RB Leipzig

"Sie ist schwerhörig, ich habe gestottert": RB Leipzigs Upamecano über Spielerberaterin Raquel Rosa

Von (RBlive/sid/fri) 26.12.2020, 09:51
Raquel Rosa fungierte bei Dayot Upamecanos Vorstellung bei RB Leipzig im Januar 2017 als Übersetzerin. 
Raquel Rosa fungierte bei Dayot Upamecanos Vorstellung bei RB Leipzig im Januar 2017 als Übersetzerin.  Picture Point LE

Richtig im Zwiespalt der Gefühle war Raquel Rosa beim WM-Halbfinale 2014 in Belo Horizonte. Schließlich trafen ihr Geburtsland Brasilien und ihre zweite Heimat Deutschland aufeinander, und die Elf des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) siegte auch noch mit 7:1. Doch Rosa stand ja in Diensten des DFB, als Dolmetscherin bei den Pressekonferenzen.

"Ich habe mich gefragt, ob ich zum Abschlusstraining hingehen soll, weil ich doch Brasilianerin bin und für eine Spionin gehalten werden könnte", erzählte die 39-Jährige, die bis 2018 als Integrationsbeauftragte und Dolmetscherin bei RB Leipzig tätig war und heute Spielerberaterin von Dayot Upamecano ist, im L'Equipe-Interview. "Die Verantwortlichen sagten mir: Raquel, du kommst mit, niemand zweifelt an deiner Loyalität."

Und der größte Moment folgte nach dem Finale im Maracana-Stadion und dem 1:0-Triumph gegen Argentinien. "In meiner Heimatstadt Rio den Weltpokal berühren zu dürfen, das war ein unfassbares Erlebnis", betonte Rosa.

Rosa: Rangnick ist ein "Visionär"

Aber die Arbeit für den DFB und den Bundesligisten RB Leipzig - zuvor war sie schon für die TSG Hoffenheim tätig und hält ganz große Stücke auf den damaligen 1899-Coach Ralf Rangnick ("Ein Visionär") - war für die vielsprachige Rosa (deutsch, englisch, portugiesisch, spanisch, italienisch und französisch) nur eine Zwischenstation. Mehr als zwei Jahre arbeitet sie inzwischen für die Spielerberatungsagentur SportsTotal aus Köln.

Ihr Chef Volker Struth ist begeistert: "Raquel ist eine absolute Fußballexpertin, versiert in Wirtschaftsfragen, sprachbegabt und verfügt über ein ausgezeichnetes Netzwerk. Sie ist ein Trumpf für unsere Agentur." Rosa scheint der perfekte Dreiklang Fußball–Wirtschaft–Sprachen gelungen zu sein.

Mit elf Jahren nach Deutschland ausgewandert

Dabei ist sie total geerdet, weiß noch genau, wie es in ihrer Kindheit war. "Von meinem Taschengeld kaufte ich mir sofort Bonbons, weil ich wusste, sie würden am nächsten Tag teurer sein. Ich liebte es, mit meinen Freunden zu tauschen und zu handeln", berichtete sie über ihre damaligen Zwänge, die in der brasilianischen Inflation begründet waren.

Mit elf Jahren wanderte sie mit ihren Eltern - der Vater ist Rechtsanwalt, die Mutter studierte Sozialarbeiterin - nach Deutschland aus. Ihr Motto: "Wenn meine Eltern sich in Brasilien durchgesetzt haben, werde ich das in Deutschland, wo es viel leichter ist, auch schaffen." Gesagt, getan. Es folgte schließlich nach dem Abitur ein Wirtschaftsstudium.

RB Leipzigs Dayot Upamecano voll des Lobes über Rosa

"Ich musste Wirtschaftsenglisch lernen. Deshalb habe ich mich auf Sprachen gestürzt", sagte Rosa und berichtete ganz offen: "Da ich schwerhörig bin, musste ich wegen der Aussprache alle Wörter und Sätze tausendmal wiederholen, die Wörter und Aussprache aufschreiben. Aber ich habe gelernt, wie wichtig Sprachen sind." Der Aufwand hat sich gelohnt.

In Struths Agentur kümmert sie sich derzeit hauptsächlich um den französischen Markt, betreut vor allem den Leipziger Franzosen Dayot Upamecano (22). Der ist voll des Lobes über seine neue Agentin und erklärt das Vertrauen in der L'Equipe so: "Keiner von uns beiden hat ein leichtes Leben. Sie ist schwerhörig, ich habe gestottert. Aber wenn wir etwas erreichen wollen, sind wir beide dickköpfig – jeder auf seine Art."

Nach seinem Wechsel von Red Bull Salzburg zu RB Leipzig Anfang 2017 hatte sich Raquel Rosa intensiv um die Integration des Franzosen gekümmert und ihm unter anderem beim Deutschunterricht unterstützt. Seit 2018 hilft sie ihm als Beraterin.