RB Leipzig

Gulacsi vor dem Rückspiel von RB Leipzig im Interview: „Hätte lieber in Liverpool gespielt”

Von Martin Henkel, Ullrich Kroemer 10.03.2021, 07:30
Liverpool im Fokus: Peter Gulacsi beim Training von RB Leipzig am Cottaweg.
Liverpool im Fokus: Peter Gulacsi beim Training von RB Leipzig am Cottaweg. imago/motivio

Trotz der Enttäuschung nach dem vermeidbaren 0:2 von RB Leipzig im Hinspiel gegen den FC Liverpool nahm sich Peter Gulacsi nach Abpfiff die Zeit für einen Plausch mit Jordan Henderson. Der im Rückspiel fehlende Führungsspieler des LFC ist der einzige, der aus Peter Gulacsis Jahren beim FC Liverool noch übrig geblieben ist. Im Gespräch mit Mitteldeutscher Zeitung/RBlive berichtet „Pete”, wie ihn die Ausbildungsjahre bei den Reds geprägt haben; der Torhüter spricht über die verpasste Rückkehr nach Anfield, das Achtelfinal-Doppel in seiner Heimatstadt Budapest und RB Leipzigs Chancen im Rückspiel.

Pete, Sie wurden sechs Jahre lang in Liverpool ausgebildet. Wie hat Liverpool Sie damals überhaupt in Ungarn entdeckt?
Ich habe damals bei MTK Budapest und in den U-Nationalmannschaften immer einen Jahrgang höher gespielt. Da hat Liverpool mich gescoutet und mich 2007 verpflichtet. Das war ein Riesenschritt von Ungarn nach England. Auch wenn letztlich der Durchbruch nicht geklappt hat und ich mich nicht in der ersten Mannschaft bei Liverpool durchsetzen konnte, habe ich sehr viel gelernt und profitiere heute noch davon, dass ich sechs Jahre in England war.

Ab 18 jeden Tag mit Steven Gerrard, Fernando Torres und Xabi Alonso trainiert

Peter Gulacsi

Wie konkret?
Ich war 17, habe zunächst ein Jahr lang in der Reserve gespielt, aber ab und an mit der ersten Mannschaft trainiert. Ab dem zweiten Jahr war ich komplett bei den Profis. Wenn man ab 18 jeden Tag mit Steven Gerrard, Fernando Torres und Xabi Alonso trainiert, lernt man von dieser extremen Qualität. Durch die Spielgeschwindigkeit, die diese Stars im Training gezeigt haben, konnte ich mich optimal entwickeln.

Waren Sie damals zu jung, um sich in Liverpool durchzusetzen?
In den ersten drei Jahren unter Cheftrainer Rafael Benitez und dem spanischen Torwarttrainer Xavi Valero hatte ich das Gefühl, dass meine Entwicklung richtig schnell voranging. Das hat auch Liverpool gemerkt, nach anderthalb Jahren habe ich einen neuen, langfristigen Vertrag bekommen. Als ,Rafa’ weg war, wurde dieser Weg schwieriger.

Warum?
Wir hatten viele Veränderungen im Verein, öfter neue Trainer und Torwarttrainer. Ich war vier Mal in die dritte und zweite Liga ausgeliehen, wo ich viel Erfahrung gesammelt und auch Fehler gemacht habe. Aus diesen Jahren habe ich viel mitgenommen. Mit 23 Jahren habe ich dann die Entscheidung getroffen, dass ich auf höchst möglichem Niveau bei einem Klub spielen will, bei dem ich das Vertrauen bekomme, die Nummer eins zu sein. Das war in Salzburg und Gott sei Dank zwei Jahre später hier in Leipzig jeweils der Fall.

Peter Gulacsi: „Ich bin kein sentimentaler Typ”

Ist es auch eine Genugtuung für Sie, jetzt im Achtelfinale der Champions League auf Liverpool zu treffen?
Klar ist es schön, mal zwei Champions-League-Matches gegen Liverpool zu bestreiten. Aber ich bin kein so sentimentaler Typ. Ich hätte auch nicht in Anfield gestanden und die Erinnerungen aus den sechs Jahren Revue passieren lassen oder mir Gedanken gemacht, was wäre passiert, wenn ... Nein, ich will mit RB Leipzig ein Spiel gewinnen und in der Champions League weiterkommen.

Bedauern Sie, nicht in Anfield an alter Wirkungsstätte spielen zu können?
So wie es gerade jetzt ist, nein. Zu Anfield gehören die 55.000 Zuschauer, die Stimmung, das „You’ll never walk alone“ vor dem Spiel. Von daher ist es nicht das Ende der Welt, ich hoffe aber, dass ich irgendwann nochmal die Gelegenheit haben werde, ein Spiel in einem vollen Anfield spielen zu können.

Stattdessen findet nun auch das Rückspiel in Ihrer Heimatstadt Budapest statt.
Das ist in diesem Fall normales Business für mich. Ich fliege mit RB Leipzig dorthin, bleibe im Hotel, spiele dort Fußball. Klar, ich kenne das Stadion ein bisschen besser als die anderen, aber ich hätte viel lieber in Leipzig und in Liverpool gespielt.

Gulacsi: „Werden uns nicht beschweren können nach den Duellen”

Welchen Einfluss hat es auf den Wettbewerb, dass nun beide Spiele im gleichen, neutralen Stadion stattfinden?
Wir haben dasselbe Spiel zweimal am gleichen Ort gegen den gleichen Gegner. Am Ende ist es schon eigenartig, wenn dann trotzdem die Auswärtstorregel greift. Aber es ist so, als würde man eine zweite, 90 Minuten lange Halbzeit spielen. Es wäre etwas anderes, wenn wir mit einem 0:2 nach Liverpool fahren müssten. Wir werden uns nicht beschweren können nach den Duellen: Wir hatten zwei Mal dieselbe Chance.

Betrachten Sie die Krise des FC Liverpool als Chance für RB?
Die Champions League ist immer etwas anders zu dem, was in der Liga passiert. Es ist ein bisschen wie Abschalten von der Meisterschaft. Von dem her hat die schwächere Phase der Liverpooler erstmal wenig Bedeutung. Aber klar, es gibt diese Phase und mental macht sich sowas schon bemerkbar. Wenn wir sofort gut da sind und in Führung gehen, kann das beim Gegner etwas bewirken.

Das Interview führten Martin Henkel und Ullrich Kroemer.

(RBlive/ukr/mhe)