„Druck verspüre ich einfach nicht”

Tedesco verordnet Leipzig Leichtigkeit

Von Ullrich Kroemer Aktualisiert: 01.05.2022, 14:12
Derwisch Domenico nach dem Finaleinzug ins Pokal-Endspiel: Tedesco weiß, wie man ein Team emotionalisiert.
Derwisch Domenico nach dem Finaleinzug ins Pokal-Endspiel: Tedesco weiß, wie man ein Team emotionalisiert. (imago/motivio)

Die Spieler des SC Freiburg werden am Montagabend einen spontanen Fußballabend organisieren. Für zumindest zwei Nächte war die Elf von Trainer Christian Streich, die die Europa League nach dem 4:3 bei der TSG Hoffenheim schon sicher haben, auf Rang vier geklettert. Einen Punkt vor RB Leipzig steht der Underdog jetzt – Champions-League-Euphorie im Breisgau. Also gestattete Streich, dass sich seine Spieler gemeinsam anschauen dürfen, was die Konkurrenz am Montagabend macht: „Die Jungs können das bei einem Mannschaftsabend schauen – wenn sie danach zügig ins Nest kommen."

Während die Vergabe der Meisterschaft seit Jahren keinen Nervenkitzel mehr hervorruft, kämpfen im Saison-Schlusssport gleich fünf Teams um die Teilnahme am ganz großen Fußballtheater Champions League. Der Fünfte RB muss bei Borussia Mönchengladbach ran (20.30 Uhr), die drittplatzierten Leverkusener spielen zur gleichen Zeit gegen Eintracht Frankfurt. Ähnlich spannend war es zuletzt 2018/19, doch diesmal sind mit den furiosen Freiburgern, den euphorischen Kölnern (4:1 in Augsburg) und je nach den Ergebnissen am Montag auch noch den galligen Unionern (1:1 gegen Fürth) eben Teams aus dem Mittelstand der Liga im Rennen um die „Königsklasse” dabei, die keiner so weit vorn erwartet hätte.

Tedesco erklärt Freiburg zur neuen „Spitzenmannschaft”

Doch was heißt hier Mittelstand? „Der Spieltag hat zum x-ten Mal bestätigt, wie stark speziell der SC Freiburg ist, der sich mit einer überragenden Saison im deutschen Fußball als Spitzenmannschaft etabliert hat”, befand Tedesco. „Sie stehen nicht umsonst im Pokalfinale und auf Rang vier.” Das kann auch Streich so langsam nicht mehr kleinreden. „Für Freiburg ist es etwas ganz, ganz Besonderes, international spielen zu können. Aber wir haben es nicht gestohlen", kommentierte der Kultcoach. „Die Mannschaft reitet auf einer Welle, sie zeigt enorme Energie und Widerstandsfähigkeit – ich bin begeistert von ihrer Mentalität. Es ist Wahnsinn, was die Mannschaft leistet.”

Der Flow spricht also für den SC, das Restprogramm nicht. Gegen die direkten Konkurrenten Union und Leverkusen muss der Herausforderer antreten. RB hat in Augsburg und Bielefeld vermeintlich leichtere Kontrahenten, doch die Arminia könnte bis zum letzten Spieltag um Relegationsrang 16 kämpfen und hatte RB bereits in der Hinrunde eine empfindliche Niederlage beigebracht.

„Spielfreude, freier Kopf, passsicher sein”

Was also brauchen die Leipziger in dieser Schlussphase, damit ihnen nach der Aufholjagd in der Rückserie nicht kurz vor Schluss die Luft ausgeht? „Spielfreude in jeder Aktion auszustrahlen, passsicher zu sein, einen freien Kopf zu haben – das sind die Elemente, die für uns am Wichtigsten sind”, antwortete Tedesco. „Mir ist wichtig, dass die Spieler verstehen, dass sie sich diese Situation in den vergangenen Monaten erarbeitet und erspielt haben.” Der 36-Jährige verwies darauf, dass er die Mannschaft vor knapp fünf Monaten gegen Gladbach zum ersten Mal betreute. Damals hatten beide Teams 18 Punkte. „Das sagt schon ein bissel was darüber aus, was die Mannschaft geleistet hat.”

Natürlich will Rasenballsport nun das „Maximale”: zwei Titel in DFB- und Europapokal und den vierten Tabellenplatz in der Bundesliga. „Aber das sind positive Emotionen, wir haben einfach Lust. Ganz ehrlich: Druck verspüre ich einfach nicht.” Und das soll auf die Mannschaft abfärben, der man in den vergangenen drei Spielen deutlich anmerkte, dass die Gedanken zu kreisen beginnen. Die neue Devise des Taktierers lautet daher nun: „Voll drauf!” Belastungsüberlegungen spielten vor dieser bedeutenden Partie keine Hauptrolle mehr. „Wir treffen die Personal-Entscheidungen so, dass wir dieses Spiel gewinnen – völlig unabhängig von Glasgow”, betonte er. Die Freiburger werden bei einem Kaltgetränk entspannt beobachten, was die Favoriten anstellen.

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