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Von Martin Henkel

Trefferflaute im RB-Sturm Julian Nagelsmann: "Ist mir egal"

Alexander S├Ârloth und Gladbachs Yann Sommer (r.)

Alexander S├Ârloth und Gladbachs Yann Sommer (r.)

Donnerstag kommt Timo Werner zur Nationalmannschaft. Weil die gerade in Leipzig weilt, bedeutet das f├╝r den St├╝rmer des FC Chelsea, der alten Heimat eine Visite abzustatten. Vier Jahre war er Profi bei RB Leipzig.

S├Ârloth und Kluivert noch ohne Treffer

Im Sommer wechselte er in die Premier League. Im Gepr├Ąck: 34 Treffer und 13 Vorlagen. Kaum zu ersetzen, wie Nagelsmann die Folgen des Abgangs schon oft beschrieb, den der Verein mit dem Zukauf von Alexander S├Ârloth, Hee-chan Hwang und Justin Kluivert versucht hat, auszugleichen.

Mit m├Ą├čigem Erfolg bislang. Von den 21 Pflichtspieltreffern bislang ging nur einer auf das Konto eines Neuen: Hee-chan Hwang. Der S├╝dkoreaner traf beim Saisonauftakt im DFB-Pokal gegen N├╝rnberg (0:3). ├ťberhaupt erzielten Leipzigs St├╝rmer in der Summe erst vier Tore: die drei anderen Treffer markierte Yussuf Poulsen.

Ein Problem, eine Krise gar? Nein, sagt der Trainer! "Mir ist mir egal, wer die Tore schie├čt", sagte Nagelsmann unl├Ąngst. "Hauptsache wir treffen." In der Regel sind das seine Mittelfeldspieler und Verteidiger. Elf Sch├╝tzen sind es bislang, dabei treffen sogar die aus dem Mittelfeld weniger als die Kollegen aus der letzten Reihe: Dani Olmo hat bis dato noch gar kein Tor erzielt, Christopher Nkunku erst eines. Amadou Haidara hat zwei Treffer auf dem Konto ebenso Marcel Sabitzer, bei Emil Forsberg sind es drei.

Mit Tricks in den Hinterhof

Dagegen stehen f├╝nf Treffer von Linksverteidiger Angeli├▒o sowie jeweils ein Tor von Marcel Halstenberg, Willi Orban, Ibrahima Konat├ę und Dayot Upamecano. Macht ein Verh├Ąltnis von neun zu acht.

Das hat nicht nur mit den Problemen der Neuen zu tun, die wie Hwang und S├Ârloth noch sichtbare Schwierigkeiten haben, sich an das vom Trainer vorgegebenen Spiel anzupassen. Es liegt auch an Leipzigs Spielweise. Meist stehen die Gegner tief, das hei├čt f├╝r RB, aus dem R├╝ckraum und mit Tricks in die Hinterh├Âfe der Kontrahenten gelangen zu m├╝ssen. St├╝rmer klassischen Zuschnitts fungieren dabei eher als Tor├Âffner, Verteiler oder erste Verteidiger.

"Das ist kein Problem", sagt Nagelsmann. "St├╝rmer sind auch dazu da, um Mittelfeldspieler in Szene zu setzen. Unsere Sto├čst├╝rmer sind eher Wandspieler, die B├Ąlle festmachen und ablegen. Wir spielen sehr oft mit vier bis f├╝nf Mittelfeldspielern. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mittelfeldspieler trifft, ist viel h├Âher.ÔÇť

Nagelsmann und die "falsche Neun"

Wenn der 33-J├Ąhrige ├╝berhaupt mit einem klassischen St├╝rmer spielen l├Ąsst, dann aktuell mit Yussuf Poulsen. Zehn Mal bislang: Drei Tore schoss der D├Ąne, zwei legte er auf. 

In dieser Form erinnert das Spiel unter Nagelsmann immer mehr dem des FC Barcelona unter Pep Guardiola, der am Ende seiner Amtszeit 2011/2012 wenn ├╝berhaupt, dann auch nur mit einer Spitze agierte: meist David Villa, vom Typ her auch eher Mittelfeldspieler. Oder gar keinen St├╝rmer aufbot.

Die falsche Neun, bereits in den F├╝nfzigern bei den Ungarn und in die Siebzigern bei den Niederlangen praktiziert, wurde von Guardiola reaktiviert. Ein Mittelst├╝rmer, der keiner ist, sondern nur so tut, um R├Ąume f├╝r die weiter hinten postierten Kollegen zu rei├čen, den Gegner zu t├Ąuschen oder selbst aus der Tiefe zu kommen. Lionel Messi ist der gr├Â├čte Meister dieser Rolle.

Bei RB erlebt man eine Rennaissance dieses Spielertyps. Zuletzt wechselten sich Emil Forsberg und Dani Olmo in dieser Rolle ab. Aus der Not heraus geboren, weil Werners L├╝cke noch nicht nachbesetzt ist, aber auch mit purer Absicht. Dass Leipzigs St├╝rmer deshalb (noch) nicht treffen wie gew├╝nscht, ist relativ. (RBlive/hen)