RB Leipzig

„Bis zum 34. Spieltag oben dranbleiben”: RB Leipzig entdeckt Titeltugenden

Von Ullrich Kroemer 13.12.2020, 13:38
Gier für den Titel: Dani Olmo freut sich mit Kollegen und Beule am Kopf über das 2:0 gegen Werder Bremen. 
Gier für den Titel: Dani Olmo freut sich mit Kollegen und Beule am Kopf über das 2:0 gegen Werder Bremen.  imago/Picture Point LE

Marcel Sabitzer ist so einer, Dani Olmo und Amadou Haidara auch – Unterschiedsspieler, bei denen Klasse und Kampfeswillen gleichermaßen stark ausgeprägt sind. Nicht nur gegen Bayern München und Manchester United, sondern auch beim 2:0 (2:0) gegen Werder Bremen. Der Kapitän habe „richtig was ausgestrahlt, er hatte Hunger und wollte unbedingt gewinnen. Diese Gier in allen Spielen auf den Platz zu bringen, ist eine Tugend, um lange oben mitzuspielen”, betonte Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann nach dem neunten Heimsieg in Serie.

Sechs Mal in der Bundesliga und drei Mal in der „Königsklasse” hat der Spitzenklub aus Sachsen in dieser Saison gewonnen und noch keinen einzigen Zähler in der meist leeren Red-Bull-Arena abgegeben. Eine solche „Hausmacht” hat aktuell kein anderer deutscher Klub. Nachdem RB in der vergangenen Saison gerade gegen schwächere Gegner daheim geschwächelt hatte, ist die Dominanz im eigenen Stadion derzeit die Grundlage für Leipzigs Erfolg. So heimstark ist Rasenballsport noch nie in eine Bundesligasaison gestartet.

Keine Federn in den „Charakterspielen” gelassen

„Wir können gegen ganz große Gegner mithalten, machen aber auch unsere Hausaufgaben”, freute sich Nagelsmann hochzufrieden und lobte: „Wir gehen die Spiele aktuell gut an und spielen sie auch mit der nötigen Schärfe und Seriosität zu Ende.” Noch habe RB in der Liga in den „Charakterspielen keine Federn gelassen”, sagte er mit Blick auf die schwächelnden Münchner und Dortmunder.

Zwar hatte Leipzig gegen Bremen eine unruhige Anfangsphase zu überstehen. Doch RB hielt angeführt von Sabitzer dagegen und entschied das Spiel noch in der ersten Hälfte. Sowohl die Vielspieler im Team als auch jene, die in die Mannschaft rotierten, zeigten, wie geschlossen und formstark das Team gerade ist. „Wir haben Qualität im Kader, das macht uns stark im Moment”, sagte Poulsen. Dabei hat RB im Vergleich zu Dortmund und Bayern deutlich weniger Top-Personal auf der Bank zur Verfügung.

Doch Nagelsmann und sein Trainerstab rotieren derzeit am klügsten – und das, obwohl aktuell fünf Spieler gar nicht einsatzfähig sind. Zudem ist die Qualitätssteigerung bei eigenem Ballbesitz deutlich zu sehen. Amadou Haidara, Olmo & Co. behaupten derzeit Bälle und leiten sie weiter, die in der vergangenen Saison noch verloren gegangen wären.

Nagelsmann: „Stehen stabiler da, als man kalkulieren konnte”

„Wir stehen bisschen stabiler da, als man kalkulieren konnte”, bilanzierte auch Nagelsmann. „Wir wussten ja selbst nicht genau, wie das mit ständigen englischen Wochen wird.” Nun sei RB genau „da, wo ich hinwill”, sagte der 33-Jährige und schob nach, „und auch die Spieler.” Ein entscheidender Unterschied zur Vorsaison ist nämlich, dass auch die Akteure Nagelsmanns Mut und Zutrauen verinnerlicht haben und das auf dem Feld zeigen.

Eine ganze Sammlung von neuen Qualitätsmerkmalen, die gerade angesichts des gewaltigen Pensums in diesen Wochen, dazu führen könnte, dass RB das Titelrennen bis zum Schluss spannend hält. „Wir probieren, so lange es geht, oben dranzubleiben – idealerweise bis zum 34. Spieltag”, sagte Leipzigs Fußballlehrer. So kampfeslustig und entschlossen hatte man den RB-Coach in dieser Saison noch nicht über Titelziele reden hören. Zunächst will RB „die dynamische Welle” in den beiden ausstehenden „Charakterspielen” bei der TSG Hoffenheim (Mi, 20.30 Uhr) und zum Heimspiel-Abschluss gegen Köln (Sa., 15.30 Uhr) weitersurfen. (RBlive/ukr)