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Ralf Rangnick vor neuen Aufgaben: Das erwartet ihn in New York und Braganca Paulista

Von Matthias Kießling
Ralf Rangnick mag Aufbauarbeit und wird diesbezüglich vor allem bei RB Bragantino auf seine Kosten kommen. (Foto: imago images / Sven Simon)

Ralf Rangnick mag Aufbauarbeit und wird diesbezüglich vor allem bei RB Bragantino auf seine Kosten kommen. (Foto: imago images / Sven Simon)

Eine „Vorreiterrolle“ wolle man einnehmen, hatte Ralf Rangnick seinen Schritt begründet, sich künftig als Angestellter von Red Bull um die Standorte in Brasilien und den USA kümmern zu wollen. Es gebe derzeit viele europäische Klubs, die dort nach Kooperationen suchen. Red Bull hat mit den Klubs RB Bragantino und Red Bull New York bereits Strukturen, die man nun verstärkt nutzen will, um Talente für Europa auszubilden.

New York wurde bereits zum Ausbildungsklub umgeformt

Weniger Arbeit wird Ralf Rangnick dabei mit dem Klub in New York haben. Die Verbindungen in die USA waren von Leipziger Seite schon in der Vergangenheit gut. Mit Jesse Marsch und Tyler Adams hat man in der abgelaufenen Saison einen Co-Trainer und einen Spieler nach Leipzig geholt. Schon unter der Ägide von Oliver Mintzlaff als Verantwortlicher für die globalen Red-Bull-Standorte im Fußball wurde New York zu einem Verein umgebaut, der vornehmlich auf junge Spieler und Talententwicklung setzt.

Der Altersschnitt der eingesetzten Spieler ist mit 25,8 Jahren in dieser Saison der drittniedrigste der Liga, in Leipzig lag er allerdings zuletzt bei nur 23,9. Mit einem vergleichsweise jungen Kader fuhr New York in den vergangenen Jahren gut. Nicht nur reduzierten sich die Kosten des Teams, auch sportlich konnte man ordentliche Erfolge feiern, auch wenn es noch nie für den Titel in der Major League Soccer reichte. Im Vorjahr scheiterte New York im Halbfinale an Atlanta United.

Matt Miazga und Tyler Adams stehen für Nachwuchsausbildung in New York

In der Ausbildung von Talenten, die auch in einer der Topligen Europas mithalten können, war New York bisher nicht übermäßig erfolgreich. In der Liste stehen da bisher vor allem Matt  Miazga und Tyler Adams. Miazga war einst auch in Leipzig im Gespräch, wechselte dann aber Anfang 2016 zum FC Chelsea. Richtig durchsetzen konnte er sich dort nicht. Zuletzt war er in die zweite englische Liga zum FC Reading ausgeliehen, wo er Stammspieler war. Adams gilt derweil als eines der größten Talente des US-Fußballs und konnte auch bei RB Leipzig zu Beginn der Rückrunde überzeugen, bevor ihn eine längere Verletzung zurückwarf.

Transfers wie der vom 18-Jährigen Mathias Jörgensen aus Dänemark vor dieser Saison verweisen darauf, dass New York künftig die Investitionen in Talente noch mal deutlich verstärken könnte. In der aktuellen Spielzeit konnte noch kein Spieler unter 23 eine tragende Rolle im Klub spielen. Auch wenn New York sicherlich bereits gut aufgestellt ist, gibt es dort auch noch deutlich Verbesserungsbedarf.

Viel Arbeit für Ralf Rangnick in Brasilien

Schwieriger wird Ralf Rangnicks Aufgabe wohl bei RB Bragantino in der Stadt Braganca Paulista. Der Zweitligist, den Red Bull frisch übernommen hat, ist zwar mit 16 Punkten aus sieben Spielen sehr gut in die Saison gestartet und hat sich vorerst auf den Aufstiegsplätzen festgespielt. Allerdings ist der Verein mit einem Durchschnittsalter von über 27 Jahren in den ersten sieben Spielen nicht nach dem normalen Geschmack von Rangnick. Der präferiert junge Spieler, die über sportliche Entwicklungsmöglichkeiten verfügen. Angesichts der Tatsache, dass bei RB Bragantino künftig Talente für Europa und Leipzig ausgebildet werden sollen, kann die aktuelle Kaderzusammenstellung nicht gefallen.

Die Zusammenstellung ist allerdings auch der Tatsache geschuldet, dass es kaum Zeit für die Kaderplanung gab. Nur wenige Wochen vor Saisonbeginn wurden die Verträge über die Übernahme des Klubs unterschrieben. Die Mannschaft wurde schließlich binnen kürzester Zeit aus dem Boden gestampft und besteht aus Spielern von Red Bull Brasil, dem bisherigen Red-Bull-Klub aus Brasiliens Viertklassigkeit und aus oft nur leihweise geholten Spielern von anderen Klubs aus Brasilien.

Ralf Rangnick trifft im Juni erstmals auf RB Bragantino

Entsprechend wird es für Ralf Rangnick vor allem erstmal darum gehen, bei RB Bragantino Strukturen zu bauen, die dem Anspruch eines Ausbilungsteams gerecht werden. Dazu gehört wie auch in New York, dass man in Steine in Form einer Nachwuchsakademie investieren will und dass man mit Trainerschulungen auch das Personal auf ein höheres Niveau bringt. Zudem soll wie in Leipzig an den Details der Spielerentwicklung von der Ernährung bis zur medizinischen Betreuung geschraubt werden.

Um seine neue Aufgabe besser einschätzen zu können, wird Ralf Rangnick ab Mitte Juni viel Zeit mit RB Bragantino verbringen. Dann weilt der brasilianische Zweitligist in einer Liga-Spielpause für zwei Wochen in Salzburg, sodass Rangnick in neuer Aufgabe genau hinschauen kann, was man am Team verändern muss. Auch schnelle Änderungen sind angesichts eines in Brasilien dann geöffneten Transferfensters nicht ausgeschlossen.

Viel Raum zum Vorantreiben von Dingen

Bisher kamen aus den Strukturen in Brasilien mit Ramalho und Bernardo nur zwei Spieler, die nach Salzburg bzw. später bei Bernardo nach Leipzig wechselten. Nicht viel für ein Red-Bull-Brasil, das schon seit 2007 besteht. „Ich werde mich in einem regelmäßigen Austausch befinden mit den verantwortlichen Sportdirektoren und Trainer und dann die Erfahrungswerte aus sieben Jahren einfließen zu lassen in die bestmöglichen Entscheidungen für die Zukunft. Der Wunsch ist, dass wir jährlich einen Tyler Adams oder einen Bernardo entwickeln“, hatte Ralf Rangnick seine Vorstellungen für die Zukunft in den USA und Brasilien umrissen. Keine einfache Aufgabe, selbst für jemanden, der das Vorantreiben von Dingen als seine persönliche Kernmotivation beschreibt.