RB Leipzig

„Uns fehlt der Killerinstinkt”: Wie RB Leipzig den Chancenwucher abstellen will

Von Ullrich Kroemer 21.04.2021, 11:18
Ein Schuss aufs Tor, zwei daneben: Alexander Sörloth.
Ein Schuss aufs Tor, zwei daneben: Alexander Sörloth. imago images/Picture Point LE

Für Julian Nagelsmann war die Analyse nach dem blamablen 1:2 beim 1. FC Köln „ganz einfach”: „Wir haben nicht wenig Chancen und schnüren die Gegner gut ein. Aber wir schießen viel zu wenig Tore”, ärgerte sich der Trainer von RB Leipzig. Das sei keine Charakterfrage, „sondern uns fehlt der Killerinstinkt. Viel mehr Chancen als in den letzten Spielen können wir nicht – aber wir müssen sie auch machen”, forderte der 33-Jährige.

Vor allem ärgerten Nagelsmann die zahlreichen Schüsse neben oder über den Kasten. Nur bei sechs von 23 Versuchen musste Kölns Keeper Timo Horn auch eingreifen. Lediglich bei Sörloths Kopfball (41.), Haidaras Ausgleich (59.) und Angeliños Distanzschuss (90.+3) wurde es gefährlich. Bei den restlichen 17 Torschüssen verfehlten die Leipziger ihr Ziel. Ein generelles Problem. Im Saisonschnitt bringen die Leipziger 5,7 Schüsse pro Spiel aufs gegnerische Tor, durchschnittlich 6,2 gehen daneben. Bei Spitzenmannschaften wie den Bayern etwa ist es umgekehrt: 6,8 Versuche pro Partie treffen auch das Tor, 6,4 gehen daneben. Ähnlich ist es auch bei Manchester City (5,8/5,3).

Er erwarte gar nicht, dass jede Chance direkt drin ist, sagte Nagelsmann. „Aber es geht darum, das Tor zu treffen, dass der Torwart den Ball auch mal halten muss und wir vielleicht Chancen auf den zweiten Ball oder einen Abpraller und mehr Ecken, haben.”

Zielgerichtetes Schusstraining statt munteres Bolzen aus allen Lagen

Dieses grundsätzliche Manko ist den Leipzigern sehr wohl bewusst. Im Training nehmen Torabschlüsse nicht wenig Trainingszeit in Anspruch. „Es liegt nicht an der Trainingshäufigkeit, wir machen relativ viel Torschuss”, sagte Nagelsmann. „Wir werten auch im Training aus, wer die meisten Schüsse aufs Tor bringt und trifft.” Zwar weiß auch der Trainer, dass es schwierig ist, die Intensität und nervliche Belastung in Spielen bei Torschüssen in den Einheiten zu simulieren. Und dennoch, betonte Nagelsmann, sei der Erfolg bei noch nicht fertig ausgebildeten Spielern letztlich eine Frage der Wiederholungen. „Es geht darum, dass immer und immer wieder zu trainieren, dass die Qualität in diesen Aktionen gesteigert wird.”

Nagelsmann hatte dann auch direkt nach Spielschluss einen ganz einfachen Verbesserungsvorschlag parat, den er seinen Spielern noch in der Kabine vortrug. Wenn die Profis nach Trainingsende aufs Tor schießen, „machen sie das selten in den Räumen, in denen Torschüsse im Spiel vorkommen. Das habe ich ihnen dargelegt.” Zielgerichteteres und fokussiertes Schusstraining also anstatt munteres Bolzen aus allen Lagen. Darauf hätte man auch schonmal eher kommen können. (RBlive/ukr)