RB Leipzig

Mehr Dribblings wagen: Was RB Leipzig offensiv gerade fehlt

Von Ullrich Kroemer 25.11.2020, 17:00
Umringt von drei Spielern: Christopher Nkunku gegen seinen Ex-Klub Paris St. Germain.
Umringt von drei Spielern: Christopher Nkunku gegen seinen Ex-Klub Paris St. Germain. imago/PanoramiC

Sicher, dass RB Leipzig in Paris Beton würde durchbrechen müssen, war in der Form nicht abzusehen gewesen. PSG stand so tief und vielbeinig um den eigenen Sechzehnmeter-Raum herum, als habe es RB mit dem FC Augsburg oder Eintracht Frankfurt zu tun. Nur, dass das Pariser Starensemble konsequenter, kompromissloser und fehlerloser verteidigte.

Über 90 Minuten hinweg brillierte RB in Sachen Balleroberung und Spielbeherrschung. Paris fand offensiv nicht statt. Doch sobald das Tor in der Nähe war, gab es für Dani Olmo, Christopher Nkunku und Kollegen gegen Marquinhos & Co. kaum ein Durchkommen. Als es darum ging, Überraschungen zu erzeugen, kam von der Kreativabteilung der Leipziger zu wenig.

Einmal spielte Dani Olmo Emil Forsberg frei (45.), das andere Mal war Nordi Mukiele bis zur Grundlinie durchgestoßen und flankte ins Zentrum, wo erst Yussuf Poulsen den Ball und dann Forsberg das Tor knapp verfehlte (49.). Darüberhinaus boten sich nur Distanzschüsse. „Wir sollten uns darum kümmern, wie wir gegen solche Gegner ein Tor schießt – gerade angesichts der Überlegenheit ist das ratsam”, sagte Trainer Julian Nagelsmann.

Nagelsmann: „Freilaufverhalten nicht perfekt”

Als Grundproblem machte er aus, dass sich die Offensivspieler zum einen zu wenig und zum falschen Zeitpunkt freiliefen. Und zum anderen zu wenig Dribblings wagten. „Gegen einen so tiefen Gegner hast du viele Eins-gegen-eins-Situationen im letzten Drittel, die du gewinnen musst, um Überzahl zu schaffen”, sagte der 33-Jährige. „Wir haben es viel mit Pässen und guter Struktur probiert, aber unser Freilaufverhalten ist dann in Timing und Geschwindigkeit nicht immer so perfekt, dass man mehr Räume kreiert.”

Wenn das über das Passspiel nicht so perfekt gelingt wie etwa im Viertelfinale der Vorsaison gegen Atlético Madrid fordert Nagelsmann, dass „Eins-gegen-Eins-Situationen mit viel Dynamik gelöst werden, um in der nächsten Ebene Überzahl zu erzeugen. Das machen wir insgesamt zu wenig”, sagte er.

Heißt: Die kreativen Spieler müssen sich mehr Einzelaktionen zutrauen. Die Fähigkeiten dazu haben Dani Olmo, Emil Forsberg und Christopher Nkunku. Doch Olmo scheiterte in fünf Versuchen fünf Mal beim Dribbling, Forsberg und Nkunku probierten es gar nur ein- beziehungsweise zweimal. 

RB Leipzig fehlt aktuell ein Torjäger

Dazu kommt, dass es derzeit keinen Torjäger bei Rasenballsport gibt, der verlässlich trifft. Weil Alexander Sörloth und Hee-chan Hwang bislang noch nicht einmal angedeutet haben, dass sie weiterhelfen können, gibt es auf der Position aktuell eine Vakanz. Zu Saisonbeginn konnte die Angeliño ausfüllen, doch der Spanier ist wegen der Defensivsorgen stärker hinten gebunden. Aufgrund der Verletzungsprobleme in der Hintermannschaft, fehlen Trainer Nagelsmann die taktischen Varianten auch in der Offensive. So fällt nun stärker ins Gewicht als zu Saisonbeginn, dass die Torjäger Timo Werner und Patrik Schick aktuell fehlen.

So gilt es für Nagelsmann und seinen Trainerstab einerseits, Sörloth, Justin Kluivert und Hwang so schnell wie möglich in eine konkurrenzfähige Verfassung zu versetzen. Und andererseits Nkunku & Co. mehr dazu zu ermutigen und daran zu feilen, ihre individuelle Klasse einzusetzen. Doch das ist angesichts fehlender Trainingsmöglichkeiten durch den überstrapazierten Terminkalender kaum zu leisten. (RBlive/ukr)