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Darf Red Bull ab 2029 auch formal bei RB Leipzig bestimmen? DFL muss ab November im 50+1-Streit entscheiden

2029 könnte Red Bull die Geschicke in der RB Leipzig GmbH komplett bestimmen – wenn die aktuelle Regel erhalten bleibt.

2029 könnte Red Bull die Geschicke in der RB Leipzig GmbH komplett bestimmen – wenn die aktuelle Regel erhalten bleibt.

Drei Klubs. Drei Geldgeber, denen sie gehören. Und drei Ausnahmegenehmigungen, die sie von der 50+1-Regel im deutschen Fußball befreien. Aber haben 1899 Hoffenheim, Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg deshalb in der Bundesliga auch einen Wettbewerbsvorteil? Viele Fans, viele andere Vereine und vor allem des Bundeskartellamt sehen das so. Die Vertreter der drei „Investoren-Klubs“ weisen diese EinschĂ€tzung aber zurĂŒck.

„MĂŒssen wir uns nicht die Frage stellen: Hat die Gegenwart die Vergangenheit lĂ€ngst ĂŒberholt?“, sagte der Hoffenheimer GeschĂ€ftsfĂŒhrer Frank Briel der Deutschen Presse-Agentur (dpa). „Hertha BSC freut sich gerade – laut eigener Aussage – ĂŒber das grĂ¶ĂŸte Eigenkapital-Investment in der Bundesliga-Geschichte, nĂ€mlich 375 Millionen Euro. In Augsburg gibt es einen US-amerikanischen Investor, der Anteile ĂŒbernommen hat. Borussia Dortmund hat sich gerade durch den Verkauf neuer Aktien etwa 86 Millionen Euro gesichert.“ Das zeige doch sehr deutlich, dass es nicht nur den drei „Ausnahme-Klubs“ möglich sei, zusĂ€tzliches Kapital zu beschaffen.

Die 50+1-Regel besagt, dass der Stammverein nach der Ausgliederung seiner Profi-Abteilung in eine Kapitalgesellschaft weiter die Mehrheit der Stimmenanteile besitzen muss. Sie soll den Einfluss von Investoren im deutschen Profifußball begrenzen.

Frist zur Stellungnahme bis Ende Oktober

Eine EinschĂ€tzung des Bundeskartellamtes aus dem Mai treibt diese hochemotionale Debatte nun in eine entscheidende Phase. Denn die drei mit einer Ausnahmegenehmigung versehenen Klubs haben nur noch bis Ende des Monats Zeit, um ihre Stellungnahme zu diesem Bericht einzureichen. Danach muss die Deutsche Fußball Liga (DFL) als Dachverband der Erst- und Zweitliga-Klubs eine Lösung finden, die alles unter einen Hut bringt: Die rechtlichen Bedenken, die EigentĂŒmerverhĂ€ltnisse in Hoffenheim, Leverkusen und Wolfsburg - und die klare Pro-50+1-Haltung einer großen Mehrheit der 36 Vereine.

Weil es diese Mehrheit gibt, glaubt kaum jemand, dass 50+1 zumindest schon in diesem Verfahren fĂ€llt. Die Mitglieder von Hannover 96 haben sogar schon einmal Fakten geschafften. Sie stimmten am Sonntag bei der Jahreshauptversammlung des Vereins mit großer Mehrheit dafĂŒr, die 50+1-Regel in der Satzung des Zweitliga-Klubs festzuschreiben. Sie soll in Hannover selbst dann noch wirksam sein, wenn die DFL oder ein ordentliches Gericht sie irgendwann einmal kippen sollten.

Weniger TV-Gelder fĂŒr Investoren-Klubs?

Eine Lösung fĂŒr alle 36 Klubs ist das aber nicht. Ein möglicher Kompromiss, ĂŒber den spekuliert wird, ist deshalb: 1899 Hoffenheim, Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg erhalten in Zukunft weniger TV-Gelder oder eine Ă€hnliche finanzielle Auflage. Das könnte ihren vermeintlichen Wettbewerbsvorteil wieder ausgleichen.

Zur Erinnerung: Gegen die 50+1-Regel an sich hat das Kartellamt keine EinwĂ€nde. Dass ein Mutterverein die Stimmenmehrheit an einer ausgegliederten Kapitalgesellschaft besitzen muss, solle fĂŒr einen Einfluss der Mitglieder und die „Ausgeglichenheit des sportlichen Wettbewerbs sorgen“. Das seien „legitime Ziele“, die auch mit dem Kartellrecht vereinbar sind, heißt es in der EinschĂ€tzung vom 31. Mai. Das Problem sei die Möglichkeit einer Ausnahme fĂŒr Klubs, die mehr als 20 Jahre von dem gleichen Investor gefördert wurden. Diese Ausnahme wĂŒrde ab 2019 auch RB Leipzig betreffen, wenn Investor und GrĂŒnder Red Bull RB Leipzig 20 Jahre ununterbrochen maßgeblich gefördert hat. 

2029 könnte Red Bull Eigner der RB Leipzig GmbH werden

Laut Satzung der RB Leipzig GmbH geht die Stimmhoheit „unverzĂŒglich“ an Red Bull ĂŒber, sollte die 50+1-Regel wegfallen. 20 Jahre nach der VereinsgrĂŒndung könnte ein Ausnahmeantrag gestellt werden und Red Bull auf regulĂ€rem Weg die formale Entscheidungsgewalt in der GmbH herstellen. Dann wĂ€re der Energy-Drink-Gigant nicht nur wichtigster Geldgeber, sondern gleichzeitig auch Eigner des Klubs.

Das Bundeskartellamt moniert genau diese Ausnahme und gelangte Ende Mai zu der EinschĂ€tzung: „Durch die GewĂ€hrung der Förderausnahme wird in den betroffenen Klubs der beherrschende Einfluss des Muttervereins ausgeschaltet und damit das sportliche Geschehen insoweit von der VereinsprĂ€gung abgekoppelt. Es besteht die Gefahr, dass prĂ€gende Charakteristika wie Mitgliederpartizipation im Verein und Transparenz gegenĂŒber den Mitgliedern hierbei verloren gehen.” Mitgliedermitbestimmung durch die Fanbasis gibt es bei Rasenballsport formal bis auf eine Ausnahme sowieso nicht.

„VereinsgeprĂ€gter Fußball und Ausgeglichenheit des Wettbewerbs, wie es sich die DFL mit der Regelung zum Ziel gesetzt hat, sind so nicht mehr einheitlich gegenĂŒber sĂ€mtlichen Klubs gesichert. Dies hat auch einen Wettbewerbsnachteil fĂŒr die von der Ausnahme nicht profitierenden Klubs zur Folge”, so das Bundeskartellamt weiter. „VereinsgeprĂ€gte und Investoren-finanzierte Klubs treten nebeneinander an. Hierdurch entstehen Zweifel an der Eignung der Gesamtregelung zur Organisation eines sportlich fairen, vereinsgeprĂ€gten Wettbewerbs. Wenn einigen Klubs grĂ¶ĂŸere Möglichkeiten zur Einwerbung von Eigenkapital zur VerfĂŒgung stehen als anderen, dĂŒrfte dies nicht zur Ausgeglichenheit des sportlichen Wettbewerbs beitragen, sondern ihn eher verzerren.”

Hoffenheim, Leverkusen, Wolfsburg monieren, DFL in der ZwickmĂŒhle

Aus Sicht der betroffenen Bundesligisten aus Hoffenheim (Dietmar Hopp), Leverkusen (Bayer) und Wolfsburg (VW) ist diese Argumentation aus der Zeit gefallen. Sie schrieben bereits im Juni einen gemeinsamen Brief an das Kartellamt und hinterfragten darin unter anderem, warum denn ein Wirtschaftsbetrieb wie die Fußball-Bundesliga „vereinsgeprĂ€gt“ sein mĂŒsse? Nach einem Bericht des Deutschlandfunks ist auch in der ersten Stellungnahme der DFL an die Behörde von „UnschĂ€rfen in der Beurteilung des Bundeskartellamts“ die Rede.

Der Dachverband der Profiklubs steht nun vor einer großen Herausforderung. LĂ€sst die DFL alles, wie es ist, könnte das Kartellamt wegen der 50+1-Regel irgendwann ein richtiges Verfahren gegen sie einleiten. Bislang hat die Behörde nur eine vorlĂ€ufige EinschĂ€tzung abgegeben - und das auf Betreiben der DFL selbst.

Werden die Ausnahmeregelungen auf dieser Grundlage ganz gestrichen, riskiert die DFL, dass Hoffenheim, Leverkusen und/oder der VfL Wolfsburg vor ein Gericht ziehen und ihre Interessen dort verteidigen. Dass irgendein Verein irgendwann genau dies tun wird, ist auch die EinschĂ€tzung von Hannovers Mehrheitsgesellschafter Martin Kind. Kippt die DFL die 50+1-Regel sogar komplett, wĂŒrde sie gegen die Mehrheitsmeinung ihrer Mitglieder und der Fans handeln. (RBlive/dpa/ukr)