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Von Thomas Fritz

"Wollen schnellstmöglich in die Bundesliga" Viola Odebrecht über Saison der RB-Frauen, Corona-Folgen und Mintzlaffs Aufstiegspläne

Viola Odebrecht beendete ihre aktive Karriere 2015 beim VfL Wolfsburg.

Viola Odebrecht beendete ihre aktive Karriere 2015 beim VfL Wolfsburg.

Viola Odebrecht (38) ist seit 2019 Leiterin der Abteilung Mädchen- und Frauenfußball bei RB Leipzig. Im Interview mit RBlive/Mitteldeutsche Zeitung sprach die Weltmeisterin von 2003 (49 Länderspiele) über das vergangene Jahr, die neue Zweitliga-Saison (Start: 15. August beim VfL Wolfsburg II), Corona-Folgen für den Nachwuchs und ihre Zufriedenheit mit Chef-Trainerin Katja Greulich. Außerdem erklärte die gebürtige Neubrandenburgerin, ob Assistenztrainerin Anja Mittag noch einmal die Fußballschuhe schnürt und ob RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff Druck in Sachen Bundesliga-Aufstieg macht. 

Stimmt es, dass sie als Kind Franziska van Almsick als Vorbild hatten und gern Schwimmstar werden wollten?
Ja, das stimmt. Ich war im erweiterten Mecklenburg-Vorpommern-Kader und Norddeutsche Meisterin. Das war damals meine Sportart. Meine Mutter wollte nicht, dass ich mit Fußballspielen anfange. Das durfte ich erst mit 13, als es aus verschiedenen Gründen mit dem Schwimmen nicht funktioniert hat.

Im Fußball haben Sie als Spielerin vor allem mit Turbine Potsdam und dem VfL Wolfsburg eine erfolgreiche Karriere hingelegt. Heute sind Sie als Funktionärin tätig. Was sind Ihre genauen Aufgaben als Leiterin der Abteilung Mädchen- und Frauenfußball bei RB?
Die Hauptaufgaben sind im Endeffekt die Personal -und Strukturentwicklung. Also sowohl was den Trainerbereich, als auch was die Kaderzusammenstellung angeht. Das Hauptaugenmerk liegt auf den Zweitliga-Frauen, weil ich noch einen sportlichen Leiter habe, der sich vermehrt um den Nachwuchs kümmert. Die Budget-Verantwortung und die generelle strategische Ausrichtung für die weitere Professionalisierung liegen ebenfalls bei mir.

RB ist in vier Jahren aus der Landesliga Sachsen in die zweite Liga aufgestiegen. Halten die Strukturen noch mit der Entwicklung Schritt?
Wir sind gut aufgestellt. Wir haben vor zwei Jahren eine Strategie entwickelt, was wir wann benötigen und haben das auch mit der Geschäftsführung durchgesprochen. Und gemäß diesem Plan werden wir von Jahr zu Jahr auch personell wachsen.

Sind Sie zufrieden mit den Trainingsbedingungen an der Uni und mit der Spielstätte in Markranstädt?
Die Qualität des Trainingsplatzes an der Universität ist überragend und auch das Stadion am Bad haben die Spielerinnen gut angenommen. Es wäre natürlich schön, perspektivisch einen einheitlichen Standort zu haben. Aber da gibt's ja im Moment ganz andere Baustellen.

Odebrecht über erstes Zweitliga-Jahr: "Erwartungen wurden voll erfüllt"

Ihr Fazit zur ersten Saison in Liga zwei, die mit dem dritten Platz endete?
Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Wenn man sich jetzt allerdings das eine oder andere Spiel ansieht, hätten es die Mädels besser bestreiten können. Aber ja, wir sind in die Saison gestartet mit dem primären Ziel Klassenerhalt. Das haben wir ein paar Wochen vor Saisonende geschafft. Die Erwartungen wurden daher voll erfüllt.

Diese kleine Schwächephase nach dem Liga-Neustart. Was war ausschlaggebend dafür?
Ich glaube, da kamen ganz viele Kleinigkeiten zusammen. Man hat gemerkt, dass bei vielen die lange Corona-Pause an den Nerven gezerrt hat. Wir waren ja eines der wenigen Teams, die bis auf eine überschaubare Pause praktisch durchtrainieren durften. Wenn du aber nicht weißt, wofür du genau trainierst, sprich, wann es mit Pflichtspielen wieder weitergeht, ist es für den Kopf nicht so einfach. Die eine oder andere Spielerin hatte mit der langen Pause zu kämpfen. Es war ja ganz lange Zeit offen, ob wir überhaupt wieder spielen dürfen.

Welche Gründe gab es noch?
Wir hatten mit einem Altersdurchschnitt von 19,6 ein sehr, sehr junges Team. Nachdem wir vor der Spiel-Pause die ersten drei Partien gewonnen hatten, haben wir den Restart unterbewusst vielleicht ein bisschen auf die leichte Schulter genommen.. Dann kam noch die eine oder andere Verletzung dazu. Sechs Langzeitverletzte zu haben, war schon hart.

Haben Sie trotz der Schwierigkeiten eine Entwicklung im Team erkannt im Verlauf der Saison?
Definitiv. Wenn man unser System anguckt, wie wir gegen und mit dem Ball spielen, hat man schon von Spiel zu Spiel gesehen, dass die Mädels individuell, aber auch als Team die Zielsetzung immer mehr umsetzen konnten.

Hilft Anja Mittag noch einmal im Sturm aus?

Zufrieden mit Trainerin Katja Greulich?
Ja, definitiv. Mit allen Trainern, nicht nur mit Katjas Arbeit, bin ich sehr zufrieden. Deswegen haben im Endeffekt auch alle verlängert.

Wird Co-Trainerin Anja Mittag nächste Saison wieder als Spielerin aushelfen, wenn es es nötig ist?
Man soll nie nie sagen. Aber das hoffe ich nicht und in meinem Kopf ist es eigentlich ausgeschlossen. Wir haben uns ja gerade auch im Angriff noch verstärkt durch Maria Cristina Lange und Gianna Rackow. Außerdem kehren die Verletzten zurück.

Können wir Mittags endgültiges Karriere-Ende verkünden?
Wie gesagt: Man soll nie nie sagen (lacht).

Wie sehr hat Corona der Entwicklung der Spielerinnen geschadet, besonders im Nachwuchs, wo teilweise monatelang nicht trainiert werden durfte?
Das muss man in der Gesamtentwicklung sehen. Man merkt schon, dass den Mädels der Wettkampf gefehlt hat. Im Sport lernst du am meisten, wenn du das Trainierte in Drucksituationen anwenden kannst. Das hat bei der einen oder anderen jetzt zu einem Leistungseinbruch oder zu einer Stagnation geführt. Wann und wie sie das in den nächsten Jahren kompensieren können, das muss man sehen.

Ist der Aufstieg mit sechs Neuzugängen aus Liga eins im kommenden Jahr Pflicht?
Der Ehrgeiz bringt es mit sich, sowohl von den Trainern, von der Mannschaft als auch von mir, dass wir nicht allzu lange in der zweiten Liga verweilen wollen. Aber es ist nicht so, dass Oliver Mintzlaff sagt: Wir müssen unbedingt hoch gehen. Sondern da haben wir die nächsten Jahre Zeit und können ganz in Ruhe arbeiten. Aber wie gesagt: Wir wollen schon schnellstmöglich in die Bundesliga und hoffen auch, dass wir die kommende Saison wieder oben mitspielen werden.

Odebrecht: Männer holen vor Frauen-Team ersten Titel für RB Leipzig

Wo steht eigentlich der RB-Etat im Ligavergleich?
Ich kenne die Zahlen von den anderen Vereinen nicht. Aber ich glaube schon, dass wir ein Verein sind, der im oberen Drittel liegt. Wir sind froh, dass wir die Unterstützung vom Verein bekommen und dass sich der Klub auch klar positioniert hat, dass wir in den nächsten Jahren aufsteigen wollen. Wir sind sehr gut aufgestellt, jetzt auch schon in der zweiten Liga.

Wo sehen Sie sich persönlich und die RB-Frauen in fünf Jahren?
Dann sind wir in der ersten Liga und spielen um die vorderen Plätze mit. Und ich bin hoffentlich noch in der gleichen Position. (lacht)

Wer holt den ersten Titel – die Frauen oder die Männer?
Gute Frage. Ich glaube den gewinnen tatsächlich die Männer. Die sind schon sehr, sehr dicht dran, den letzten Schritt zu gehen. Bis wir um einen Titel mitspielen können, brauchen wir bestimmt fünf, sechs oder sieben Jahre. Ich denke und hoffe nicht, dass das bei den Männern so lange dauert.

Und irgendwann einmal wird die gemeinsame deutsche Meisterschaft gefeiert?
Das wäre eine Schlagzeile, definitiv. Aber das ist noch Zukunftsmusik.