RB Leipzig

Rückstände nach Standards: RB Leipzig hadert mit „unfassbar schlechter” Verteidigung

Von Ullrich Kroemer 28.05.2020, 10:33
Falsche Zuordnung: Raumverteidigung von RB Leipzig beim 0:1.
Falsche Zuordnung: Raumverteidigung von RB Leipzig beim 0:1. imago/Poolfoto

Nach dem 2:2 (1:1) gegen Hertha BSC brodelte es in Julian Nagelsmann. Und der Trainer von RB Leipzig mochte seinen Ärger über das schwache Heimspiel auch nicht verbergen. Der 32-Jährige haderte in den Gesprächen nach Abpfiff mit dem Spielplan, weil Hertha sich zwei Tage länger hatte ausruhen dürfen, und verweigerte die Antwort zu einer Frage nach den Champions-League-Zielen.

Erzürnt hatte Nagelsmann das Abwehrverhalten seines Teams vor der frühen Führung der Berliner nach einer Ecke (9.). „Unfassbar schlecht”, „katastrophal”, „wie eine Schülermannschaft”, „völlig ohne Gegenwehr” habe sein Team in der Szene verteidigt. „Wenn ein Spieler aus fünf Metern mit dem Fuß frei zum Abschluss kommt, ist das nicht zu erklären, warum wir da so körperlos verteidigen”, kritisierte der 32-Jährige.

Nagelsmann: „Ruhepause, bis der Ball im Tor lag”

Die Idee bei RB bei Ecken und Freistößen ist, nicht Mann gegen Mann, sondern im Raum rund um den Fünf-Meter-Raum zu verteidigen. Doch das lief nicht zum ersten Mal schief. „Die zentralen Spieler gehen aus der Ordnung heraus und stehen für zehn Sekunden auf der selben Position”, erklärte Nagelsmann. „Der Sinn einer Raumverteidigung ist, dass man sich nicht um den Mann kümmert, sondern um den Ball. Aber wenn du stehst, verteidigst du gar nichts, weder den Ball noch den Mann.”

Während sich gleich fünf Spieler um Dedryck Boyata am kurzen Pfosten kümmerten, aber allesamt unter dem Ball durchsegelten, war Dayot Upamecano so überrascht davon, dass Torschütze Marko Grujic angerauscht kam, als hätte er gar nicht mitbekommen, dass das Spiel bereits fortgesetzt wird.

Für diese Schläfrigkeit mochte Nagelsmann auch die Müdigkeit nach dem 5:0 gegen Mainz am Sonntag nicht als Ausrede gelten lassen: „Das man bisschen müde ist, ist noch lange kein Indiz dafür, dass man so verteidigt.” Die Sekunden vor einem Standard seien „eine kurze Ruhephase, ehe man dann wieder aktiv werden muss. Wir haben die Ruhephase so lange ausgedehnt, bis der Ball im Tor lag.”

„Müssen irgendwann mal lernen, dass wir nicht ständig in Rückstand geraten dürfen”

So war die Szene wohl prägend für das gesamte Spiel. „Wenn wir nicht in Rückstand geraten, gewinnen wir, weil im Verlauf der ersten Halbzeit der Druck groß wurde, als wir dann mal im Spiel waren”, sagte Nagelsmann.

Die Szene offenbarte zwei generelle Probleme der Leipziger. Erstens gerät das Team in schöner Regelmäßigkeit in Rückstand und muss sich dann mit dieser Hypothek erst wieder befreien. 13 mal schon musste die Nagelsmann-Elf in der Bundesliga Rückständen hinterherlaufen, zehn Mal reichte es danach nicht mehr zu einem Sieg. „Wir müssen irgendwann mal lernen, dass wir nicht ständig in Rückstand geraten dürfen”, monierte Nagelsmann nun.

Und zweitens hat RB auch wieder ein Standardproblem, was nach der demoralisierenden Standard-Gegentoreflut 2018 in der vergangenen Saison überwunden schien. Alle drei Gegentore der drei Geisterpartien resultierten nun aus ruhenden Bällen. Dazu kommt noch der aberkannte, vermeintliche Siegtreffer des SC Freiburg in der Nachspielzeit, der zwar nicht zählte, aber ebenfalls schlecht verteidigt war. Insgesamt hat RB in der Liga bereits zehn der 29 Gegentore nach Standards bekommen. Etwa ein Drittel. Gegentreffer, die viele Siege kosteten und die vermeidbar gewesen wären. (RBlive/ukr)