RB Leipzig

Blei in den Klamotten: Die Spieler von RB Leipzig in der Einzelkritik

Von Ullrich Kroemer, Martin Henkel 27.09.2020, 07:02
Verzweifelt in Leverkusen: Dani Olmo.
Verzweifelt in Leverkusen: Dani Olmo. Imago/Mika Volkmann

So haben wir die Spieler von RB Leipzig beim 1:1 (1:1) gegen Bayer Leverkusen gesehen:

Peter Gulacsi: Keine Frage: Kerem Demirbays Schuss zum 1:1 war außergewöhnlich. Und doch sah der Keeper nicht gut aus, als der Ball über ihn hinweg mittig an die Unterkante der Latte rauschte. Rettete RB danach das Unentschieden, als er Patrik Schicks Kopfball aus der Nahdistanz abwehrte. Note: 3.

Nordi Mukiele: Kein gutes Spiel des Rechtsverteidigers. Mukiele kam zu Beginn kaum hinterher, als Moussa Diaby oft über die linke Angriffsseite der Leverkusener durchbrach. Der Franzose hatte eine schlechte Passquote (68 Prozent) und zu viele Ballverluste (17). Note: 4.

Lukas Klostermann: Spielte erst links neben Dayot Upamecano in der Dreierkette und rückte dann nach der Umstellung in der zweiten Hälfte auf Viererkette rechts neben den Franzosen. Erledigte seinen Job solide, spielte gegen Diaby Körper und Schnelligkeit aus. Spielte unter Bedrängnis zu viele Bälle lang raus direkt in die Füße der Leverkusener, statt kurz aufzubauen. Note: 3.

Dayot Upamecano: Gleich zu Beginn war „Upa” da, als es lichterloh brannte. Nach Diabys Flanke auf Schick bekam er gerade so noch vor seinem Ex-Leipziger den großen Zeh an den Ball (4.). War der beste Leipziger Abwehrspieler, auch wenn ihm im Spielaufbau gelegentlich Fehler unterliefen. Hatte ein schönes Solo in die gegnerische Hälfte als er Tempo aufnahm wie einst der Brasilianer Lucio bei Bayer Leverkusen, aber hängenblieb. Note: 2,5.

Angeliño: Wohl das schwächste Spiel des Spaniers für RB, seitdem er da ist. Dem sonst so ballsicheren und zuverlässigem Linksfuß unterliefen zahlreiche Fehler (Passquote: 48 Prozent!). Vor dem Ausgleich verlor er als Restfeldabsicherer auf dem seifigen Leverkusener Geläuf erst die Standfestigkeit und dann den Ball. Als die Situation bereits geklärt schien, flankte Angel einem Leverkusener den Ball auf den Fuß. Vergab in der zweiten Hälfte eine aussichtsreiche Gelegenheit, als er mal bis zur Grundlinie durchkam, aber schlecht ablegte. Note: 4.

Amadou Haidara: Gehörte zu den emsigsten bei RB, gewann die meisten Zweikämpfe (16) und war am häufigsten am, Ball (65 mal). War viel mit Defensivarbeit beschäftigt und hatte weniger Gelegenheit, sich nach vorn einzuschalten. Note: 2,5.

Tyler Adams: Schwierige Partie für den Amerikaner, bekam im defensiven Mittelfeld nicht so recht Struktur ins Spiel. Hatte nur 40 Ballkontakte – äußerst wenig auf seiner zentralen Position. Klärte einmal schön per Kopf bei einer gefährlichen Flanke auf Schick. Sollte sich weniger über richtige Entscheidungen des Referees aufregen, dann hätte er die unnötige Gelbe Karte in der Schlussphase vermieden. Note: 3,5.

Kevin Kampl: Musste nach 45 Minuten vom Platz. Nagelsmann erklärte später: „aus taktischen Gründen, es gab kaum Bälle zum Aufbauen.” War vielleicht aber nur die halbe Wahrheit. Der Routinier vergab nach acht Minuten eine hochprozentige Chance zum 1:0 und verwandelte sich danach in eine Geistervariante von sich selbst. Note: 5.

Emil Forsberg: Zweite Partie für den Schweden von Beginn an in dieser Saison. Und wieder eine exzellente Vorstellung des Schweden. Erzielte das 1:0 mit feinem Linkshammer unter die Querlatte, was aus dieser Position statistisch gesehen in nur zwölf Prozent der Fälle gelingt. War auch sonst einziger Aktivposten im nach dem 1:1 immer holpriger werdenden Spiel nach vorn. Musste nach 67 Minuten für Christopher Nkunku weichen. Note 2.

Dani Olmo: Ein Torschuss in 90 Minuten und eine Zweikampfquote von 42 Prozent: Der Spanier hatte schon bessere Auftritte im Trikot von RB. War kaum in Aktion, stand oft zu weit weg vom Gegner und ließ das Genie in sich in keiner Offensivaktion heraus. Note: 4,5.

Yussuf Poulsen: War bis zu seiner Auswechslung wegen Problemen an den Adduktoren nach knapp einer halben Stunde (27.) der Ballansauger, den Trainer Nagelsmann sich wünscht. Ein Langholz von Peter Gulacsi holte er aus dem Himmel und legte es Emil Forsberg zum 1:0 auf. Note: 2,5.

Hee-chan Hwang: Kam nach der Pause für Kevin Kampl. Ist eine Miniversion von Timo Werner: sprintschnell, immer bemüht, emsig. Holte einen vielversprechenden Freistoß von Christopher Nkunku heraus, schoss den Abpraller aber am Tor vorbei (74.). Note 3.

Alexander Sörloth: Auf einen so frühen Einsatz war der Neuzugang wohl selbst noch nicht gefasst gewesen. Als es Yussuf Poulsen in der Leiste zwickte, musste der Norweger plötzlich ran und absolvierte seine erste gute Stunde im RB-Trikot. Mit äußerst durchwachsener Bilanz: kein Torschuss, kein Schlüsselpass, kein Dribbling. Sörloth schlich in vorderster Linie umher, als habe er Blei in den Klamotten. Hat noch arge Probleme beim Anlaufen, der Unterschied zu Poulsen war deutlich zu sehen. Deutete seine Zweikampfstärke und Durchsetzungsfähigkeit nur an. Aber das sei ihm nach fast drei Wochen ohne Mannschaftstraining, dem Wechselrummel und erst zwei, drei Einheiten mit dem neuen Team verziehen. Note 4.

Christopher Nkunku: Ersetzte Emil Forsberg nach 67 Minuten. Hatte ein gute Einschussgelegenheit, als er Lukas Hradecky mit einem Freistoß zu einer Glanzparade zwang (74.) und brachte etwas Belebung ins Angriffsspiel. Spielte ansonsten auf dem Niveau seiner Mitspieler. Ist noch nicht raus aus dem Leistungstief, das ihn zuletzt auf die Bank gebracht hat. Note: 3.

(RBlive/ukr/hen)