„Es ging den Jungs auf den Sack”

Die Verwandlung: Rose bringt RB zum Laufen

Von Ullrich Kroemer 11.09.2022, 09:03
„Die Jungs haben das direkt in der ersten Ansprache vermittelt bekommen, da fragen wir nicht, sondern wir machen es so”: Marco Rose hat durch Autorität Überzeugung geschaffen.
„Die Jungs haben das direkt in der ersten Ansprache vermittelt bekommen, da fragen wir nicht, sondern wir machen es so”: Marco Rose hat durch Autorität Überzeugung geschaffen. (imago/opokupix)

Noch lange nach dem Spiel hallten die Marco-Rose-Jubel-Choräle durch das Leipziger Stadion. Nach dem erstaunlichen 3:0 (2:0) gegen Borussia Dortmund forderten die Fans von RB Leipzig ausdauernd den neuen Trainer. „Ohne Trainer gehn wir nicht nach Haus'”, sangen die Anhänger in Sektor B. Rose ging dann zwischen zwei TV-Interviews auch mal einen Schritt zur Fankurve und winkte. Mehr verkniff er sich. „Ich verstehe das, aber es ist nicht der Zeitpunkt nach dem ersten Spiel, sich mega feiern zu lassen, sondern wir wollen die nächsten Schritte gehen und daran arbeiten, in der Erfolgsspur zu bleiben.”

Kein Zweifel: Rose hat bei seinem Debüt das Feuer bei RB Leipzig nicht nur bei seinen Spielern, sondern auch bei den Fans entfacht. RB Leipzig spielte wie ein von der Kette losgelassener Terrier; Xaver Schlager und Konrad Laimer ackerten vor den Augen von Österreichs Nationaltrainer Ralf Rangnick im zentralen Mittelfeld wie aufgeputscht. Selbst Schöngeist Emil Forsberg grätsche und kämpfte, als sei er in einen Jungbrunnen gefallen. Und Timo Werner gelang zwar bis auf seine Vorlage zum 3:0 kaum etwas, doch der verunsicherte Nationalstürmer hatte zumindest wieder jede Menge Raum vor sich und muss nun nur noch lernen, auf dem Weg zum Tor einen klaren Kopf zu behalten. Wie also kam die Verwandlung zustande?

Marco Rose: „Ich habe keine Hand aufgelegt, ich bin kein Zauberer”

„Ich habe keine Hand aufgelegt, ich bin kein Zauberer. Wir haben zwei Tage an den Dingen gearbeitet, die wir auf den Platz bringen wollten und das haben die Jungs hervorragend umgesetzt”, sagte Rose. Und doch ist es dem Trainer zu einem Großteil zuzuschreiben, dass die Mannschaft mit so wuchtigem und zugleich stabilem Pressing-Fußball so auftrat wie wohl zuletzt unter Ralf Rangnick.

Anders als sein Vorgänger Domenico Tedesco, der in vielen Gesprächen mit der Mannschaft die ideale Spielweise zu finden versuchte, kam Rose mit einer fertigen Spielphilosophie im Gepäck am Cottaweg an. „Ich versuche für eine bestimmte Art von Fußball zu stehen. Mir war das klar, als ich angerufen wurde und dem Verein war das auch klar, was sie für einen Trainer bekommen”, sagte Rose zur Rückbesinnung auf den klassischen Red-Bull-Fußball. „Die Jungs haben das direkt in der ersten Ansprache vermittelt bekommen, da fragen wir nicht, sondern wir machen es so”, erklärte Rose den Stilwechsel. Mit seiner lässigen Autorität weckte Rose die Überzeugung, dass es für eine Veränderung die alten Tugenden wieder braucht.

Dortmund reagierte ratlos auf die Energie der Leipziger. „Sie haben uns gerade nach dem ersten Tor unglaublich aggressiv angelaufen, haben gespürt, dass wir im Passspiel immer enger wurden und viele Bälle verloren haben”, sagte BVB-Trainer Edin Terzic. „Wir haben es nicht geschafft, dem Druck standzuhalten.”

Szoboszlai: „Intensität, Mentalität und Energie – das war unglaublich”

„Ich habe bei den Jungs gespürt, dass es ihnen auf den Sack ging, dass sie keine Ergebnisse hatten. Wir stehen bei RB für eine bestimmte Art und Weise von Fußball, den haben sie im Tank, sie wissen, wie es geht, deswegen sind sie hier und so sind sie heute auch aufgetreten”, erklärte Rose, der es verblüffend schnell verstand, die Leidenschaft zu wecken.

Es war nur einigen offenbar nicht mehr bewusst, wie viel Spaß dieser gallige Fußball machen kann. Matchwinner Szoboszlai, der Willi Orban das 1:0 nach einer Ecke auflegte (6.), das 2:0 mit einem traumhaften Flatterschuss aus 23 Metern selbst erzielte (45.) und auch das 3:0 durch Amadou Haidara (84.) einleitete, sagte selbst verwundert: „Intensität, Mentalität und Energie sollten wir auf den Platz bringen, hat der Trainer gesagt. Wie wir das geschafft haben, war unglaublich.“

Ex-Spieler gehen für Rose durchs Feuer

Dass Szoboszlai, Schlager, Laimer und Amadou Haidara allesamt bereits in Salzburg unter Rose gespielt hatten und für ihn durchs Feuer gegangen waren, merkt man nun auch in Leipzig.

Rose blieb allerdings nicht verborgen, dass noch nicht alles im Presesingnetz stimmte. „Das war inhaltlich von den Abläufen des Pressings noch nicht perfekt, aber wir waren intensiv, haben etwas ausgestrahlt, haben das Stadion und uns gegenseitig mitgenommen. Das war der Schlüssel heute”, sagte Rose. Ihm ist bewusst, dass eine solche Energieleistung nicht in jedem Spiel möglich ist und RB auf Dauer effizienter wird agieren müssen. Doch in den kommenden Spielen gegen Real Madrid und bei Borussia Mönchengladbach kann der Coach auf ähnliche Spielweisen setzen. Wenn RB am Mittwoch in der Champions League bei Real Madrid so auftritt wie gegen den BVB, dürfte das auch Toni Kroos und Luka Modric stressen. Das Rezept ist einfach: „Genau das gleiche, was wir heute gemacht haben. Jetzt sind wir auf dem richtigen Weg”, sagte Szoboszlai

Spannend zu sehen wird sein, welche Idee RB gegen tiefstehende Gegner wie den VfL Bochum, der nächste Heimspielgegner, entwickelt. „Der erste Schritt war der richtige, wir haben nicht den zweiten vor dem ersten gemacht”, sagte Rose.

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