RB Leipzig

Nervenkitzel auf dem Bierdeckel: Die Spieler von RB Leipzig nach dem 4:3 bei Basaksehir in der Einzelkritik

Von Martin Henkel, Ullrich Kroemer 03.12.2020, 10:00
Auf dem Weg zum 4:3: Alexander Sörloth
Auf dem Weg zum 4:3: Alexander Sörloth Imago/Seksim Photo

So haben wir die Spieler von RB Leipzig beim spektakulären 4:3 (2:1) in Istanbul gesehen:

Peter Gulacsi: Ein undankbares Spiel für einen Torhüter. Gulacsi konnte sich ein einziges Mal auszeichnen, als er Demba Bas Schuss glänzend mit den Fingerspitzen parierte (37.). Alle anderen gefährlichen Schüsse auf sein Tor waren drin. Der Ungar war jeweils machtlos, weil seine Vorderleute pennten und Dreifach-Torschütze Irfan Can Kahveci einen Sahnetag erwischte, etwa beim Freistoß zum 3:3, den er über die Mauer hinweg perfekt unter die Latte setze. Die Passquote des RB-Keepers (64 Prozent) war ausbaufähig Note: 2,5.

Nordi Mukiele: Vor allem in der ersten Hälfte ein perfektes Spiel des Rechtsverteidigers, der die meisten Ballkontakte aller Leipziger hatte. Offensiver, mutiger, effektiver nutzte der Franzose die Räume selten. Bereitete zwei Großchancen für Emil Forsberg vor (3., 61.) und war mit vier Torschüssen gefährlichster „Stürmer” bei RB. Hatte in der 4. Minute das 1:0 auf dem Kopf und erzielte dann per eher ungewolltem Aufsetzer sein erstes Europapokaltor (43.). Wird immer wichtiger für die Nagelsmann-Elf, hat in dieser Saison nochmal einen echten Leistungsprung gemacht. Note: 1,5.

Ibrahima Konaté: Schwieriges Spiel für die Innenverteidiger. Die türkischen Stürmer ließen sich wenig auf direkte Duelle ein und entzogen sich den Leipziger Abwehrhünen. Bei Demba Bas Chance zu passiv. Vor dem 3:3 ließ sich „Ibou” Konaté zu einem unnötig ungestümen Foul an Demba Ba hinreißen und wurde dafür von Trainer Julian Nagelsmann kritisiert. Note: 3.

Dayot Upamecano: Hatte wieder ein paar Leichtsinns-Wackler im Spielaufbau dabei, einer hätte in der 82. Minute um ein Haar zum 3:3 geführt. Derzeit nicht auf seinem höchsten Niveau. Note: 3.

Angeliño: Die Stärken des Spaniers liegen in der Offensive. Wie er das 3:1 per Außenrist vorbereitete, war außergewöhnlich. Bereitete auch gefährlich für Mukiele vor (30.) und hatte selbst eine gute Abschlusschance (60.). Aber nicht so präsent wie in seiner offensiveren Rolle. Hatte in der Abwehr ein paar Schnitzer drin, ließ Kahveci vor dem 2:3 viel zu viel Platz zum Abschluss. Note: 2,5.

Kevin Kampl: Ist der ballsicherste Leipziger, doch ihm fehlt wie schon in den letzten Spielen die Zielstrebigkeit, die etwa Marcel Sabitzer in diesem Spiel hatte. Musste nach 45 Minuten passen, weil er beim Ballholen auf der glitschigen Spielfeldumrandung weggerutscht war und sich die Adduktoren gezerrt hatte. Note: 3,5.

Marcel Sabitzer: Sehr reife Partie des Kapitäns. Hielt Abwehr und Offensive zusammen, besaß viel Ruhe am Fuß und im Gemüt, was abstrahlte. Erzielte den wichtigen ersten Treffer. Am ersten Gegentor hatte aber auch der Anführer übersehen, dass Kahveci bei der Ecke völlig ungedeckt aus dem Rückraum heranspurten und einnetzen konnte. Note: 2,5.

Amadou Haidara: Mittlerweile eine feste Größe im Team des Trainers. Bringt viel Brust-raus-Mentalität ins Team. Hielt zusammen mit Mukiele die rechte Seite dicht, organisierte bei eigenen Angriffen die Restfeldverteidigung oder war selbst an den Attacken beteiligt. Baute aber mit Beginn der 2. Hälfte wie viele seiner Kollegen zeitweise ab. Hatte in der 21. Minute eine Einschussmöglichkeit nach Ecke, traf aber mit seinem Schuss den Kollegen Konaté. Note: 3.

Dani Olmo: Nicht viel zu sehen vom Spanier bis zu seinem Treffer zum 3:1. Der Beweis, dass er tatsächlich an der mythischen Nachwuchsschule La Masía in Barcelona ausgebildet wurde. Ein Schlenker auf dem Bierdeckel – und drin war der Ball. Note: 2,5.

Emil Forsberg: Dass der Schwede gegen Basaksehir nicht getroffen hat, ist ein Rätsel. Er hatte zwei Chancen auf dem Fuß, deren Potenzial bei „tausend Prozent“ lag. Die erste nach drei Minuten, Forsberg stand allein am Elfmeterpunkt und schob den Pass von Mukiele vorbei. Die zweite in der 61. Minute, wieder nach Pass von Mukiele: Der Schwede nahm den linken statt den rechten Fuß und schob den Ball erneut knapp ins Toraus. Diesmal aus einem halben Meter. Unabhängig davon: einer der besten Spieler auf dem Feld. Note: 2.

Yussuf Poulsen: Blieb wie auch Forsberg aus sehr mysteriösen Gründen ohne Treffer. Hatte in der 12. Minute das 1:0 auf dem Fuß, seine Freistoßabnahme landete aber beim Torwart wie seine zweite Chance, eine abgefälschte Hereingabe am langen Pfosten (79.). War ansonsten als Ballansauger, Scharnier sowie erster Verteidiger gefragt und spielte seinen Part gewohnt gut. Note: 2,5.

Tyler Adams (46.): Gab es einen Zusammenhang zwischen der Einwechslung des US-Amerikaners für Kevin Kampl und dem Erstarken des Gegners? Fußball ist Teamsport, dennoch war die Koinzidenz auffällig. Hatte nicht seinen besten Tag, vor allem, was das planvolle Anlaufen und Decken des Gegners anbetrifft. Note: 3.

Alexander Sörloth (66.): Kam für Forsberg und erlebte die verrückteste Phase der Partie hautnah mit, der er mit seinem Schuss zum 4:3 die Krone aufsetzte. Ein Treffer wie aus dem Drehbuch einer Babelsberg-Schmonzette. Das entscheidende Tor. Das erste für seinen neuen Klub nach zuvor zehn torlosen Auftritten. Und in der Türkei erzielt, wo er vorige Saison Torschützenkönig gewesen war. Sein Coach hofft, das löse jetzt die Brust. Q.e.d. Note: 2,5.

(RBlive/ukr/hen)

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