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Von Ullrich Kroemer

Ohne grobe Schnitzer, angemessen nervös So verlief das Debüt von Ersatzkeeper Martínez

Machtlos bei den Gegentoren: Josep Martínez.

Machtlos bei den Gegentoren: Josep Martínez.

Ein Jahr lang hatte Josep Martínez auf diesen Nachmittag hingearbeitet. Umso bitterer war, dass die Premiere des Spaniers im Tor von RB Leipzig mit einem Gegentreffer in der Nachspielzeit endete (90.+2), der die Niederlage besiegelte. Bei beiden Treffern der Köpenicker war der 22-Jährige machtlos, weil seine Vorderleute (Yussuf Poulsen) erst einen Eckball nicht konsequent verteidigten und sich dann Sekunden vor dem Abpfiff durch einen Einwurf überrumpeln ließen und die Abwehr völlig unsortiert war.

Dafür, dass der letzte Einsatz des U21-Nationalspielers für seinen vorherigen Klub UD Las Palmas in der zweiten spanischen Liga fast ein Jahr her war, machte der Keeper seine Sache mit einigen sicheren Paraden und einem befriedigendem Gesamtauftritt ordentlich. Anders als sein Vorgänger Yvon Mvogo, der sich bei seinen wenigen Einsätzen immer auch deutlichere Patzer leistete, war Martínez grundsätzlich ein stabiler Rückhalt. Bei Peter Musas Schuss an den Pfosten war er zur Stelle und hätte die Fingerspitzen noch an den Ball bekommen, wenn dieser aufs Tor gekommen wäre (34.).

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Unsicherheiten beim Herausspielen und Fausten

Doch beim Herausspielen war ihm eine gewisse Unsicherheit anzumerken. Zu Beginn, aber auch anfangs der zweiten Hälfte hatte er Glück, als seine Pässe zu unpräzise gerieten oder gar in den Füßen der Gegner landeten (55.). Zwölf Fehlpässe (Quote: 72 Prozent) sind für einen Torhüter, der so viel mit flachen Pässen in den Spielaufbau eingebunden ist wie bei RB Leipzig zu viel. Zum Vergleich: Die große Konstante Peter Gulacsi bringt es auf 85 Prozent an akkuraten Pässen im Saisonschnitt. Zudem leistete sich Martínez zwei Unsicherheiten beim Fausten, als er nach einer Ecke mit einem Arm zu kurz abwehrte (22.) und einmal dem überraschten Marcus Ingvartsen direkt vor die Füße abwehrte (46.). Doch da wären natürlich auch die Abwehrspieler gefragt gewesen, die den Dänen allein gelassen hatten.

Zum Ende der Partie wurde Martínez dann wieder etwas hektischer, als ein Abwurf im Seitenaus landete. Kurz vor dem Siegtreffer der Unioner beschwerte er sich allerdings zu Recht bei Kapitän Marcel Sabitzer, weil der einen nicht ganz präszisen Ball ins Seitenaus trudeln ließ, anstatt die Kugel wegzuschlagen. Aus dem folgenden Einwurf resultierte das 1:2.

Kaum eine Chance gegen Platzhirsch Gulacsi

Martínez, 13. Bundesligadebütant unter Trainer Julian Nagelsmann bei RB, wird dennoch dankbar sein, dass er zumindest eine Bewährungsprobe in dieser Saison bekommen hat, weil Stammkeeper Gulacsi sich für die EM schonen und eine Kapselverletzung im Finger auskurieren durfte. Denn der sonst nie verletzte Ungar duldet normalerweise keine Arbeitsteilung, ist nie verletzt und bietet mit seiner außergewöhnlichen Konstanz und Klasse keinerlei Angriffsfläche. Es wird für Martínez so gut wie unmöglich, sich an Gulacsi vorbeizudrängen. Laut Kicker will er dennoch bei RB bleiben, und seine Chance suchen. Zunächst fährt er zur U21-EM. Doch auch beim Nachwuchs der Spanier sitzt er nur auf der Bank. (RBlive/ukr)