RB Leipzig„In der Kreisklasse wäre nicht abgepfiffen worden”: Gesprächsbedarf nach Elfmeter-Annullierung für RB Leipzig

Von Ullrich Kroemer 13.06.2020, 08:14
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Minutenlange  imago/Poolfoto

Es dauerte geschlagene zwei Minuten und 22 Sekunden, ehe Schiedsrichter Tobias Welz seinen vorherigen Elfmeterpfiff für Hoffenheim korrigierte und auf Freistoß für RB Leipzig entschied. Nach ausführlicher Rücksprache mit Videoassistent Tobias Stieler – aber ohne sich die Szene selbst noch einmal anzusehen – bewertete der Referee den kurzen Kontakt von Hoffenheims Steven Zuber, der einen Fehlpass von Marcel Sabitzer mit dem rechten Arm gestoppt hatte, als regelwidrig.

Im seit dieser Saison angepassten Regelwerk zum Thema Handspiel heißt es unter anderem: Es ist ein Vergehen, wenn ein Spieler in Ballbesitz gelangt, nachdem ihm der Ball an die Hand/den Arm springt und er danach direkt mit der Hand/dem Arm (ob absichtlich oder nicht) ins gegnerische Tor trifft (gilt auch für den Torhüter) oder zu einer Torchance kommt.

Doppeltes Handspiel und Behinderung durch den Referee

Wahrscheinlich dauerte die Klärung deshalb so lange, weil der TSG in der Szene gleich zwei Handberührungen unterliefen. Nach Zubers Balleroberung, wurde beim Pass auf Munas Dabbur auch Christoph Baumgartner an der Hand getroffen. Ebenso kurios: Zuvor war Sabitzer beim Herausspielen selbst behindert worden, weil der Schiedsrichter im Weg stand und den Ball kurz mit der Hacke berührte.

„Es gibt die klare Regel, damit es keine Auslegungssache ist. Da gibt es keinen Bewertungsspielraum”, sagte RB-Trainer Julian Nagelsmann hernach. „Wenn der Ball die Hand berührt, wird immer abgepfiffen. Demnach war es regelkonform.” Doch der RB-Trainer schränkte ein: „Wobei: Wenn man das in der Kreisklasse gemacht hätte, wäre wahrscheinlich nicht abgepfiffen worden, weil es da keinen Videobeweis gibt, sondern da wäre es normal weitergelaufen, was auch nicht tragisch gewesen wäre.”

TSG-Sportchef Rosen: „Keine eindeutige Situation”

Nagelsmann führte aus, dass die Regel zwar nicht „immer komplett fußballkonform” sei, „weil kein klarer Vorteil entsteht und es auch keine klare Absicht ist, wenn der Ball vom Oberschenkel an die Hand springt. Das ist nicht immer im Sinne des Fußballers.”

Generell räumte der RB-Trainer ein, dass sein Team an diesem Freitagabend endlich mal wieder Spielglück hatte. Das sei in den vergangenen Wochen nicht so gewesen, insofern betrachte er den Spielverlauf der Partie mit zurückgenommenem Elfmter und dem Doppelschlag von Dani Olmo als „Neutralitätsspiel”.

Alexander Rosen, Hoffenheims Sportdirektor und Sprecher des aktuellen Trainerteams, widersprach seinem Freund und langjährigen Trainer in puncto Eindeutigkeit. „Es dauert sehr lange – fast drei Minuten. Insofern war es keine eindeutige Situation”, sagte Rosen. „Wir haben vorher schon eine Chance, kriegen dann den Elfmeter. Im Gegenzug kriegen wir einen Doppelschlag. Das war eine extrem spielentscheidende Situation.” (RBlive/ukr)