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Trostloser November Das Geisterspiel-Comeback in der Fußball-Bundesliga

Ein einsamer Fotograf, wo einst Fanmassen aufeinander hockten.

Ein einsamer Fotograf, wo einst Fanmassen aufeinander hockten.

Passend zum Grusel-Feiertag Halloween schlägt in der Fußball-Bundesliga wieder die Stunde der Geisterspiele. Neun Partien, alle ohne Zuschauer - der Horror für Fans und auch Vereine. Das liebgewonnene Stück Normalität in den Stadien fällt den steigenden Infektionszahlen erneut vollständig zum Opfer. Und die Klubs zittern um das liebe Geld, weil niemand weiß, ob der Lockdown im Dezember endet.

Sollte der von der Bundesregierung verfügte Besucher-Ausschluss im Profisport über den bislang festgelegten Zeitraum bis Ende November hinausgehen, könnte es bei einigen Klubs finanziell eng werden. "Wenn wir auch in der Rückrunde ohne Zuschauer spielen sollten, müssen wir unsere Budgetplanung noch einmal überdenken", sagte Werder Bremens Präsident Hubertus Hess-Grunewald.

Kurzarbeit in manchen Verwaltungsbereichen wie Fanbetreuung, Buchhaltung, Medien oder Sicherheit werde dann erneut "ernsthaft in Erwägung zu ziehen" sein, sagte er weiter. Dass dieses Szenario nicht unmöglich ist, bekräftigte Sportmediziner Prof. Dr. Wilhelm Bloch, Leiter der Abteilung für molekulare und zelluläre Sportmedizin an der Deutschen Sporthochschule Köln. "Ich glaube, wir werden den ganzen Winter damit zu tun haben. Bis ins Frühjahr und den Sommer hinein."

DFL-Boss Seifert: Personalkosten drücken

Auch bei Christian Seifert schwindet die Hoffnung auf rasche Besserung. "Es wäre schon sehr optimistisch, jetzt noch davon auszugehen, dass in der laufenden Saison in großem Stil Zuschauereinnahmen fließen", sagte der Chef der Deutschen Fußball Liga (DFL) dem Handelsblatt: "Jeder Klub ist in diesen Tagen gut beraten, die Fixkosten zu drücken. Und dazu gehören auch die Personalkosten."

Die Bundesligisten dürften sich zurück ins vergangene Frühjahr versetzt fühlen, als sie im März und April erst gar nicht und dann ab Mai nur ohne Zuschauer spielen durften. Diese Bilder wollten sie eigentlich nie wieder sehen. Da zwischenzeitlich teilweise wieder zehntausende Fans auf die Tribünen strömten und die Liga ihr Hygienekonzept aufwändig ausarbeitete, mögen viele gehofft haben, dass dem Fußball der Rückschlag erspart bleibt, der ihn am Mittwoch dann doch ereilte.

Und Klubs wie Vize-Meister Borussia Dortmund schwer verärgerte. Es sei "schwierig zu akzeptieren, dass Fakten nicht zählen", schrieb der BVB in einer Mitteilung. Der Profifußball sei "nachweislich kein Treiber der Pandemie", hieß es weiter. Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass es dem Profifußball wesentlich besser geht als vielen anderen Sportarten wie Handball, Basketball oder Eishockey, die in größerem Maße von Ticketeinnahmen abhängig sind.

Gladbachs Max Eberl: "Sind absolut nicht bedroht"

Die TV-Erlöse dürften die Bundesliga noch etwas über Wasser halten. "Es tut uns weh, aber wir sind absolut nicht bedroht", sagte Borussia Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl. Sein Team erhält zudem reichlich Geld durch die Teilnahme an der Champions League, so ebenfalls Bayern München, der BVB und RB Leipzig. Hört man aber auch in die kleineren Klubs hinein, ist nicht in erster Linie Existenzangst zu vernehmen.

Sportdirektor Rouven Schröder von Schlusslicht FSV Mainz 05 bezeichnete den Zuschauerausschluss zwar als "wirklich bitter", aber dennoch sieht er seine Branche als privilegiert an: "Wir dürfen weiterspielen, andere Branchen wie Künstler dürfen nicht auftreten." Entscheidend wird sein, wie die Vereine die neue Lage annehmen und sich auf eine mögliche, noch längere Zeit ohne Zuschauer einstellen.

"Wir haben sehr konservativ geplant und bis Jahresende komplett ohne Zuschauereinnahmen kalkuliert", so Schröder. Das macht durchaus Sinn, denn Tickets werden sicher erst wieder verkauft, wenn die täglichen Neuinfektionen weit unter den aktuellen 18.681 vom Freitag liegen. Aber bis es einmal wieder so weit ist, werden noch viele Wochen vergehen. (sid)