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Ehemalige Weggefährten über RBL-Sportdirektor Markus Krösche: „Sympathisch, geradlinig, sehr erfolgreich“

Von Ullrich Kroemer
Markus Krösche erfährt von ehemaligen Weggefährten viel Wertschätzung. (Foto: imago images / DeFodi)

Markus Krösche erfährt von ehemaligen Weggefährten viel Wertschätzung. (Foto: imago images / DeFodi)

Markus Krösche bekommt dieser Tage während seiner Einarbeitungszeit bei RB Leipzig einen ganz guten Eindruck davon, mit welchem Dimensionen er es künftig zu tun hat. Der bisherige Rekordtransfer des neuen RBL-Sportdirektors, der vom SC Paderborn kam, heißt Marlon Ritter. Ablösesumme: 500.000 Euro an Fortuna Düsseldorf. Bei RB Leipzig buhlt er aktuell um Christopher Nkunku von Paris St. Germain. Laut dem französischen Sportblatt L’Equipe soll die Ablöse für den zentralen Mittelfeldspieler zwischen 18 und 20 Millionen Euro liegen.

Hornberger über Markus Krösche: „äußerst sympathisch, geradlinig, kommunikativ“

Keine Frage, Ralf Rangnicks Nachfolger greift bei RB Leipzig in ein höheres Regal als bislang in Paderborn. Doch es gibt kaum einen in der Fußballbranche, der dem 38-Jährigen diesen Schritt nicht zutraut. In Paderborn hat sich Markus Krösche in nur gut zwei Jahren als Sportdirektor einen Ruf wie einen Donnerhall erarbeitet. Das muss man vom beschaulichen Ostwestfalen aus auch erst einmal schaffen. Mit vielen guten Personalentscheidungen – vor allem der Verpflichtung von Trainer Steffen Baumgart – und klugen Transfers führte er den sportlich eigentlich schon in die Regionalliga abgestiegenen Klub zurück in die Bundesliga.

Dabei steigerte er nicht nur den Marktwert seiner No-Name-Truppe um 15 Millionen Euro allein in der vergangenen Saison, sondern auch seinen eigenen. „Er ist äußerst sympathisch, geradlinig, kommunikativ, eine Führungspersöhnlichkeit, die ihre Meinung sagt und versucht, sie durchzusetzen”, sagt Paderborns Geschäftsführer Martin Hornberger im Gespräch mit RBlive. Und Krösches früherer Mitspieler, späterer Trainer und langjähriger Freund Pavel Dotchev sagt: „Egal, was er tut. Er ist damit sehr erfolgreich.”

Krösche „ist ein Mensch, der Verantwortung übernimmt“

Markus Krösche ist in Paderborn Kult. 2001 kam der gebürtige Hannoveraner im Alter von 20 Jahren von den Amateuren von Werder Bremen, wie man damals noch sagte, zum SCP. Ein Scout hatte ihn empfohlen. „Er war ein Mentalitätsspieler, technisch nicht der beschlagenste, aber sehr ehrgeizig”, erinnert sich Dotchev, der Krösche in seiner Anfangszeit in Paderborn des Öfteren beherbergte. Durch seine Qualitäten als Führungsspieler wurde Krösche nicht nur langjähriger Kapitän, sondern mit 354 Einsätzen auch SCP-Rekordprofi. „Er ist ein Mensch, der weiß, was er möchte und Verantwortung übernimmt. Er wusste schon als Kapitän beim SC Paderborn 07 immer für seine Ideen zu kämpfen und auch für andere einzutreten”, sagt Krösches langjähriger Vorgesetzter und Kollege Hornberger. Die lokale Presse bezeichnet Krösche als „SCP-Ikone”.

Ein Geheimnis von Krösches Erfolg ist dessen Vielseitigkeit. Bereits während seiner Profikarriere zog er ein Bachelor-Studium in BWL durch und gründete eine Auto-Leasing-Firma, die von vielen Fußballprofis frequentiert wird und die heute seine Frau Viktoria leitet.

RB Leipzig kriegt einen Menschenfänger mit Tatendrang

Seine zweite Karriere im Fußball startete Markus Krösche als Trainer der U23 von Paderborn, mit der er auf Anhieb aufstieg. 2015 folgte er seinem Freund Roger Schmidt als Co-Trainer nach Leverkusen, wo er diesen auch schon in der Bundesliga und im DFB-Pokal als Chefcoach vertrat. Dass er 2017 nach Paderborn zurückkam, als es dem Verein dreckig ging, ist seinem wohl größten Förderer Wilfried Finke zu verdanken. Der langjährige Patron des SCP – als Präsident und Hauptgeldgeber – war für Krösche väterlicher Freund und Berater.

Finke, der Anfang des Jahres an Krebs starb, überzeugte Krösche, sich des Abstiegskandidaten in der 3. Liga anzunehmen. Und Krösche überzeugte Finke weiter Millionen in seine Idee zu investieren. „Neben gesundem Selbstvertrauen, Optimismus sowie Vertrauen in das eigene Konzept ist es eine seiner großen Stärken, andere zu überzeugen”, sagt Hornberger. Ein Menschenfänger, der andere mit seiner Begeisterung und seinem Tatendrang anstecken kann.

Krösche mit Leipzig auf dem Weg zum „Weltverein“?

Dazu trägt auch Krösches exzellentes Fußball-Netzwerk bei. „Er hat stets den passenden Ansprechpartner, und auch den zweiten oder dritten Kontakt, um in jeder Situation die richtige Entscheidung zu treffen”, weiß Hornberger. Dotchev ergänzt: „Er ist nicht nur fachlich top, sondern auch sozial.“ Als Verwandte von Markus Krösche tödlich verunglückten, nahm er deren Kinder bei sich zu Hause auf. „Markus hat ein großes Herz”, so Dotchev.

Dass sich der einstige Defensivallrounder auch bei RB Leipzig durchsetzt, traut ihm der Ex-Aue- und -Rostock-Coach ohne weiteres zu: „Das passt wegen der gemeinsamen Idee vom Fußball zu 100 Prozent. Er wird auch bei einem kommenden Weltverein wie Leipzig seinen Weg machen.” Von der Hypothek, dass sein Start von der gescheiterten Kooperation zwischen RBL und SCP überschattet wird, muss sich der Hochgelobte freilich erst befreien. Am 8. Juli wird er sich erstmals öffentlich in Leipzig äußern. Vielleicht mit positiven Transfer-Neuigkeiten aus dem hohen Regal.