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Sportphilosoph über Fußball-Filialisierung: „Unbegrenzte Steigerungsfantasien”

Nicht aufzuhalten: Red Bull erobert weiter die Fußballwelt

Nicht aufzuhalten: Red Bull erobert weiter die Fußballwelt
Copyright: imago/Gepa-Pictures

Teile der Fans in Paderborn protestieren und Bundesligakonkurrenten fürchten Wettbewerbsverzerrung: Die Kooperation zwischen RB Leipzig und dem SC Paderborn ist das erste große Sommerpausen-Thema der Bundesliga. RBlive/die Mitteldeutsche Zeitung hat den Sportphilosoph Tobias Arenz von der Deutschen Sporthochschule Köln gebeten, die Dinge aus seiner Perspektive zu beurteilen. Ein Gespräch nicht nur über die geplante Partnerschaft, sondern die Filialisierung und Entwicklung des Fußballs generell.

Herr Arenz, was bedeutet es für den Fairnessgedanken und den sportlichen Wettbewerb, wenn zwei oder mehrere Vereine in der gleichen Liga – zumal einer hochkapitalisierten und medial beleuchteten wie der Bundesliga – enger verbunden sind als andere? 
Tobias Arenz: Wenn der Fairnessgedanke des Sports den Anspruch bezeichnet, die Offenheit des Wettkampfausgangs zu wahren, dann scheint mir eine engere Zusammenarbeit von Vereinen diesen Gedanken zunächst nicht außer Kraft zu setzen. Dass Fußballvereine daran interessiert sind, ihre sportliche Leistungsfähigkeit durch den Austausch von Wissen oder Personal zu steigern, ist nicht nur eine weit verbreitete Praxis, sondern auch ein legitimer Vorgang.

„Was will Sport sein, außer ein gutes Geschäft?”

Aber?
Problematisch wird es dann, wenn die einzelnen Akteure darauf reduziert werden, ein beliebig austauschbares Mittel zu sein, das allein dazu dient, den sportlichen Wert von Vereinen – vom ökonomischen Wert einmal ganz abgesehen – zu steigern. Ein fairer Sport ist nicht nur ein Sport, in dem nicht schon vorher feststeht, wer gewinnt, sondern auch ein Sport, der die unaustauschbare Einmaligkeit jedes und jeder Einzelnen zu schützen gewillt ist. Wie für alle anderen Vorgänge im Sport, gilt es auch solche Kooperationsweisen von Vereinen daraufhin kritisch zu beobachten, inwiefern sie diesen Anspruch umsetzen.

Sportphilosoph Tobias Arenz von der Deutschen Sporthochschule Köln

Sportphilosoph Tobias Arenz von der Deutschen Sporthochschule Köln

Wie beurteilen Sie die im Fußball immer gängigere Praxis der Filialisierung jenseits der Regelwerke, von den philosophischen Grundwerten des Sports aus betrachtet?
Der Fußball ist ein Element des modernen Sports und als solcher ist es sein Kernanliegen, einen gerechten körperlichen Leistungsvergleich zu inszenieren. Dieser bürgerliche Grundgedanke des Sports steht – und dafür scheint mir die Praxis der Filialisierung ein gutes Beispiel zu sein – zunehmend in Spannung mit der Idee der Leistungssteigerung.

Weshalb zunehmend?
Zunehmend deshalb, weil die Bereitschaft vorhanden zu sein scheint, einen immer höheren Preis für die Steigerung von Leistungen zu bezahlen, ohne das eine wirkliche, ernsthafte Selbstbegrenzung des Sports zu erkennen wäre. Der Sport selbst muss sich entscheiden, ob er sich scheinbar unbegrenzten Steigerungsfantasien verschreiben will oder nicht. Ein realistischer Blick auf die Dynamiken des Finanzkapitalismus könnte hilfreich sein, um sich nicht nur der Gefahren solcher Fantasien bewusst(er) zu werden, sondern auch den Sinn dafür zu schärfen, was der Sport denn eigentlich sein will, außer einem „guten“ Geschäft.

„Herrschaft einiger Weniger nicht im Interesse des Sports”

Welche Perspektive sehen Sie für eine Sportlandschaft, die von global agierenden Fußball-Konglomeraten mit diversen Ablegern beherrscht wird?
Dass der Fußball ein globaler Weltsport ist, daran gibt es keinen Zweifel. Und diese globale Dimension des Fußballs ist sicherlich eine gute Grundlage, der Vereinnahmung des Sports für nationalistische Zwecke entgegenzuwirken. Zugleich ist der Weltfußball aber dazu aufgefordert, sich reflexiv auf eben diese globale Grundlage zu beziehen, um sich seiner „Eigenlogik“ nicht nur bewusst zu werden, sondern diese auch kritisch zu beurteilen. Der Fußball ist kein naturwüchsiger Organismus, dessen Entwicklung irgendwelchen biologischen Gesetzen folgt. Der Fußball ist durch und durch „politisch“, das heißt, er bringt sich durch all seine Praktiken selbst hervor. Dass er sich der Herrschaft einiger Weniger unterwerfen will, kann nicht in seinem Interesse liegen. Der Sport muss selbstkritisch werden.

Red Bull Soccer unter der Führung von Ralf Rangnick.

Red Bull Soccer unter der Führung von Ralf Rangnick.

Bedarf es diesbezüglich aus Ihrer Sicht weiterer Regularien der Verbände oder regelt das der Sport beziehungsweise das Interesse der Fans aus eigener Kraft heraus?
Es gibt in der derzeitigen Rechtsphilosophie eine interessante Diskussion darüber, ob und wie sich das bürgerliche Recht transformieren sollte, um seiner herrschaftskritischen Funktion gerecht werden zu können. In diesem Kontext gibt es die Überlegung, nicht nur politische, sondern auch soziale „Gegenrechte“ zu erklären, um nicht im Sinne Foucaults „derart regiert zu werden“ und das Singuläre und Idiosynkratische (das Eigentümliche, die Eigenheiten, Anm.d.Red.) zu schützen. Der Sport täte meines Erachtens gut daran, diese Diskussion aufmerksam zu verfolgen und darüber nachzudenken, was „sportliche Gegenrechte“ sein könnten.

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