macht ihn super weg.”

Werner-Kenner wissen, dass der gebürtige Stuttgarter oft doppelt trifft, wenn die Last des ersten Tores von ihm abgefallen ist. Bereits zum 27. Mal in seiner Profikarriere – zum dritten Mal im DFB-Dress – traf „Mr. Doppelpack” Werner zweifach. So war es auch am Samstagabend im zugigen und gespenstisch leeren Leipziger WM-Stadion. Nach Balleroberung von Ilkay Gündogan verwandelte Werner eine Hereingabe von Rechtsverteidiger Matthias Ginter, indem er seinem Gegenspieler Illya Zabarnyi aus zehn Metern an die Wade schoss und der Ball unhaltbar für den bereits angegrauten Keeper Andriy Pyatov (36 Jahre) links unten im Tor einschlug (64.).

Ex-Stürmerstar Shevchenko schwärmt von Sturmtrio beim DFB

Ins Kombinationsspiel des deutschen Teams war Werner gar nicht mal besonders gut eingebunden. Gerade zu Beginn des Spiels lief über Links, wo Werner sich meist aufhielt, wenig. Diverse Ablagen gerieten ungenau, mit einer Passquote von nur 68 Prozent hatte er mit Abstand die höchste Fehlerquote im deutschen Team. Außerhalb des Strafraums fehlt ihm eben bisweilen die Trittsicherheit – auch im Wohnzimmer. Doch das sind bestenfalls Randnotizen, denn der Torjäger tat das, wofür er im deutschen Team vor allem zuständig ist: Toreschießen.

Zudem zog er mit seiner Geschwindigkeit viele gute Läufe an und half auch defensiv fleißig mit. Mit dem Dreiersturm Leroy Sané, Torschütze zum 1:1 (23.), Serge Gnabry und eben Werner „haben wir viel Tempo und Gefahr erzeugt, sie haben ständig den Gegner beschäftigt”, lobte Löw. Gerade Werner und Sané seien „lange Wege gegangen und haben viel gearbeitet”.

Der ukrainische Trainer Andriy Shevchenko, selbst einst Weltklasse-Stürmer beim AC Milan und FC Chelsea, lobte das Trio des Gegners begeisterter. „Das sind sehr schnelle Spieler mit individuell hoher Qualität, sie können gut manövrieren und ihre Spielweise gut variieren, auch auf die Flanken ausweichen”, schwärmte der 44-Jährige. „Diese junge Mannschaft kann sich die höchsten Ziele setzen.”

Diese Auffassung vertritt auch Timo Werner. „Nach vorn sieht das schon sehr gut aus, nach hinten werden wir immer sicherer, auch wenn uns der Pfosten dreimal gerettet hat”, sagte er. „Aber wenn wir regelmäßig daran arbeiten können, vor allem direkt vor der EM, kann das sehr, sehr gut werden.” (RBlive/ukr)