Das Geheimnis vom Cottaweg

Warum RB Leipzig noch immer keinen neuen Sportdirektor präsentiert hat

Von Ullrich Kroemer Aktualisiert: 04.06.2022, 13:53
Auch bei der Pokalparty verriet Oliver Mintzlaff nicht, wer neuer Sportdirektor bei RB Leipzig wird.
Auch bei der Pokalparty verriet Oliver Mintzlaff nicht, wer neuer Sportdirektor bei RB Leipzig wird. imago/motivio

Die Frage, wer neuer Sportdirektor beziehungsweise Sportchef bei RB Leipzig wird, ist in dieser Sommerpause das best gehütete Geheimnis am Cottaweg. Keiner der Verantwortlichen mag sich derzeit auf Anfrage zum Thema äußern. Es hat den Anschein, als wisse nur Klubchef Oliver Mintzlaff höchstpersönlich, wer der oder die Auserkorene ist. Dabei soll das Amt bereits zum Start ins Trainingslager am 10. Juli besetzt sein.

Dass bis Saisonende nichts nach außen drang, war ungewöhnlich, aber nachvollziehbar. Doch dass Mintzlaff die Personalie auch nach dem erfolgreichen Finale dieser Spielzeit weiter geheim hält, verwundert Mitarbeiter des Klubs ebenso wie Fans und Beobachter.

Bisher bekannt ist bisher nur, dass die „1-A-Plus-Lösung” (Mintzlaff) aus dem Ausland kommen wird und die Bundesliga bereichern werde. Dazu schloss Mintzlaff aus, dass es der Ex-Gladbacher Max Eberl wird. Mehr ist nicht bekannt.

Wird Michael Edwards noch einmal Thema?

Unklar ist auch, welche Position(en) RB eigentlich konkret sucht: einen Sportchef als Gesamtverantwortlichen für den sportlichen Bereich, der direkt unter Mintzlaff angesiedelt ist, und/oder einen Sportdirektor, der in der Hierarchie neben Christopher Vivell und Florian Scholz arbeitet? Im März hatte Mintzlaff angedeutet, dass eine Lehre aus den Fehlern der Vergangenheit sein könnte, einen Sportchef oberhalb der aktuellen sportlichen Leistung zu installieren. „Wir wollen und brauchen einen starken Sportdirektor, der Gesicht für den Verein werden soll. Aber ich habe auch nicht das Gefühl, dass wir aktuell im sportlichen Bereich lost sind”, hatte er damals gesagt.

Bereits im November hatte die Sport-Bild vermeldet, dass der in Liverpool scheidende Michael Edwards neuer Sportdirektor bei RB Leipzig werden soll. Das wurde dann eilig dementiert. Es soll hinter den Kulissen jedoch sehr wohl Gespräche gegeben haben, die dann nach Veröffentlichung der Meldung sehr schnell beendet wurden. Wahrscheinlich also, dass Mintzlaff nach dieser Erfahrung auch den inner circle bei RB nicht mehr einweihte, um kein Risiko einzugehen. Offenbar ist der Kandidat, der bereits in die Trainerauswahl von Domenico Tedesco eingebunden gewesen sein soll, noch bis zum 30. Juni unter Vertrag, sodass sein Engagement nicht eher verkündet werden kann.

Edwards, dessen Kontrakt am 30. Juni beim FC Liverpool endet, ist nach wie vor ohne neuen Arbeitgeber. Zuletzt war von einem Interesse aus Nizza die Rede. Nicht ausgeschlossen, dass man sich unter dem Siegel der Verschwiegenheit wieder annäherte. In jedem Fall würde einer wie Edwards, der gemeinsam mit Jürgen Klopp für Liverpools erfolgreiche Transferpolitik verantwortlich zeichnete, die Positionsbeschreibung für die Stelle als Sportchef im Hintergrund ideal erfüllen.

Mertesacker, Henry oder eine teil-interne Lösung: Spekulationen im Kosmos rund um RB Leipzig

Dann bräuchte es jedoch noch einen medial erfahrenen Sportdirektor, der die Rolle als Gesicht des Vereins übernehmen kann. Immer wieder fällt der Name Per Mertesacker, wenn man sich im Kosmos rund um RB über die Position unterhält. Der in London lebende ZDF-Experte hat Format, Gelassenheit und als aktueller Leiter des Nachwuchszentrums des FC Arsenal wäre der Sportdirektoren-Posten ein sinnvoller Schritt für ihn. Zudem hat er durch seine Frau Ulrike (geb. Stange), die Ex-Handball-Nationalspielerin und aus Oschatz bei Leipzig kommt, auch privat beste Beziehungen in die Messestadt.

Ein weiterer potenzieller Kandidat ist Thierry Henry. Der frühere Stürmer-Superstar arbeitete erfolglos als Trainer der AS Monaco und bei CF Montreal; es wäre denkbar, dass er ebenso wie Mario Gomez im internationalen Red-Bull-Team als Sportdirektor in der bestehenden RB-Struktur Erfahrung sammeln könnte. Der Ex-Red-Bull-New-York-Spieler hat gute Beziehungen zu Mintzlaff und RB und war bereits in der 2. Liga bei einer Partie zu Gast.

Möglich ist auch eine teilweise interne Lösung, bei der Chris Vivell zum Sportdirektor aufsteigen könnte und der gesuchte Sportchef mit viel Macht zum Strippenzieher im Hintergrund wird. Einen guten Monat hat Mintzlaff noch Zeit, dann muss er das Geheimnis lüften, wenn er seine Ansage aus dem Frühjahr einhalten will. Seit dem Abgang von Markus Krösche im Mai 2021 waren mehrfach Namen wie der von Ex-Nationalspieler Marcel Schäfer gehandelt worden, was dann jedoch scheiterte.

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