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Von Ullrich Kroemer

„Koffer voller Arbeit” statt Titelreife: BVB fördert RB-Defizite zutage

Große Augen: Nordi Mukiele & Co. konnten den Dortmundern in Hälfte eins nur staunend beim Spielen zusehen.

Große Augen: Nordi Mukiele & Co. konnten den Dortmundern in Hälfte eins nur staunend beim Spielen zusehen.

Yussuf Poulsen war ehrlich. Zwar hatte RB Leipzig beim 3:3 in Dortmund nach dem wohl wundersamsten Comeback dieser Bundesligasaison noch einen Punkt aus dem Ruhrpott entführt. Und doch sagte Angreifer Poulsen: „Es fühlt sich nicht an wie ein Sieg.” Zwar zeuge die Aufholjagd in einem Stadion wie dem Dortmunder vor über 80.000 Fans von Charakterstärke. Doch um mit einem Hochgefühl aus der Partie zu gehen, war Dortmund insbesondere in der ersten Hälfte zu dominant. Auch in den zweiten 45 Minuten war der BVB dem Sieg lange näher als RB dem Punktgewinn.

Auch bei Trainer Nagelsmann war die Enttäuschung über die Darbietung seines Teams in der ersten Hälfte größer als die Freude über den „glücklichen” Punkt. Als „ernüchternd” bezeichnete der Chefcoach die erste Halbzeit: „Bei eigenen Ballbesitzphasen waren wir unglaublich schwach. Fußballerisch hatten wir keine Chance.”

So förderte der Revierklub vor allem drei Unzulänglichkeiten im Spiel der Leipziger zutage:

Erstens: Das generelle Auftreten gegen Spitzenteams. RB fiel unter den anfänglich gellenden Pfiffen von der Südtribüne zurück in seine alte Rolle als Underdog, die unter Nagelsmann abgestreift schien. Doch plötzlich trat RBL nicht wie ein Champions-League-Achtelfinalist auf, sondern wieder wie der Aufsteiger. „Wir haben uns in Dortmund nie Sorgen gemacht, hatten nie Angst vor der Kulisse. Aber heute schien es so, dass wir ein bisschen neben der Spur waren”, rätselte Goalgetter Werner und offenbarte, welchen Stress sich die Mannschaft trotz komfortabler Ausgangssituation selbst gemacht hatte: „Vielleicht hat uns das 2:0 zur Pause sogar ganz gutgetan, um rauszugehen und ohne Druck zu spielen.”

Wir müssen uns nicht verstecken.
Julian Nagelsmann

Auch Nagelsmann monierte, dass sein Team nicht mit breiterer Brust aufgetreten sei. „Wir müssen schauen, dass wir in solchen Spitzenspielen – das war gegen Bayern ähnlich – mutiger sind”, forderte der Fußballlehrer. „Wir müssen uns nicht verstecken. Es mag sein, dass diese Gegner in gewissen Dingen etwas besser sind, wir sind in anderen Dingen aber auch ein bisschen besser.” Diese Gewissheit ist RB in den Toppartien noch nicht anzumerken.

Bayern und Dortmund bei Ballbesitz besser als RB Leipzig

Zweitens: Ball- und Passsicherheit. Das Selbstverständnis im Spielaufbau, das sich RB in den vergangenen Spielen erarbeitet hatte, war wie weggewischt. Gegen Teams wie Düsseldorf kann RB Ball und Gegner laufen lassen. Gegen den BVB mussten die Leipziger selbst hinterher laufen. „Gegen Dortmund haben nicht alle das Niveau erreicht, dass wir auf dem gleichen Niveau mitkicken können”, musste Nagelsmann einsehen. Konrad Laimer, Emil Forsberg & Co. verloren nach Eroberungen die Kugel jedesmal sofort wieder, viele Pässe landeten in den Füßen der Dortmunder. RB leistete sich über 20 Prozent Fehlabspiele. Zu viel, wenn man auch in einem Spitzenspiel wie ein Spitzenteam auftreten will. „Mit Ball haben wir noch Baustellen, da sind Bayern und Dortmund weiter”, erkannte Nagelsmann. Übrigens: Auch ins Pressing kam RB aufgrund des Dortmunder Hochgeschwindigkeitsfußballs – gedanklich und athletisch – im Laufe der ersten Halbzeit immer schlechter.

Drittens: Torgefahr. Sieht man einmal von den beiden Dortmunder Tor-Geschenken ab, erspielte sich RB in der ganzen Partie nur noch zwei Torchancen aus dem Spiel heraus: einen Distanzschuss von Poulsen (31.); und den Treffer zum 3:3 durch Patrik Schick. Sonst wurden die Leipziger nur nach drei Standards durch Timo Werner und Yussuf Poulsen (45.) sowie Lukas Klostermann (55.) gefährlich. Zu wenig Zwingendes und Strukturiertes für die Ansprüche der Leipziger.

Spitzenplatz, aber kein Spitzenteam: Meisterschaft muss dennoch kein Wunschtraum für RB Leipzig bleiben

Fazit: RB ist den beiden Topteams BVB und FCB zwar mental und spielerisch individuell weiterhin unterlegen, doch im Unterschied zur Vorsaison verlieren sie diese Duelle nicht mehr. Wenn die Konkurrenten Fehler machten, waren die Leipziger mit jeweils griffigen zweiten Hälften da. „In der ersten Halbzeit hat man gesehen, dass wir noch Defizite haben. Aber es ist doch schön zu sehen, dass wir Tabellenführer der Bundesliga sind, aber noch viel Potenzial nach oben haben”, bilanzierte Werner. „Darauf können wir aufbauen.”

So steht Leipzig kurz vor der ersten Herbstmeisterschaft der Klubgeschichte. Eine letzte Energieleistung am Samstag gegen die formstarken Augsburger (15.30 Uhr) vorausgesetzt. So oder so nehmen Nagelsmann und seine Spieler „einen großen Koffer” voll Arbeit mit in die Winterpause. Vor allem, was das eigene Ballbesitzspiel angeht, will Nagelsmann Titelreif? „Wir müssen weiter arbeiten, um in solchen Duellen die bessere Mannschaft zu sein. Gegen Dortmund waren wir die schlechtere”, sagte Nagelsmann. Ringt RB den direkten Konkurrenten auch in der Rückrunde Punkte ab und bleibt gegen die übrigen 14 Teams der Liga so stabil wie in der Hinrunde, muss die Meisterschaft kein Wunschtraum bleiben – auch wenn BVB und FCB den Sachsen in den direkten Vergleichen spielerisch (noch) überlegen sind. (RBlive/ukr)