Trotz Löw-Effekts So verlor RB die Pokalschlacht in Stuttgart
RB Leipzig war im ersten Spiel unter Interimstrainer Zsolt Löw im Semifinale des DFB-Pokals beim VfB Stuttgart die aktivere und dominantere Mannschaft, ließ sich aber von den Hausherren zwei Standardtore einschenken und einmal auseinander kombinieren.

Stuttgart – RB Leipzig hat den fünften Einzug in ein DFB-Pokalfinale verpasst. Trotz Trainerentlassung und neuem Übungsleiter. Mit Interimskraft Zsolt Löw verloren die Rasenballsportler beim VfB Stuttgart 1:3. Angelo Stiller (5.), Nick Woltemade (57.) und Jamie Leweling (73.) trafen für den Tabellenzehnten, Sesko verkürzte zwischendurch für den kriselnden Sechsten der noch laufenden Meisterschaft (62.).
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Das Ganze fand vor den Augen der versammelten Red-Bull-Fußballprominenz statt. Geschäftsführer Oliver Mintzlaff war im Stadion, sein Fußballchef Jürgen Klopp auch, ebenso dessen Mitarbeiter Nummer eins, Mario Gomez. Sie sollen RB ab dem Sommer wieder dahin führen, wo sie sich sehen: auf einen Platz an der Sonne, respektive Pokal-Finale und zurück ins Kandidaten-Quartett um die Meisterschaft. Champions-League-K.o.-Phase wäre auch okay.
Vandevoordt verdutzt
Bis dahin ist es aber noch ein Weg. Löws Startelf offenbarte Talent und Defizit des aktuellen Personals. Der Interimscoach verhalf Leihspieler Kosta Nedeljkovic zu seinem Startelf-Debüt in der Verteidigung, er stellte Ridle Baku neben Xavi Simons ins offensive Mittelfeld – und er rotierte Maarten Vandevoordt – wie sein Vorgänger Marco Rose – anstelle von Stammkeeper Peter Gulacsi ins RB-Tor.
Der Belgier war beteiligt am frühen Rückstand, weil er einen Schuss aus dem Hinterhalt von Angelo Stiller nach einer von Willi Orban mit der Stirn abgewehrten VfB-Ecke nicht antizipierte. Der Schuss flog deshalb aus 20 Metern volley an seinem verdutzten Gesicht vorbei ins RB-Tor. Das Stadion, vollgepackt bis unters gewölbte Dach, flippte komplett aus.
RB bekommt im 4-2-2-2 Zugriff
RB wankte, das 4-2-2-2, das Löw aus alter Verbundenheit zu RB-DNA als Grundordnung vorgegeben hatte, wankte. In der 9. Minute hatte der Ex-RB-Akademie-Spieler Ermedin Demirovic für den VfB das 2:0 auf dem Fuß, Nedeljkovic blockte seinen Schuss in letzter Sekunde.
Das Spiel, das sich in Folge entwickelte, ging danach aber immer mehr in den Zugriff der Gäste über. Bis zur Halbzeit dominierten die Red-Bull-Kicker die Partie und erspielten sich eine Handvoll, teils hochkarätiger Chancen. Lois Openda hatte drei davon, jeweils aber scheiterte er am VfB-Schlussmann Alexander Nübel (15., 16., 35.). Einmal schoss Baku knapp am langen Pfosten vorbei (37.), einmal schnappte sich Nübel mit einer Show-Parade einen Schuss von Xavi (31.).
Halbzeit-Appell: „Wir reißen uns den Arsch auf”
Von den Schwaben war nicht mehr viel zu sehen. Nedeljkovic blockte noch einen weiteren Schuss von Demirovic, mehr hatten die Rasenballsportler bis zum Pausenpfiff nicht auszustehen (25.). In der RB-Kabine wurde es laut. Nicht, weil der Vortrag dazu einlud, sondern die Situation. Noch immer lag RB zurück. Trainer Löw forderte: „Wir gehen jetzt da raus und reißen uns den Arsch auf!“
Die bessere Rückkehr ins Spiel gelang aber Stuttgart. In der 54. Minute flankte Nationalspieler Maxi Mittelstädt auf den Kopf von Nick Woltemade, Vandevoordt tauchte ab und parierte. Wenig später lag der Ball wieder im RB-Tor, weil der Schlaf erneut mitspielte. Woltemade finalisierte einen feinen Doppelpass mit Demirovic (57.)
Todesstoß in der Leipziger Drangphase
Die Leipziger antworteten, Baku schoss aus 20 Metern knapp drüber. Und plötzlich lag der Ball mal auf der anderen Seite im Netz: Sesko legte einen Flipperball mit finaler Beteiligung von Orban unter Nübels Armen hindurch zum Anschluss ins Stuttgarter Tor (62.).
Jetzt war es wieder wie vor dem zweiten VfB-Treffer: RB dominierte. Als jedoch vieles darauf hindeutete, dass demnächst der Ausgleich fällt, stand es plötzlich 3:1 für die Hausherren. Jamie Leweling hatte eine Ecke über die Linie gedrückt (73.). Eine Minute später lupfte Woltemade auch noch an die Querlatte. Das wäre der definitive Nackenschlag gewesen. Doch auch so schien die Partie eine Viertelstunde vor dem Ende entschieden. Und war sie letztendlich auch. Ein Lattentreffer von Sesko (87.), mehr Gefahr ging von den wacker kämpfenden RB-Spielern nicht mehr aus.