Die RB-Profis in der einzelkritikDer abgebrochene Aufbruch

Nach dem 3:0 gegen Dortmund und vor allem dem Auftritt der RB-Profis konnte man meinen: Jetzt geht es aufwärts. Das 0:3 in Gladbach zeigte: Es geht noch tiefer. Die Niederlage war ein weiterer Offenbarungseid.

Von Martin Henkel Aktualisiert: 18.09.2022, 14:08
Schwer gezeichnet in Gladbach: Die RB-Profis Silva, Henrichs, Schlager, Raum, Gvardiol (v.l.)
Schwer gezeichnet in Gladbach: Die RB-Profis Silva, Henrichs, Schlager, Raum, Gvardiol (v.l.) (imago/picture point le)

So haben wir die Spieler beim 0:3 (0:1) in Gladbach gesehen:

Peter Gulacsi: Bei zwei der drei Gegentreffer war Gulacsi machtlos, das erste legt er selber auf, weil er einen Kopfball von Thuram nicht zur Seite pariert, sondern Jonas Hofmann vor die Füße. Verhinderte ansonsten zwei Mal gegen Hofmann und einmal gegen Elvedi eine noch höhere Niederlage. Note: 3

Benjamin Henrichs: War immerhin bemüht, Energie in sein Spiel zu bringen, mehr gelang dem Rechtsverteidiger aber nicht. Gegen Thuram oder Koné, wenn sie über seine Seite kamen, überfordert. Nach vorn wirkungslos. Note: 4

Willi Orban: Blasser Auftritt des Abwehrchefs. Nicht, dass er groß etwas falsch gemacht hätte, aber auch nicht vieles richtig. Was beim Pfälzer nach wie vor fehlt, sind sicht- und hörbare Leaderqualitäten. Passte sich dem Niveau seiner Kollegen an. Note: 4

Josko Gvardiol: Nicht mehr wiederzuerkennen nach seiner Verletzung. Agierte auf unterdurchschnittlichem Niveau, war wie beim ersten Gegentreffer gedankenlangsam und unstrukturiert. Note: 4,5

David Raum: Rabenschwarzer Tag für den Linksverteidiger nach zuletzt zwei starken Spielen. Ließ sich vor dem 0:1 von Scully überrennen und schirmte Hofmann beim später anschließenden Torschuss nicht ab. Leitete auch den zweiten Treffer ein, als er einen Rückpass von Szoboszlai schlampig annahm. Thuram klaute ihm den Ball und bediente Hofmann. Note: 5

Amadou Haidara: Völlig indisponiert. Stand vor dem 0:1 zu weit von Thuram weg, der unbedrängt auf Gulacsi köpfte. Wirkte überfordert mit den starken Zentrumsspielern der Gladbacher. Führte nicht einen Zweikampf. Musste in der Halbzeit vom Feld. Note: 5

Kevin Kampl: Ist momentan kein Gewinn für das Gegenpressing, auf das Rose so steht. Zu langsam, zu ungeordnet, zu lasch in den Zweikämpfen. Auch nach vorn nur ein Impuls, als er Nkunku mit einem Steckpass bediente, dessen Vorlage auf Silva Elvedi klärte. Note: 5

Dominik Szoboszlai: Neigte der Ungar früher zu eher verspielten Auftritten, ist Szboszlai unter Rose zum Krieger geworden. Brachte als einer der wenigen Normalform ins Spiel mit, war giftig, bemüht dagegenzuhalten, hatte eine gute Torgelegenheit, die der starke Sommer aber entschärfte. Note: 3

Emil Forsberg: Mal wieder die Ausgabe des Schwedens, die Stammspielereinsätze nicht rechtfertigt. Wirkt nach zwei intensiven Spielen übermüdet, was teils auch schon in Madrid zu sehen war. Ist offenbar für den Rythmus Englischer Wochen nicht mehr gemacht. Kein Torschuss, kein Pass, der ein Tor hätte werden können, führte keinen einzigen Zweikampf, der in einer Statistik auftauchte, hatte eine Passquote von nur 56 Prozent. Note: 5

Christopher Nkunku: Der Superstar der Rückrunde, gewählt zum besten Spieler der Saison, ist nicht mehr wiederzuerkennen. Offenkundig unzufrieden mit seiner neuen Rolle, die ihn nicht mehr so nah vors Tor führt. Anders sind die zuletzt laschen Auftritte kaum zu erklären. Hatte in Halbzeit eins, noch zwei gute Szenen, als er einmal Silva bedienen wollte und einmal selber abschloss. Mehr war vom Ausnahmespieler nicht zu sehen. Note: 5

André Silva: Ist zur Schachfigur seiner Trainer geworden, spielt deshalb verkrampft und glücklos. Hängte sich bis zur Pause immerhin rein, hatte zwei Abschlussmöglichkeiten, die einmal knapp am Tor vorbeiging, einmal Sommer entschärfte. War vor dem 0:3 schläfrig wie seine Mitspieler und hob zusammen mit dem am Fuß getroffenen Schlager das Abseits auf. Note: 3

Timo Werner (46.): Lam zur Pause für Forsberg. Hatte drei Torschüsse, allesamt ungefährlich. Konnte keine Akzente setzen. Note: 4

Xaver Schlager (46.): Ersetzte Haidara, fand aber nicht mehr gut rein ins Spiel. Wurde vor dem 3:0 am Fuss getroffen, kam deshalb nicht schnell genug aus der Abseitszone, was Bensebaini den Treffer ermöglichte. Hatte einen gefährlichen Torschuss. An Einsatz mangelte es nicht, aber an einem funktionierenden Team. Note: 3

Yussuf Poulsen (67.): Bekam weitere Comeback-Minuten nach seiner langen Verletzung. Brachte Wille mit, aber da war es schon zu spät für eine Wende. Legte vor allem nach dem Spiel den Finger in die Wunde: "Wir können uns gerade nicht aufeinander verlassen." Note: 3*

* Wir bewerten nur Spieler, die vor der 70. Minute eingewechselt wurden.