1. RB Leipzig News
  2. >
  3. News
  4. >
  5. Bevorstehender Abgang von Klopp bei RB: Der Mittelpunkt des Sonnensystems verschwindet wieder

Bevorstehender Klopp-Abgang Der Mittelpunkt des Sonnensystems verschwindet wieder

Es ist grotesk: Noch vor wenigen Tagen machte Jürgen Klopp bei RB Leipzig tabula rasa. Nun dürfte er den Red-Bull-Konzern in Kürze verlassen. Die Folgen sind noch nicht absehbar.

Von Ullrich Kroemer 04.07.2026, 05:00
Der Kapitän geht von Bord? Jürgen Klopp in New York.
Der Kapitän geht von Bord? Jürgen Klopp in New York. (Foto: Jan Woitas/dpa)

Leipzig – Während sich rings herum die Dinge überschlagen, ist es still bei Red Bull. Das sonst so öffentlichkeitsorientierte Unternehmen hat der derzeit keinen Sprecher für das Global-Soccer-Team, das Jürgen Klopp (Sport) und der ehemalige RB-Funktionär Florian Scholz (Finanzen) leiten. Zudem gibt es intern viel zu klären, bevor man sich äußern wird.

Denn dass Jürgen Klopp die Red-Bull-Fußballklubs nach nur anderthalb Jahren als globaler Fußballchef des Multi Club Ownerships wieder verlassen wird, scheint unumgänglich. Bereits in der Meldung zur Trennung von Julian Nagelsmann machte der DFB branchenunüblich Nägel mit Köpfen: Man werde das Gespräch mit Klopp suchen, heißt es da. Und weiter: „Er hat bereits seine grundsätzliche Bereitschaft zur Übernahme des Postens signalisiert.” Noch gibt es zwar keine Einigkeit mit Red Bull, doch der Verband hat sich schon einmal mächtig weit aus dem Fenster gelehnt.

Klopp-Claim: „Intensity is our identity”

Doch was bedeutet das für RB Leipzig und die übrigen Konzernklubs? Nach einer Einarbeitungszeit von einem halben Jahr hatte Klopp ab Mitte 2025 die Weichen für alle Vereine gestellt. Er initiierte an allen Standorten teils mehrfach Trainerwechsel und installierte Vertraute wie seinen Trauzeugen David Wagner als Nachwuchsleiter von RBL. Er entwickelte mit seinen Getreuen Zsolt Löw und Pete Krawietz eine modifizierte Red-Bull-Spielphilosophie für alle Standorte. Von Leipzig über New York und Tokio soll nun im 4-3-3-System mit zwei Flügelstürmern gespielt werden; Dreierkette steht auf dem Index und Pressingfußball mit Aggressivität und Intensität sollen die Markenzeichen sein. Dafür schufen Klopp & Co. einen neuen Claim, der auf Klamotten und die Wände in den Kabinen gedruckt wurde: „Intensity is our identity.”

All das hinterließe Klopp zwar als Erbe, doch der Red-Bull-Fußball verlöre den Mittelpunkt seines Sonnensystems, um den herum die Klubs wie Planeten kreisten. Zur Erinnerung: Bei RB Leipzig wurde bekanntlich auf Klopps Geheiß vor wenigen Tagen ein erfolgreicher Trainer geschasst, unter anderem deswegen, weil er wegen unterschiedlicher fußballerischer Ansichten nicht mehr bei Klopp gelitten war. Klopp rasierte dabei nicht mit der feinen Klinge, sondern pflügte einmal mit dem Bulldozer über den Cottaweg, um seinen Machtanspruch geltend zu machen. All das hätte man sich sparen können, da Klopp nun wohl bald höheren Aufgaben fürs Vaterland nachgeht.

Gentlemens Agreement im Falle einer DFB-Anfrage?

Für Red-Bull-CEO Oliver Mintzlaff, der so stolz war, Klopp im Herbst 2024 überredet zu haben, für ein geschätztes Jahressalär von zehn Millionen Euro zu dem Energy-Drink-Hersteller zu wechseln, wäre es ein herber Schlag, sollte „Kloppo” nach so kurzer Zeit wieder gehen. Sein Vertrag ist bis 2029 datiert – ohne Ausstiegsklausel, wie Mintzlaff damals betonte. Doch es soll laut Medienberichten ähnlich wie damals bei RB mit Julian Nagelsmann im Falle einer Bayern-Anfrage ein Gentlemens Agreement geben, laut dem Klopp gehen dürfe, wenn der DFB anklopfe. All das gilt es noch zu besprechen und zu verhandeln; billig wird das für den DFB nicht.

Ein Nachfolger für Klopp ist erst einmal nicht in Sicht. Kandidaten mit dem Know-how und der Strahlkraft von Klopp, die die Dinge in seinem Sinne weiterführen, gibt es kaum. Und wie treu Klopps Getreue dem Red-Bull-Konzern sind, wenn der Spiritus rector geht, bleibt abzuwarten.

Lesen Sie hier: Klopp wird zum Risiko für RB

Zugleich entledigt sich Red Bull jedoch auch eines Problems. Denn dass Klopp wie nach MZ-Informationen geschehen in die Klubs hineinregiert, den Trainern ins Handwerk pfuscht und eigenmächtig Entscheidungen herbeiführt, wenn sein Ratschlag nicht sofort umgesetzt wird, ist eher kontraproduktiv und kompetenzüberschreitend und schreckt potenzielle Kandidaten für Trainer- und Managerposten eher ab. Ob ein Mann mit dieser Arbeitsweise für den einenden Posten als Bundestrainer geeignet ist, steht auf einem anderen Blatt.