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Saisonstart der RB-Frauen Neustart ohne Stars, mit günstigen Tickets

Die Frauen von RB Leipzig wollen mit einem runderneuerten Kader im vierten Bundesligajahr endlich deutliche Schritte nach vorn machen. Dabei sollen auch eine veränderte Transfer- und Ticketpolitik helfen, um mehr Fans anzulocken.

Von Ullrich Kroemer 21.08.2026, 08:33
Kickt auch mal selbst mit: Trainer Jonas Stephan gegen die Neu-Leipzigerin Charlotte Hulst.
Kickt auch mal selbst mit: Trainer Jonas Stephan gegen die Neu-Leipzigerin Charlotte Hulst. (Foto: imago/motivio)

Leipzig – Einen konkreten Tabellenplatz mag Jonas Stephan, Trainer des Frauenteams von RB Leipzig, vor dem Bundesliga-Saisonstart gegen Bayer Leverkusen (So., 16 Uhr) nicht mehr als Saisonziel nennen. Im vergangenen Jahr war die Mannschaft dem offensiv formulierten Anspruch, mindestens Platz sechs zu erreichen, deutlich hinterhergerannt. Am Ende fehlten den Leipzigerinnen 15 Zähler auf den angestrebten Rang.

Überhaupt mussten sie bei RB erkennen, dass die Ankunft im Oberhaus keineswegs so rasant verläuft, wie einst bei den Männern. Nach zwei achten Plätzen (von zwölf Teams) und Rang zehn in der Vorsaison im aufgestockten Vierzehnerfeld herrschte nach drei Jahren durchaus Ernüchterung. Schließlich war es das ehrgeizige Ziel, möglichst schnell an die Ligaspitze vorzustoßen und 2027 an die Tür zur Champions League zu klopfen. Doch davon ist aktuell keine Rede mehr.

RB knackt bei Transfers die Millionenmarke

Vielmehr meistert RB gerade den nächsten, großen Umbruch. Elf Spielerinnen verließen den Klub, zwölf neue kamen hinzu. Wenn möglich, soll noch eine weitere Akteurin für die Außenbahnen geholt werden. Torhüterin Elvira Herzog ist nun die einzige, die aus der Aufstiegsmannschaft 2023 auch im vierten Erstligajahr noch dabei ist.

In Giovanna Hoffmann (VfL Wolfsburg) und Lisa Baum (Arsenal) verloren die Leipzigerinnen ihre bekanntesten Gesichter sowie in Julia Landenberger (VfL Wolfsburg) eine weitere Leistungsträgerin. Immerhin knackte RB so erstmals die Millionenmarke an Transfererlösen – und das, obwohl Ablösen im Frauenfußball eher unüblich sind. Doch auch in diesem Punkt wollen die Frauen den Männern nacheifern und noch mehr auf Talente und Entwicklung setzen; dazu gehört dann auch, Topspielerinnen weiterziehen zu lassen, wenn die großen Klubs locken.

Odebracht: „Sprintstark, offenes Mindset, hart arbeiten”

Hinzugekommen sind keine Stars, sondern vor allem Akteurinnen, die das Team in seiner Identität stärken sollen. „Uns war vor allem wichtig, dass die Spielerinnen fußballerisch zu uns und zu unserer Spielidee passen”, erklärt die Sportliche Leiterin Viola Odebrecht. „Sprintstark” soll der neue Kader sein, „ein offenes Mindset mitbringen” – mit Spielerinnen, die „bereit sind, jeden Tag hart zu arbeiten”. Hinsichtlich der Spielanlage orientiert sich das Team auch an der Maßgabe bei den Männern und agiert gegen den Ball in einer 4-3-3-Grundordnung mit hohem Pressing; mit Ball lässt Stephan flach von hinten heraus kombinieren, um die Gegnerinnen zu locken und dann möglichst pfeilschnell in entstehende Räume zu stoßen.

Ohne langjährige Leistungsträgerinnen wie Ex-Kapitänin Victoria Krug bildet sich gerade eine neue Hierarchie; die Stimmung bezeichnen Insider als die beste seit dem Aufstieg. „Die Mannschaft hat sich sehr gut gefunden und wir werden als Team einen Schritt nach vorn machen”, kündigte Stephan an. „Entscheidend wird sein, unsere Leistungen konstanter abzurufen und attraktiven Fußball zu spielen.”

Die RB-Frauen brauchen Wachstum

Auch für den 34-jährigen Niedersachsen dürfte die Saison zur Bewährungsprobe werden. Zwar hatte RB den Vertrag mit ihm im vergangenen Herbst demonstrativ bis 2028 verlängert, doch ein weiteres Jahr in den Niederungen der Tabelle und mit mangelhafter spielerischer Entwicklung wäre im auf Leistung getrimmten Red-Bull-Kosmos nicht akzeptabel. Managerin Viola Odebrecht formuliert als Ziel, „uns in der Tabelle Schritt für Schritt nach oben zu orientieren, mit dem langfristigen Ziel, irgendwann auch um die internationalen Plätze zu spielen. Dabei wollen wir für attraktiven und mutigen Fußball stehen.”

Doch um als Nischensportart im Schatten des übermächtigen Männer-Bundesligisten zu gedeihen, benötigen die RB-Frauen auch im Umfeld mehr Wachstum – etwa bei den Fans. „Wir wollen unseren Zuschauerschnitt weiter verbessern, mehr Menschen für unsere Mannschaft begeistern und insbesondere neue Fans aus Leipzig und der Region dazugewinnen”, sagt Odebrecht. Wenn man das Rekordspiel gegen den FC Bayern mit über 10.000 Fans in der Red-Bull-Arena herausrechnet, kamen in der vergangenen Spielzeit im Schnitt weniger als 1000 Anhänger pro Heimspiel an den Cottaweg. Da ist Luft nach oben.

Daher hat RB die Eintrittspreise mit Karten ab acht Euro pro Vollzahler gegen den Trend gesenkt; Kinder bis einschließlich 14 Jahren erhalten in Begleitung eines Erwachsenen nun sogar freien Eintritt. „Wir wollen am Cottaweg häufiger vor ausverkauftem Haus spielen und eine möglichst lautstarke Atmosphäre schaffen”, erklärt Odebrecht. Vielleicht gelingt das ja gleich zum Auftakt gegen die starken Leverkusenerinnen, Kandidat für die internationalen Plätze.