Die Spieler von RB Leipzig in der Einzelkritik

Wie beim Torwandschießen im Sportstudio

Von Martin Henkel und Ullrich Kroemer 09.01.2021, 09:43 • Aktualisiert: 09.01.2022, 11:27
Mainz gab sich geschlagen, nachdem Nkunku zum 3:1 traf. Quelle:
Mainz gab sich geschlagen, nachdem Nkunku zum 3:1 traf. Quelle: imago/Jan Huebner

So haben wir die Spieler von RB Leipzig beim 4:1 gegen Mainz gesehen:

Peter Gulacsi: Beim Auftakt in die Rückrunde hatte "Pete" nix zu tun. Der eine Mainzer Schuss auf sein Tor ging dran vorbei, der zweite war drin, woran der RB-Keeper keinen Anteil hatte. Note: 2,5.

Mohamed Simakan: Der Franzose hatte mehr mit dem Rasen zu tun, als dem Gegner. Die Mainzer waren harmlos im Angriff, dafür die Grashalme umso tückischer. Immer wieder brachten sie Simakan ins Rutschen. Ein ums andere Mal wankte er und spielte dadurch groteske Fehlpässe. Ab der 30. Minute fing er sich und agierte standfest. Note: 2,5.

Willi Orban: Nicht nur ein solider Fünferkettenauftritt, sondern auch mal wieder ein paar Ausflüge in den gegnerischen Strafraum, was man von "Williii" in den Spielen davor nur selten gesehen hat. Es sprang zwar nichts dabei heraus, aber der Wille zählt, wieder zu den alten Kapazitäten zu finden. Note: 2,5.

Josko Gvardiol: Mal wieder einer dieser Auftritte des Kroaten, bei denen man sich fragt, wie er eigentlich ist. 19! Spielte abgezockt, war robust und von keinem 05-Stürmer zu überwinden und tauchte immer mal wieder vor dem gegnerischen Hinterhof auf. Hatte zwei mögliche Treffer auf dem Fuß. Einen Schuss lenkte Mainz-Keeper Zentner mit den Fingerkuppen um den Pfosten (18.), bei der zweiten Gelegenheit drosch er eine Flanke von Angeliño dropkick aus Nahdistanz über den Querbalken (55.). Note: 2. 

Lukas Klostermann: Wichtige Rückkehr des Nationalspielers ins Team. Brachte Ruhe auf die rechte Abwehrseite, auf der zuletzt Mukiele und Henrichs die Nerven ihrer Trainer malträtierten. Seine Zweikampfquote war zwar nicht der Brüller (33 Prozent), trotzdem schlüpfte ihm weder ein gefährlicher Ball noch ein Mainzer-Spieler durch. Note: 3. 

Kevin Kampl: Das Pendel im Leipziger Aufbauspiel glänzte sehr durch Präsenz. Hatte 117 Ballkontakte und spielte 109 Pässe, von denen 103 angaben. Eine Toni-Kroos-Quote, die sein Engagement gegen Mainz wiedergab. Note: 2,5.

Tyler Adams: Kaum weniger aktiv als sein Nebenmann Kampl. Hatte exakt 100 Ballkontakte und spielte 97 Pässe, von denen 94 ihren Adressaten erreichten. Die Ballsicherheit der zwei Sechser war der Schlüssel für die Spielkontrolle gegen allerdings ab der Roten Karte für Hack dezimierte Mainzer. Leistete sich aber beim unnötigen Anschlusstor der Mainzer einen Patzer, als er gegen Onisiwo ins Leere rutschte und dessen Torvorlage zuließ. Note: 3.

Angeliño: Unauffälliger, aber taktisch disziplinierter Auftritt des Linksverteidigers. Muss weiter an seiner Flankenquote arbeiten, da segelten in der ersten Hälfte einige ins Nirgendwo. Note: 3.

Dominik Szoboszlai: Drehte nach schwieriger erster Hälfte in den zweiten 45 Minuten auf und fand in Christopher Nkunku den benötigten kongenialen Partner. Traf selbst nach Vorarbeit von Nkunku zum 2:0 und bereitete Nkunkus Treffer zum 3:1 vor. Zirkelte einen Freistoß gefährlich aufs Dreiangel (52.). Muss noch beständiger das zeigen, was er in der zweiten Hälfte leistete. Note: 2.

André Silva: Am Anfang war dem Portugiesen die Verunsicherung noch anzumerken, als er eine hundertprozentige Torchance mit dem Kopf nach Flanke von Yussuf Poulsen vergab (12.). Am Ende schweißte er den Ball aus 16 Metern mit viel Selbstvertrauen unter die Latte zum 4:1. Silva holte sich auch durch den konzentriert verwandelten Elfmeter Sicherheit und ist dabei, zu Bestform und Selbstverständlichkeit zu finden. Am 1:0 war er gleich vierfach beteiligt, als er den Ball erst gegen Hack eroberte, dann perfekt auf Poulsen passte, danach Hack zur Roten Karte zwang und dann vom Punkt traf. Fußballerisch klappt bei ihm noch längst nicht alles, doch er trifft inzwischen nahezu in jedem Spiel. Note: 2.

Yussuf Poulsen: Überraschender erster Einsatz nach sechswöchiger Verletzungspause. Machte es in den 45 Minuten gut, hielt Bälle, ließ sich mal tief in die eigene Hälfte, mal auf den rechten Flügel fallen und hätte um ein Haar ein Tor vorbereitet, als Silva patzte (12.). Hätte später nach Silvas Vorarbeit selbst treffen müssen, schoss aber Keeper Zentner an, sodass Silva die Chance zum Nachschuss bekam. Gutes, kämpferisches Comeback. Seine Präsenz in der schwierigen ersten Hälfte tat dem Team gut. Note: 2,5.

Christopher Nkunku: Selten sah man den Einfluss eines Spielers auf eine Mannschaft so überdeutlich wie in diesem Spiel, als Nkunku in der 46. Minute das Feld betrat. Er ist ein wirklicher Unterschiedsspieler, bereitete zwei Tore vor und schoss eines selbst. Aus recht spitzem Winkel lupfte er den Ball perfekt zwischen Kopf und Oberarm von 05-Keeper Zentner hindurch, als sei er beim Torwandschießen im Sportstudio. Auch nach Corona-Infektion und mit nur zwei Trainingseinheiten gelang ihm nahezu jede Aktion. Dafür kann es nur die Bestnote geben. Note: 1.

Hugo Novoa (68.): Der Youngster kam für Silva im Sturm, als das Spiel bereits entschieden war, konnte aber wenig Akzente setzen und fand keine rechte Bindung zum Spiel. Hatte nur sieben Ballkontakte in 25 Minuten (inkl. Nachspielzeit). Note: 3,5.

* Wir bewerten nur Spieler, die vor der 70. Minute zum Einsatz kamen.

(RBlive/hen/ukr)