RB Leipzig

„Klare Fehlentscheidung”: Diskussionen um Blitz-Platzverweis bei RB Leipzig gegen Hertha

Von Ullrich Kroemer 24.10.2020, 20:05
Der drittschnellste Platzverweis der Bundesliga-Historie für einen Einwechsler: Deyovaisio Zeefuik.
Der drittschnellste Platzverweis der Bundesliga-Historie für einen Einwechsler: Deyovaisio Zeefuik. imago/Jan Hübner

So schnell musste ein eingewechselter Spieler in 57 Jahren Bundesliga-Geschichte den Platz selten wieder verlassen. Es dauerte nur vier Minuten und 26 Sekunden bis Herthas Neuzugang Deyovaisio Zeefuik beim 2:1 (1:1)- Sieg von RB Leipzig gegen Hertha BSC nach zwei rüden Fouls an Christopher Nkunku die Gelb-Rote Karte sah (50.). Es war der drittschnellste Platzverweis nach einer Einwechselung in der Bundesliga-Geschichte.

Keeper Schwolow: „Fehlentscheidung hat unser komplettes Spiel über den Haufen geworfen”

Eine Entscheidung, die kontrovers betrachtet wurde. Herthas Trainer Bruno Labbadia, der wegen Monierens von Referee Tobias Stieler eine Gelbe Karte gesehen hatte, mochte sich zwar nicht dazu äußern. „Was den Schiedsrichter betrifft, habe ich mir fest vorgenommen, dazu nichts zu sagen”, sagte Labbadia nur.

Keeper Alexander Schwolow hingegen machte seinem Ärger auch öffentlich Luft: „Die Gelb-Rote Karte tut schon richtig weh. Das ist eine klare Fehlentscheidung, die unser komplettes Spiel über den Haufen geworfen hat”, schimpfte der Berliner Torhüter am Sky-Mikrofon.

Nagelsmann: „Man kann die Gelb-Rote Karte geben”

RB-Trainer Julian Nagelsmann sah das anders. „Aus meiner Sicht kann man die Gelb-Rote Karte geben. Es ist natürlich unglücklich, dass es die ersten beiden Aktionen sind”, sagte der Leipziger Chefcoach und führte aus: „Das zweite Foul passiert bei einem mega Tempo. Christo ist eigentlich vorbei, und er trifft ihn oben und unten am Fuß. Und beim ersten Foul ist er ihm mit dem gestreckten Bein aufs Sprunggelenk gestiegen. Das ist nach Regelkunde eine Gelbe Karte.”

Doch auch in Überzahl tat sich RB lange schwer, bis Jhon Cordoba ein plumpes Foul an Verteidiger Willi Orban im Strafraum leistete und Stieler zu Recht auf Strafstoß für RB entschied (77.). „Das hat Willi gut gemacht, als er da durchgebrochen ist. Das war schon wichtig”, lobte Nagelsmann.

Stieler nahm Rot gegen Ngankam zurück, Labbadia „sehr enttäuscht”

Kurios: Kurz vor Schluss zückte Stieler erneut Rot – diesmal glatt – gegen den ebenfalls eingewechselten Jessic Ngankam, der Angeliño hart foulte (90.+2). Der Stürmer war erst acht Minuten auf dem Platz gewesen. Doch Stieler sah sich die Szene noch einmal an, nahm die Rote Karte zurück und zeigte Ngankam Gelb.

Labbadia war nach der Partie sichtlich und hörbar angefressen. „Heute wäre hier sogar mehr als ein Punkt möglich gewesen, wenn es länger 1:1 gestanden hätte. Wir sind sehr enttäuscht über den Ausgang des Spiels.” (RBlive/ukr)