Geht RB im Schlussspurt die Kraft aus?

„Die Niederlage muss uns sensibilisieren”

Von Ullrich Kroemer Aktualisiert: 24.04.2022, 11:46
Die Hände in den Hüften: Enttäuschte Spieler von RB Leipzig.
Die Hände in den Hüften: Enttäuschte Spieler von RB Leipzig. (imago/Christian Schroedter)

Auch Domenico Tedesco musste sich nach der ersten Niederlage von RB Leipzig nach 15 Partien ohne Niederlage und der ersten Heimpleite im Jahr 2022 erst einmal sammeln. „Wenn ich wüsste, was die Mannschaft jetzt braucht, würde ich es direkt machen”, sagte Leipzigs Trainer lächelnd. Nach so vielen Erfolgserlebnissen müssen sie bei Rasenballsport nach der bitteren, aber leistungsgerechten 1:2 (0:0)-Niederlage gegen Union Berlin erst einmal wieder lernen, wie man auf Misserfolge reagiert. „Ich glaube, dass ein freier Tag nicht schlecht ist, das wird uns guttun”, sagte Tedesco. Der „blaue Montag” soll den Leipziger Dauerspielern helfen, vor der vierten englischen Woche am Stück und dem Halbfinal-Hinspiel in der Europa League gegen die Glasgow Rangers (Do., 21 Uhr), wieder zu Kräften zu kommen.

Nach der Pokaleuphorie und dem Finaleinzug gegen Union am Mittwoch vermochten es die Leipziger bei der Neuauflage nur vier Tage später nicht, ihren Kater abzuschütteln. In der ersten Hälfte wirkten die Gastgeber mit null Torschüssen einfalls- und leblos. „Trotz sechs Wechseln in unserer Startelf war Union griffiger und galliger, hat frischer und agiler gewirkt”, analysierte Leipzigs Fußballlehrer. „Wir waren zu langsam im Passspiel, haben es nicht geschafft, Union zu bewegen.” Nach dem kurzen Aufbäumen mit dem Führungstreffer durch Yussuf Poulsen nach sehenswerter Kombination von Christopher Nkunku und Emil Forsberg (46.) und einer verpassten Großchance von Nordi Mukiele, der den Ball an den Pfosten jagte (72.), ging RB in der Schlussphase komplett der Saft aus.

Behrens zeigt seinen imposanten Oberkörper: Kraftdemonstration von Union

Die Leipziger standen zu weit weg von ihren Gegenspielern, ließen die Unioner zweimal über die linke Abwehrseite gewähren. Sven Michel, der Sekunden zuvor erst eingewechselt wurde, hechtete erst in eine Flanke von Sheraldo Becker und traf per Kopf (86.). Kurz darauf legte der Ex-Cottbuser und -Paderborner dann dem ebenfalls frisch ins Spiel gekommenen Kevin Behrens den Ball mit der Sohle im Strafraum auf (89.). Kraftpaket Behrens riss sich das Trikot vom Leib und präsentierte den 45.770 Fans im Leipziger Stadion seinen imposanten Oberkörper.

Eine Kraftdemonstration und der späte Todesstoß für die Hausherren, die wohl schon geglaubt hatten, trotz schlechter Leistung einen erneuten Sieg nach Hause schaukeln zu können. „Wenn wir ehrlich sind, wäre ein Sieg nicht verdient gewesen”, bekannte Abwehrchef Willi Orban. Übrigens auch deswegen nicht, weil Referee Daniel Schlager einen klaren Strafstoß für Union nicht ahndete. Mukieles Tritt gegen Niko Gießelmann mit offener Sohle aufs Knie war zwar unabsichtlich, aber roh und hätte in jedem Fall mit einem Elfmeter bestraft werden müssen (60.).

Kampf und die „Königsklasse” wieder komplett offen

Nun ist der Kampf um die „Königsklasse” wieder komplett offen. Pokalfinal-Gegner Freiburg sitzt den Leipzigern mit nur zwei Punkten Rückstand im Nacken. Und auch Union Berlin hat nicht nur Punkte für eine mögliche Europa-League-Teilnahme gesammelt, sondern könnte nun sogar den Leipzigern mit nur vier Zählern Rückstand im engen Rennen um die Champions League noch gefährlich werden. „Logisch”, seien die „Eisernen” nun ein direkter Konkurrent, warnte Tedesco. „Union stand nicht umsonst lange in dieser Saison vor uns. Wenn sie uns schlagen, dann können sie überall gewinnen.”

Droht den Leipziger Tanzbodenkönigen, die bisher ohne Substanzverlust auf drei Hochzeiten übers Parkett schwebten, nun also in der entscheidenden Phase drei Spieltage vor Saisonende die Kraft auszugehen?

Orban: „Körperlich und mental erholen”

Zumindest gegen Union war das so. „Wir haben keine Energie auf den Platz bekommen, haben wenig Torgefahr ausgestrahlt”, wunderte sich Orban. „Das war zu wenig von uns, wir waren nicht wach genug. Wir sind natürlich enttäuscht, müssen jetzt durchatmen, uns körperlich und mental erholen, es sind intensive Wochen.”

Ein Ausrutscher zur richtigen Zeit also, der angesichts der rauschenden Vorwochen zu verkraften ist? Nur, wenn die Mannschaft die richtigen Lehren daraus zieht. „Die Niederlage muss uns sensibilisieren, dass wir weiter in jeder Aktion 100 Prozent geben müssen, dass wir die Spiele nicht von allein gewinnen”, betonte Orban. In den vergangenen Wochen habe es ja bisweilen so gewirkt, dass bei RB auch in schlechteren Spielen schon irgendeiner treffen werde. Darauf sollte sich RB gegen die ebenso wie Union leidenschaftlichen und bissigen Rangers nicht verlassen.

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