RB Leipzig

Fußball im Osten - SFV-Präsident Winkler: „Fußball-Einheit ist noch nicht vollzogen”

Von Ullrich Kroemer 10.11.2020, 12:16
„Der Osten ist bei Länderspielen definitiv unterrepräsentiert”: Sachsen Fußball-Verbandschef Hermann Winkler.
„Der Osten ist bei Länderspielen definitiv unterrepräsentiert”: Sachsen Fußball-Verbandschef Hermann Winkler. imago/Picture Point

Wenn die deutsche Nationalmannschaft an diesem Mittwoch gegen Tschechien und am Samstag gegen die Ukraine (jeweils 20.45 Uhr) in Leipzig gastiert, sind das die Länderspiele zehn und elf, die in den 30 Jahren seit der Wende in Ostdeutschland stattfinden werden. elf von mehr als 170 Heimspielen in den drei Dekaden. Neben Leipzig waren nur Dresden (1992) und Rostock (2002 und 2006) Schauplätze von Länderspielen in den neuen Bundesländern.

Dem sächsischen Verbandspräsidenten Hermann Winkel ist das zu wenig. „Ich bin dem DFB dankbar, dass jetzt zwei Länderspiele in Leipzig stattfinden. Aber das ist doch das Normalste der Welt, dass man auf Ausgewogenheit in ganz Deutschland achtet”, sagte Winkler der Mitteldeutschen Zeitung (Print). „Der Osten ist bei Länderspielen definitiv unterrepräsentiert.”

Winkler: „Logische Folge, dass man auch mal in Rostock spielen könnte”

Das lag in den Nachwende-Jahren vor allem an den entweder maroden oder zu kleinen Spielstätten. Weil der DFB bis 2018 nur Länderspiele in die großen deutschen Arenen mit Mindestkapazität von 40.000 Zuschauern vergab, war der Osten weitgehend außen vor. 2018 jedoch öffnete sich der DFB auch für Stadien ab 25.000 Plätzen.

„Aufgrund der zurückgehenden Zuschauerzahlen schauen wir, auch in andere Stadien zu gehen, wo dann gute Atmosphäre ist”, hatte Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff am Montag gesagt. Länderspiele in Dresden, Rostock und Magdeburg, wo die DFB-Elf 1933 zuletzt auflief, wären also durchaus möglich. „Wenn die Akzeptanz etwas fehlt und die Zuschauer wegbleiben, ist es doch eine logische Folge, dass man auch mal in kleineren Stadien wie in Rostock spielen könnte”, forderte Winkler.

Der SFV-Landesfürst ist mit dem Stellenwert Ostdeutschlands generell unzufrieden. „Wir haben noch einen weiten Weg vor uns. Ich möchte mich nicht mit zwei Länderspielen zufriedengeben und 30 Jahre nach der deutschen Einheit sagen, dass wir damit alles geschafft haben”, sagt der gebürtige Grimmaer, auch Vize-Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbandes. „Für mich ist die Einheit im deutschen Fußball noch nicht vollständig vollzogen.”

Winkler: „Osten braucht besondere Berücksichtigung”

Winkler argumentiert, dass „alle Vereine im Osten mit einer besonders schwierigen Situation” klarkommen müssten, weil die wirtschaftliche Situation hier weit schwieriger sei als in den alten Bundesländern. Von den 500 größten deutschen Unternehmen sitzt nicht einmal ein Zehntel im Osten, was sich auch auf die Zahlkraft potenzieller Sponsoren auswirkt. „Deswegen brauchen wir auch eine besondere Berücksichtigung, zum Beispiel bei Länderspielen”, sagte Winkler.

Direkten Einfluss haben die Landesverbände nicht auf die Vergabe der Spielorte, die im DFB-Präsidium stattfindet. „Wir können nur immer wieder darauf aufmerksam machen, dass es ganz wichtig ist, dass im Osten Deutschlands Spiele stattfinden”, mahnt Winkler. „Die Kinder und Jugendlichen im Osten wollen doch auch mal ihre Idole sehen. Auch so fördert man den Nachwuchs, aber dann müssen die Nationalspieler auch mal hier spielen.”

So wie aktuell in Leipzig, wo die Stars im Laufe des Montags im Hotel The Westin am Ring eintrafen und dann bei RB Leipzig am Cottaweg trainierten. Mit Toni Kroos (Greifswald) und Felix Uduokhai (Annaberg-Buchholz) sind übrigens gerade zwei Kicker dabei, die ostdeutsche Wurzeln haben – 30 Jahre nachdem Andreas Thom und Matthias Sammer die ersten DFB-Spieler aus der ehemaligen DDR waren. (RBlive/ukr)