RB Leipzig

„Extremer Spieltrieb”: Warum Angeliño bei RB Leipzig plötzlich Torjäger ist

Von Ullrich Kroemer 21.10.2020, 10:22
Dank an den Vorbereiter: Angeliño und Christopher Nkunku.
Dank an den Vorbereiter: Angeliño und Christopher Nkunku. imago/Picture Point LE

Angeliño stand nach seinem Doppelpack beim 2:0 (2:0) von RB Leipzig gegen Basaksehir Istanbul als Held des Abends zwar im Mittelpunkt. Doch der Spanier mochte in die Jubelgesänge nicht mit einfallen. „Das Team hat mir tolle Chancen gegeben, ich war da und war der Torschütze, es hätte aber auch jemand anders sein können”, sagte er bescheiden. Und überhaupt war er trotz seiner beiden glanzvollen Tore angemessen kritisch mit dem Team. „Das war ein wichtiger Sieg für uns, auch wenn die zweite Hälfte nicht mehr gut war. Wir müssen uns verbessern. Positiv ist, dass wir kein Gegentor bekommen haben”, mahnte er.

Euphorischer war sein Trainer Julian Nagelsmann, der ausführlich zu Angeliño befragt wurde und ausführlich antwortete. Denn dass der 23-Jährige, der eigentlich Linksverteidiger ist, mit nun vier Toren in fünf Saisonspielen der beste RB-Torjäger ist, kommt überraschend. Zwar hatte der Leihspieler von Manchester City auch in der vergangenen Saison schon gute Abschlüsse. Doch das Selbstvertrauen vor dem Tor und die Zielstrebigkeit sind neu.

„Extrem abschlussstark aus schwierigen Winkeln”

„Er hat heute nochmal ein bisschen offensiver gespielt, er hatte sehr gute Laufwege, das erste Tor ist sensationell, wie er das macht. Das geht Richtung Weltklasse”, lobte Nagelsmann. Angel saugte im Strafraum einen Chip von Kevin Kampl an und drehte sich dann blitzschnell um die eigene Achse und zog ab (16.). Kurz darauf verwertete er ein perfektes Zuspiel von Christopher Nkunku ohne zu zögern direkt.

„Im Training haut er viele Dinger rein, ist mit Links extrem abschlussstark oft aus schwierigen Winkeln”, berichtete der Chefcoach. „Im vergangenen Jahr hat er sehr mannschaftsdienlich gespielt, aus der neuen Position heraus kommt er häufiger in torgefährliche Räume.” Der 33-Jährige betonte aber auch, dass nicht er allein, sondern auch ManCity-Trainer Pep Guardiola großen Anteil an Angeliños Entwicklung habe: „Er kam von einem sehr guten Trainer aus einer sehr guten Mannschaft und ist sehr gut ausgebildet gekommen.”

In der ersten Hälfte bot Nagelsmann den flinken Flügelflitzer wie bereits gegen Schalke als Außenstürmer auf. In der zweiten Hälfte, als RB auf Dreier- beziehungsweise Fünferkette umstellte, wurde Angel wieder defensiver. „Er verkörpert einen Spieler, den ich liebe, weil er in der Lage ist, mehrere Positionen zu spielen, ohne große Anpassungsprobleme zu haben.” Der Linksfuß könne drei, vier verschiedene Positionen spielen, so Nagelsmann. „Er kann defensiv gerade aus der Dreierkette heraus gut verteidigen, kann aber auch offensiv gefährlich werden.”

Nagelsmann: „Alles versuchen, dass wir ihn verpflichten”

Zudem gefällt dem Chefcoach die Einstellung seines Wunschspielers. „Das ist ein Spieler, der immer gewinnen will, wie so ein Spielkind", sagte der Fußballlehrer. „Er hat einen extremen Spieltrieb und will immer gewinnen, gewinnen, gewinnen und den Ball am Fuß haben.” Unangenehm werde er nur, wenn er mal nicht spielt, berichtete Nagelsmann. Das steht bei Leistungen wie zu Beginn dieser Saison jedoch nicht allzu häufig zu befürchten.

Dafür, dass der zum zweiten Mal nach Leipzig ausgliehene Spieler, bald endgültig nach Leipzig wechseln kann, lieferte er mit seinem neuen Tordrang beste Argumente. „Er ist sehr gut und die Position im europäischen Fußball nicht so häufig vertreten”, sagte Nagelsmann. „Es ist ratsam, alles zu versuchen, dass wir ihn verpflichten können.” (RBlive/ukr)