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Von Ullrich Kroemer, Thomas Fritz

„Gewisse Fußballmüdigkeit” Wie Fans und RB Leipzig in Corona-Zeiten interagieren

Leeres Rund: Viele Fans vermissen ihr „Schwimmbad”.

Leeres Rund: Viele Fans vermissen ihr „Schwimmbad”.

Wenn RB Leipzig an diesem Samstag den 1. FC Köln zum letzten Heimspiel dieses Pandemie-Jahres 2020 empfängt (15.30 Uhr), wird sich Jörn Kalbitz wieder mit seinen Freunden verabreden. Virtuell, versteht sich, zum gemeinsamen Fußballgucken via Zoom-Konferenz.

Public Viewing via Zoom und Heimspiel-Kick auf der Festwiese

Die Clique, alles Dauerkartenbesitzer seit Zweitliga-Tagen, sitzt bei Heimspielen normalerweise im Sektor D. Doch seit dem 10. März war keiner von ihnen mehr im Stadion. Seither schaut jeder das Spiel im TV oder als Stream im eigenen Wohnzimmer und tauscht sich nebenbei mit den Kumpels aus. „So ist wenigstens ein bisschen Emotionalität und Gemeinschaftsgefühl dabei”, sagt Theaterdramaturg Kalbitz. Stadionflair beschränkt sich derzeit auf das Hintergrundbild im Zoom-Chat: das Klubwappen und den Champions-League-Pokal, das Stadion mit roten Sitzen; wenigstens ein bisschen Atmosphäre.

Andere, wie ein Vater, der vor jedem Heimspiel auf der Festwiese mobile Tore aufbaut und mit seinen Kindern kickt, versuchen so, in Zeiten der Distanz zumindest ein bisschen Nähe zu aufrechtzuerhalten.

15 Heimspiele haben die meisten Anhänger von RB seit März verpasst; darunter so emotionale wie den 3:2-Triumph gegen Manchester United jüngst oder das 2:1 gegen Paris St. Germain. Wenn bald der FC Liverpool nach Leipzig kommt, werden die Ränge wohl auch verwaist bleiben müssen. Dazu die Auswärtspartien in Europas Fußball-Hauptstädten, zu denen viele Tausend Fans mitgepilgert wären. Seitdem aufgrund des Virus' keine Fans mehr zugelassen sind – unterbrochen von vier Heimspielen im Sommer, als jeweils 8500 beziehungsweise 999 Zuschauer in die Red-Bull-Arena durften –, erleben viele regelmäßige Stadiongänger ihren Klub wie unter einem Filter. „Das größte Gut, das wir in Bezug auf Fannähe haben – nämlich das Stadionerlebnis und das Zusammenspiel zwischen Mannschaft und Fans – fiel aufgrund der Einschränkungen in der Pandemie weg”, weiß auch RB Leipzigs Operations-Direktor Ulrich Wolter.

Fanverband von RB Leipzig: „Bereitschaft zur Mitarbeit sinkt”

Das macht sich auch unter den organisierten Fans bemerkbar. Zwar hängen bei jedem Heimspiel Fanclubbanner im leeren Stadion, aber Transparente mit Botschaften der Fans sucht man vergeblich. Beim Fanverband, Dachorganisation der organisierten Anhänger, beobachten die Verantwortlichen in einigen Offiziellen Fanclubs (OFC's) vermehrt Austritte. Das Interesse der Fans und Fanklubs am Austausch mit dem Verein sei zwar noch immer „groß, aber schwindend”, konstatiert Sebastian Horn, Sprecher des Fanverbandes, auf Anfrage. „Wir stellen eine gewisse Fußballmüdigkeit unter den Fans fest.”

Gerade bei jenen, „die sich viel abseits der Spieltage engagiert haben, sinkt die Bereitschaft zur Mitarbeit an perspektivischen Themen”, hat Horn beobachtet. Nicht verwunderlich, denn auch unter den RB-Anhängern gibt es Menschen, die gerade andere Probleme haben, als sich mit Fußball zu beschäftigen. Wenn die Fanbeauftragten um Leiter Torsten Hahmann von prekären Fällen erfahren, versuchen sie, über die RB-Netzwerke zu helfen.

So bot die Pandemie neben all den Einschränkungen und der Stadionauszeit auch Gelegenheit für intensiveren Austausch zwischen RB Leipzig und seinen Fans. Der Klub habe neue Wege einschlagen müssen und den Dialog mit Fanverband und Fanprojekt in den vergangenen Monaten verstärkt, betont Wolter, „um noch mehr auf unsere Fans eingehen zu können. Wir als Verein versuchen, gerade in diesen Zeiten, für unsere Fans da zu sein.” Oskar Gotter, Gründer und aktuell ehrenamtlicher Berater des größten Fanportals rb-fans.de, schätzt ein: „Die Kommunikation war in den letzten Monaten sehr gut, der Verein war wirklich engagiert und weiterhin gut für seine Fans erreichbar.”

RB-Direktor Wolter: „Wir vergessen unsere Fans nicht”

Zu allererst honorierten große Teile der Fanszene die Bemühungen von Wolter & Co., um wieder Fans im Stadion zuzulassen. Das Leipziger Hygienekonzept war bundesweit Vorbild. Der Verein nehme die Wünsche der Fans „ernst und rotiert, lotet alles aus, was dazu führen kann, wieder Fans ins Stadion zu lassen”, lobt Gotter (40). RB war einer der ganz wenigen Klubs bundesweit, bei der sogar Teile der ultraaffinen Szene den Restart im Frühjahr unterstützten. Wolter betont, dass der Verein gemeinsam mit Fanverband, aktiver Fanszene und Fanprojekt an der Fan-Rückkehr gearbeitet habe. „Wir wollen als Verein zeigen, dass wir unsere Fans nicht vergessen und sie ein extrem wichtiger Teil des Vereins sind und bleiben“, sagt der dienstälteste RB-Funktionär.

So fanden in den vergangenen Monaten regelmäßig Videokonferenzen mit je zwei Vertretern jedes der 62 Offiziellen Fanclubs (OFC's) statt; Mitte Dezember zeigte RB via YouTube-Kanal eine virtuelle Weihnachtsfeier, bei der neben Geschäftsführer Oliver Mintzlaff und Trainer Julian Nagelsmann auch die Spieler Yussuf Poulsen und Lukas Klostermann anwesend waren. Etwa 1.000 Fans schauten live oder im re-live zu.

Zudem erhielten alle OFC's ein spezielles Trikot, das entweder Repräsentant Perry Bräutigam im Freien übergab oder das per Post kam. „Wir wollen bei allen Einschränkungen ein anfassbarer und fannaher Verein bleiben – dies wissen und leben vor allem auch unsere Spieler und beteiligen sich an zahlreichen Aktionen”, betont Florian Scholz, kaufmännischer Leiter Sport. „Sobald wir dürfen, werden unsere Spieler direkt wieder in den persönlichen Kontakt mit Fans treten.”

Bessere Kommunikation, aber RB Leipzig fehlen zwei Fanbeauftragte

„Die Kommunikation mit dem Verein funktioniert vor allem in die jeweiligen Fachabteilungen besser als noch vor einem Jahr”, sagt auch Fanverbands-Sprecher Horn. Auch ein Verdienst des gebürtigen Münsteraners Hahmann, der das Team der Fanbeauftragten seit einem guten Jahr leitet und mit seiner westfälischen Art Ruhe in die Problem-Abteilung gebracht hat.

Zur Entwicklung der Fanabteilung bei RB etwa, die seit der Kündigung von Axel Ackermann seit Sommer nur noch drei feste Mitarbeiter sowie drei geringfügig Beschäftigte hat, soll es in Kürze einen Termin mit Klubboss Oliver Mintzlaff geben, der das Thema nach Fan-Protesten im Frühjahr 2019 zur Chefsache erklärt hatte. Wegen der aktuellen Einsparungen stellt RB Leipzig gerade generell keine neuen Mitarbeiter ein – von Spielertransfers einmal abgesehen. Doch mittelfristig soll am besten eine Frau den vierten Posten besetzen. Geplant und von Mintzlaff versprochen sind sogar fünf hauptamtliche Fanbeauftragte. Einer davon könnte perspektivisch auch Ex-Capo Sebastian sein, der aktuell ehrenamtlich mithilft.

Generell sieht der Fanverband Potenzial bei der Kommunikation mit RB „im proaktiven Handeln des Vereins. Bisher ist es noch immer so, dass die Fanvertretungen wie Fanszene Sektor B und Fanverband ihre Expertise anbieten müssen, um Gehör zu bekommen”, sagt Horn. „Wir würden uns wünschen, dass der Verein diese Institutionen von vornherein in fanspezifische Entscheidungsprozesse mit einbezieht.” Fan-Themen, wie eine Arbeitsgruppe zur Gestaltung des Stadionumfelds oder des geplanten neuen Fanhauses, gibt es auch in Corona-Zeiten genug.

Es sieht also danach aus, als hätten RB und seine Fans die unfreiwillige Pause so gut es eben gerade geht dafür genutzt, um die Verbindung eher zu stärken, als abreißen zu lassen und gegen die Fußballmüdigkeit bei einigen anzuarbeiten. Doch Jörn Kalbitz und seine Zoom-Clique werden wohl noch ein paar Hintergrund-Bilder platzieren müssen, ehe sie wieder richtiges Stadionflair spüren können. „Auf das erste Spiel im vollen Stadion freue ich mich ungemein”, sagt der Mittvierziger. „Das wird sogar noch emotionaler als der erste Bundesligasieg gegen Dortmund.” (RBlive/ukr/fri)