Nur Bochum ist schlechterRB leidet wieder am Herbst-Blues in der Fremde

Von Ullrich Kroemer Aktualisiert: 10.10.2022, 09:40
Lange Gesichter: Janis Blaswich, Willi Orban und Marcel Halstenberg beim Plausch der Defensiv-Routiniers.
Lange Gesichter: Janis Blaswich, Willi Orban und Marcel Halstenberg beim Plausch der Defensiv-Routiniers. (imago/Picture Point LE)

Same procedure as every year: Nach dem Auswärtsfluch im vergangenen Jahr ereilt RB in diesem Herbst erneut der Blues in der Fremde. Durch das hart erkämpfte 1:1 in Mainz blieb RB Leipzig in dieser Saison auswärts weiter sieglos und stagniert in der zweiten Tabellenhälfte. Noch nie hatten die Leipziger nach dem neunten Spieltag so wenige Zähler (12) und Tore (14) auf dem Konto. Selbst in der vergangenen Spielzeit mit dem desaströsen Start unter Jesse Marsch hatte Leipzig zwei Zähler und sechs Tore mehr auf der Habenseite.

Nach den kämpferischen und euphorischen Heimauftritten war das Auswärtsremis ein erneuter Stimmungsdämpfer für Marco Rose und seine Mannschaft auf der Suche nach dem „Flow”. Nur Bochum ist in dieser Saison auswärts noch schlechter. Wie bereits 2021 hat RB seit April (1:0 in Leverkusen) kein Bundesligaspiel in einem fremden Stadion mehr gewonnen.

In Mainz hatte das vor allem drei Ursachen.

Vom Hammer zum Amboss

Erstens verfiel das Team nach der ersten Viertelstunde in Lethargie und mutierte vom Hammer zum Amboss, auf den die Mainzer Schläge in immer schnellerem Takt einprassletne. Die agilen Stürmer Karim Onisiwo (23.) und Jae-Sung Lee hatten hervorragende Chancen, die Gulacsi-Ersatz Janis Blaswich bravourös parierte, ehe Marcus Ingvartsen nach Fehlerketten in der RB-Defensive halbrechts aus der Drehung das verdiente 1:0 erzielte (45.). „Wir haben das Spiel aus der Hand gegeben, uns nicht mehr bewegt, waren nicht so spritzig, wie wir es sein wollten”, ärgerte sich Routinier Halstenberg.

Zweitens ließen die Gäste zu viele Chancen liegen. Amadou Haidara köpfte an den Pfosten (18.), Nkunku (61.) und Werner (62.) scheiterten frei vor dem glänzenden 05-Keeper Robin Zentner. Doch immerhin erspielten sich die Leipziger in der zweiten Hälfte zwingende Torchancen. Das war in den meisten Auswärtspartien zuvor anders gewesen. Warum allerdings André Silva, der gegen Celtic doppelt getroffen hatte und endlich im Tor-Rhythmus schien, nicht von Beginn an auflief, war nicht nachzuvollziehen.

Rose: „Ich bin trotzdem positiv”

Dazu kam drittens, dass RB ein regulärer Treffer aberkannt wurde. Referee Felix Brych entschied, das Tor von Abdou Diallo nach Freistoß von Halstenberg nicht zu werten (53.), weil Willi Orban Torhüter Zentner irritiert haben könnte und somit das passive Abseits in ein aktives verwandelte. Doch Orban tauchte weit unter dem Ball durch, stand mehrere Meter von Zentner und Diallo entfernt. Rose monierte die „komische Regelauslegung” zu Recht. „Wir haben heute ein zweites Tor geschossen, das hätte zählen müssen”, sagte Leipzigs Trainer. Doch auf dem Platz beschwerten sich die Leipziger kaum. Auch das ist ein Puzzleteil, auch auswärts wie ein Spitzenteam aufzutreten und Fehler der Referees deutlich anzumahnen.

Rose mochte sich den Trend mit immerhin drei Partien ohne Niederlage nicht kaputtreden lassen und bilanzierte: „Am Ende steht ein Punkt. Ich bin trotzdem positiv, weil ich viele positive Dinge von meiner Mannschaft gesehen habe.”

Bereits am Dienstag steht RB in der Champions League in der Pflicht, endlich im dritten Anlauf in Glasgow auswärts zu punkten. Doch das wird angesichts der tosenden Kulisse im „Paradise“, wie die Grün-Weißen ihr Stadion nennen, eine Mammutaufgabe. „Der Celtic Park wird was Besonderes. Das ist auch eine Möglichkeit, ein Statement zu setzen”, betonte Orban. Es wäre genau der richtige Moment für den ersten Auswärtssieg seit einem halben Jahr.

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