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Von Ullrich Kroemer

Nürnbergs Ex-RB-Trainer Klauß „Julian weiß noch nicht, wie ich gegen ihn arbeite”

„Julian Nagelsmann weiß noch nicht genau, wie wir Fußball spielen, weil er mich noch nie als Gegner hatte”: Robert Klauß.

„Julian Nagelsmann weiß noch nicht genau, wie wir Fußball spielen, weil er mich noch nie als Gegner hatte”: Robert Klauß.

Robert Klauß ist Frühaufsteher, Interviewtermine legt er sich bereits auf halb neun Uhr morgens, um danach konzentriert mit seinem neuen Team beim 1. FC Nürnberg arbeiten zu können. Vor dem DFB-Pokalduell mit RB Leipzig (Sa., 15.30 Uhr) – seinem ersten Pflichtspiel mit Nürnberg und als Cheftrainer bei den Profis überhaupt – spricht der langjährige Leipziger Spieler, Nachwuchs- und Co-Trainer im Interview mit Mitteldeutscher Zeitung/RBlive über seine neue Rolle und Aufgabe beim „Glubb” und die Vor- und Nachteile des Wiedersehens mit Julian Nagelsmann.

Robert, Sie sind jetzt Cheftrainer eines Vereins mit knapp 25.000 Mitgliedern. Was ist vom Umfeld her anders als bei RB?
Robert Klauß: Von anders möchte ich gar nicht sprechen. Ich merke, dass hier richtig viel Fußballherz dabei ist. Das ist in Leipzig auch so. Aber wenn man so lange bei einem Verein ist, nimmt man das nicht mehr so wahr. Ich habe hier in Nürnberg sofort gespürt, wie viel Wucht hinter dem Club steckt. Und ich habe hier super Bedingungen als Trainer. Das Trainingsgelände ist toll, das Stadion ebenso, alles ist sehr nah beieinander. Das hat mir die Eingewöhnung sehr leicht gemacht.

Werden Sie schon auf der Straße erkannt und vielleicht auch auf Ihre RB-Vergangenheit angesprochen?
Woher ich komme, war bislang gar kein Thema. Das finde ich auch gut so. Ab und an werde ich erkannt, bislang immer freundlich und nett und für mich angenehm. Durch die Corona-Maske hat es auch noch nicht überhandgenommen. Zur Fan- und Ultraszene hatte ich durch Corona leider noch gar keine Kontakte. Wir müssen uns streng abgeschottet in unserer Fußballblase bewegen.

Robert Klauß: „Es geht darum, sich aufeinander einzulassen”

Was war Ihnen in den ersten Wochen mit der neuen Mannschaft am Wichtigsten?
Dass ich die Mannschaft kennenlerne und dass sich das Team auch ein Bild von mir machen kann, was für ein Cheftrainer da vor ihnen steht. Ganz wichtig war am Anfang, dass sich die Spieler mit mir und meinen Ideen identifizieren können. Ich habe vermittelt, wie ich mit ihnen arbeiten will – nicht nur inhaltlich, sondern auch organisatorisch, strukturell. Es geht darum, sich aufeinander einzulassen. Gleichzeitig habe ich versucht, jeden Spieler kennenzulernen, um etwa Stärken und Schwächen im Kader herauszuarbeiten, die ich vielleicht so noch nicht gesehen hatte.

Sie sind jetzt als Cheftrainer in einer neuen Rolle. Treten Sie bewusst anders auf?
Es ist grundsätzlich etwas anderes, weil du als Cheftrainer mehr im Fokus stehst. Alle Worte und Handlungen werden aufgrund des Amtes mehr beachtet. Man muss sich immer bewusst machen, welche Wirkung du als Cheftrainer auf andere hast. Aber wie ich auf Menschen zugehe, mit ihnen rede und wie ich Dinge anpacke – zwischenmenschlich ebenso wie inhaltlich –, das ist genau gleichgeblieben.

Was ist für Sie die größte Herausforderung als Chefcoach?
Dass es viel mehr Aufgaben gibt, die Zeit einnnehmen. Ob das Interviews sind …

… so wie dieses …
(lacht) … oder andere Termine mit Spielerberatern, Vereinsverantwortlichen, Fans oder Sponsoren. Das lenkt zwar von der eigentlichen Trainerarbeit ab, aber diese Termine sind wichtig, um den Klub zu repräsentieren. Als Co-Trainer hast du „nur” Bedeutung für die Mannschaft. Als Cheftrainer hast du auf eine Art und Weise immer auch Verantwortung für den gesamten Verein.

Robert Klauß: „Ich möchte, dass meine Mannschaft ungeduldig Fußball spielt”

Sie haben in den vergangenen Jahren unter zwei der bedeutendsten Trainer hierzulande gearbeitet. Wie entwickelt man da seinen eigenen Stil, um sich inhaltlich zu emanzipieren?
Natürlich nimmt man da Dinge mit, wandelt sie teils ab und ergänzt die eigenen Vorstellungen. Aber für mich war wichtig, dass ich schon eine eigene Idee und Struktur von Fußball hatte, bevor ich Co-Trainer wurde. Wenn man unter zwei so guten, erfolgreichen und dominanten Cheftrainern wie Ralf Rangnick und Julian Nagelsmann arbeitet und keine eigene Idee hat, läuft man Gefahr, Dinge zu kopieren. Das ist bei mir nicht der Fall, weil ich ja lange im Nachwuchs selbst Cheftrainer war und meine Grundsätze auch während des Fußballlehrer-Lehrgangs noch einmal geschärft habe.

Können Sie Ihre Handschrift kurz skizzieren?
Zu der Philosophie in Leipzig habe ich für bestimmte Spielphasen auch eigene Ideen entwickelt. Ein Beispiel: Ich bin ein ungeduldiger Mensch und möchte auch, dass meine Mannschaft ungeduldig Fußball spielt. Wie sich ein Team verhält und Fußball spielt, ist immer auch das Spiegelbild des Trainers. Daran erkennt man, wie er tickt und funktioniert.

Was von dieser Ungeduld wollen Sie am Samstag auf dem Platz sehen?
Ich will schon sehen, dass wir mutig Richtung Tor spielen. Ob uns das immer gelingt, weiß ich nicht. Aber wenn wir den Ball haben, müssen wir versuchen, so schnell wie möglich Richtung gegnerisches Tor zu kommen. Diese Zielstrebigkeit kann dieses Jahr unsere Stärke werden.

„Tom Krauß zeigt, dass er das Niveau in diesem Zweitliga-Kader gehen kann”

Wie schlägt sich dabei der Leipziger Tom Krauß?
Tom bringt genau das rein, was wir uns erhofft haben. Er zeigt, dass er das Niveau gehen kann in diesem Zweitliga-Kader. Er soll sowohl auf der Sechs als auch in der Dreierkette spielen. Mit seiner Variabilität gibt er uns die Möglichkeit, in beiden Grundordnungen zu spielen.

Ist das erste Spiel nach dem Champions-League-Halbfinale der optimale Zeitpunkt, um RB Leipzig zu empfangen?
Es gibt idealere Vorbereitungen für Leipzig als aktuell. Trotzdem ist die Mannschaft so gut besetzt und so eingespielt, dass sie direkt in so einen Pokal-Wettbewerb starten kann. Ich glaube nicht, dass wir dadurch einen großen Vorteil haben. Mir wäre es lieber, wir wären in einer späteren Pokalrunde auf Leipzig getroffen. Aber wir sind nun mal im Amateurtopf gelandet und haben einen der schwerst möglichen Gegner zugelost bekommen. Aber es ist schon eine schöne Geschichte, dass ich gleich im ersten Spiel gegen Leipzig ran darf.

Julian Nagelsmann hat noch in Lissabon sofort nach dem verlorenen Halbfinale gegen Paris von der schweren Pokalaufgabe beim Club gesprochen. Bei RB herrscht auch Respekt vor dem Los.
Das hoffe ich doch! (lacht) Es ist wichtig, dass eine Mannschaft direkt das nächste Ziel vor Augen hat. Das wollte er in dem Moment erreichen.

Julian Nagelsmann weiß nur, wie ich mit ihm arbeite, nicht gegen ihn.
Robert Klauß

Ist es für Sie dankbar, gegen RB zu spielen, weil Sie so viel über das Team und den Trainer wissen oder gerade herausfordernd, weil Julian Nagelsmann das ja auch weiß?
Julian weiß ja noch nicht genau, wie wir Fußball spielen, weil er mich noch nie als Gegner hatte. Er weiß nur, wie ich mit ihm arbeite, nicht gegen ihn. Aber für mich ist die Vorbereitung gar nicht so einfach, wie man denken könnte, weil ich genau weiß, was auf uns zukommt und immer mitdenke, was die Antwort auf unsere Herangehensweise sein könnte. Ich kenne alle Strategien in den einzelnen Situationen. Wie bei einer Schachpartie weiß ich genau, welcher Zug auf eine Aktion von uns folgen wird. Da muss ich aufpassen, nicht zu kompliziert zu denken, dass ich es für meine Spieler so einfach wie möglich halte.

Haben Sie vor der Partie Kontakt zu Julian Nagelsmann?
Wir haben uns vergangene Woche nochmal ausgetauscht, als ich an einem freien Tag in Leipzig war. Ich war zu Besuch im Trainingszentrum, habe hallo gesagt und einen Kaffee getrunken. Aber jetzt konzentriert sich jeder auf seine Mannschaft. Nach dem Spiel werden wir wieder intensiv Kontakt haben.

Das Interview führte Ullrich Kroemer.