RB Leipzig

Leipzig-Salzburg-Derby: Rune Bratseth hat moralische Bedenken

20.09.2018, 09:51
Trondheims Rune Bratseth sieht das Duell zwischen RB Leipzig und Red Bull Salzburg kritisch.
Trondheims Rune Bratseth sieht das Duell zwischen RB Leipzig und Red Bull Salzburg kritisch. imago

Zum ersten Mal treffen RB Leipzig und der FC Salzburg am Donnerstagabend in einem Pflichtspiel aufeinander. Vom Konkurrenten Rosenborg Trondheim kommen vor dem Spiel Bedenken hinsichtlich des gemeinsamen Red-Bull-Hintergrunds beider Klubs.

Rune Bratseth sieht mögliche Wettbewerbsverzerrung

„Wir haben kein gutes Gefühl“, erklärt das ehrenamtliche Vorstandsmitglied des norwegischen Vereins Rune Bratseth bei WDR Inside zur Situation in der Europa-League-Gruppe B. „Was passiert am vorletzten Spieltag und es brauchen beide einen Punkt? Dass man überhaupt den Verdacht hat, es könnte was passieren, ist nicht gut für die beiden Vereine.“

„Es ist klar, dass sie zusammenarbeiten“, erklärt der ehemalige Bremer Bratseth mit Verweis auf die Transfers beider Vereine. 17 Spieler mit Salzburger Vergangenheit gab es in den letzten Jahren bei RB Leipzig. Aktuell sind es noch sechs Spieler, die einst in Österreich und nun in Leipzig spielen. Der letzte Spieler, der von Salzburg zum deutschen Bundesligisten wechselte, war Konrad Laimer im Sommer 2017.


 

RB Leipzig gegen Red Bull Salzburg vom Gefühl her nicht richtig

„Auch wenn sie juristisch recht haben, heißt es nicht dass es moralisch und vom Gefühl her richtig ist“, fasst Rune Bratseth seine Gedanken zusammen. Und wird dabei von Jurist Thomas Dehesselles unterstützt. „Juristisch ist das alles klug gemacht und gut gelöst worden von den Klubs. Für Fans und Spieler ist es aber sehr unangenehm, dass zwei Klubs zwar nicht juristisch, aber gefühlt denselben Eigentümer haben“, verweist auch er auf den emotionalen Hintergrund der Debatte.

„Für die Fans ist es die gleiche Firma hinter den Mannschaften. Alles ist gleich, kein Unterschied. Es gibt viele Konflikte, die in einem europäischen Wettbewerb nichts zu suchen haben“, fügt Sport-Soziologe Arve Hjelseth hinzu. „Es geht nur noch ums Geld“, bekommt er dabei Unterstützung von einem Rosenborg-Trondheim-Fan. „Mit zwei Red-Bull-Klubs könnte es alle möglichen Fragen geben. Ist das noch Fußball? Der Sport und dessen Ideale werden verwässert.“

Leipzig und Salzburg betonen Eigenständigkeit – Ballesterer-Redakteur sieht Salzburg nicht unabhängig von Red Bull

Auf Seiten von RB Leipzig und Red Bull Salzburg hat man in den letzten Monaten immer wieder betont, dass beide Vereine entflochten seien. In Salzburg sei Red Bull nur noch Sponsor und hat entsprechend seine Unterstützung auf UEFA-konforme Höhen zurückgefahren. Jakob Rosenberg vom Magazin Ballesterer verweist aber darauf, dass bei den Österreichern auch andere Sponsoren aktiv sind, die eng mit Red Bull verknüpft sind und schließt daraus, dass der Red-Bull-Einfluss auf Salzburg weiterhin sehr groß ist. „Es werden in Salzburg keine Entscheidungen gegen den Hauptsponsor getroffen“, so Rosenbergs Einschätzung.

Ralf Rangnick hatte mögliche Bedenken nach der Auslosung der Europa-League-Gruppen zu zerstreuen versucht. „Die beiden Vereine wurden schon vor mehreren Jahren entflochten. Dass sie entflochten sind, kann man unschwer an der Entscheidung ablesen, dass beide im vergangenen Jahr international spielen durften”, verwies der Trainer und Sportdirektor von RB Leipzig auf die UEFA-Entscheidung vom letzten Sommer „Wenn man so will, ist es für uns ein Derby, in dem jeder beweisen will, dass er der Bessere ist“, wies er auch Unterstellungen der Wettbewerbsverzerrung für die Spiele gegen Salzburg zurück. „Da wird so viel Brisanz und Feuer drin stecken wie in kaum einem anderen Spiel. Das werden zwei sehr emotionale Spiele, in denen beide Mannschaften zeigen wollen, wie gut sie sind und dass sie gewinnen wollen.”