RB LeipzigRB Leipzigs Champions-League-Aus gegen Neymar und Co. - Was das 2:2 gegen Paris St. Germain für die Arbeit von Jesse Marsch bedeutet

Von Martin Henkel 04.11.2021, 13:31
War gegen Paris "on fire": RB-Trainer Jesse Marsch
War gegen Paris "on fire": RB-Trainer Jesse Marsch imago images/Picture Point LE

Jesse Marsch klang wie erkältet Mittwochabend nach dem 2:2 gegen RB Leipzig gegen Paris Saint-Germain, dem eine frühe Führung durch Christopher Nkunku, ein verschossener Elfmeter (Andre Silva), zwei Nackenschläge durch Georginio Wijnaldum (21., 39.) und der späte Ausgleich durch den zweiten Leipziger Strafstoß (Dominik Szoboszlai, 90.+2) vorausgegangen waren. „Wir machen uns das Leben selber schwer“, knarzte Marsch mit heiserer Stimme und lachte dabei sardonisch: „Das macht auch mein Leben schwer.“

Blass und schmal

Wie dieses Spiel dem US-Amerikaner zugesetzt hatte, war nicht zu übersehen. Neben der angeschlagenen Stimme wirkte der 47-Jährige mit seinen rotgeränderten Augen, als hätte er tagelang nicht viel geschlafen. Blass sah er zudem aus, auch schmaler.

Es dürften zuletzt Tage großer innerer Zerrissenheit für den 47-Jährigen gewesen sein, in denen nach dem späten Ausgleich in Frankfurt vergangenen Samstag Gerüchte aufgekommen waren, die Partie gegen PSG sowie die an diesem Samstag gegen den Tabellenzweiten Borussia Dortmund (18.30 Uhr) würden eine Art Galgenfrist markieren. Marsch wirkte bereits vor dem Duell mit den Franzosen abgekämpft, teilweise ratlos und resigniert.

Doch es gibt Zeichen von wiederkehrender Zuversicht, dass er das Team doch noch hinter sich, seine Arbeit und seine Vorstellungen versammeln kann. Nach dem 1:0 durch Christopher Nkunku (8.) setzte Marsch zu einer Jubelsäge an, die jedem Heavy-Metal-Gitarristen aus den Achtziger Jahren das Wasser gereicht hätte. Und auch in den Minuten danach blieb er „on fire“.

Mit leerem Blick im Unterstand

Als Silva in der 12. Minute den Elfmeter verschoss, pushte er sein Team, weiter dranzubleiben an den trägen Franzosen. Später nahm er das verpasste 2:0 auf seine Kappe, weil er Silva als einen der zwei Schützen benannt hatte. Er musste sich zudem gegen Schiedsrichter Andreas Ekberg zur Wehr setzen, der ein augenfälliges Faible für die Pariser Varieté-Fußballer zu haben schien. Es folgten schließlich die zwei Gegentreffer und eine lange Phase fruchtloser Bemühungen seines Teams, wieder zurückzukommen. Erst als Ekberg das Foul von Presnel Kimpembe an Nkunku überprüfte, saß Marsch mit leerem Blick in seinem Unterstand.

Der Ausgleich hauchte ihm aber wieder Leben ein. Marsch sagte später, dass dieses Remis ihn und RB nicht nur im Rennen um Rang drei und damit das Winterticket für die Europa League hält. „Entscheidend war vor allem unsere Leistung. Das war heute ein riesen Schritt für uns.“

Laimer: "Man hat gesehen, wie gut wir spielen können"

Es scheint sich langsam zu fügen. Auch wenn noch nicht alles funktioniert wie erhofft, so wirken Team und Trainer mehr und mehr wie eine Einheit. Die Leidenschaft ist da, die Abläufe scheinen klarer, die Rückkehr zur alten RB-Spielanlage endlich akzeptiert. „Es fehlt uns nur noch Konstanz und Belohnung“, fügte Konrad Laimer den Ausführungen seines Chefs hinzu.

Wie auch Kapitän Peter Gulacsi („Das war unsere bestes Saisonspiel“) meinte der Österreicher später, dass man zwar gern gewonnen hätte, „aber wie wir gespielt haben“, dies sei gerade die wichtigen Botschaft an alle Beteiligten, dass man sich zusammen „in die richtige Richtung“ entwickle. „Man hat heute gesehen, wie gut wir sein können", sagte er und fügte einen Zusatz an, der darauf schließen lässt, dass die Kabine in den vergangenen Wochen nicht unbeteiligt an den schwankenen Leistungen gewesen ist: "Wenn wir denn alle unsere Leistung auf den Platz bringen." (RBlive/hen)