Übersicht Zu viel Diomande, zu wenig Pressing, Klopp verprellt: Die Vorwürfe gegen Werner
RB Leipzig steht trotz Rückkehr in die Champions League offenbar vor einem Trainerwechsel. RBlive hat die wichtigsten Kritikpunkte an Ole Werner gesammelt – und sie analysiert.

Leipzig - Heute soll Ole Werner aus seinem Urlaub zurückkehren. Der Trainer von RB Leipzig war dem Vernehmen nach mit dem Rucksack in Malaysia unterwegs. Vielleicht ja weit weg von dem Gewitter, das sich da in den vergangenen Tagen über ihm zusammengebraut hat.
Abrechnung über Medien
Kaum war der 37-Jährige nach Asien entschwunden, lancierte das Global-Soccer-Beraterteam um Jürgen Klopp mit Martin Demichelis einen Nachfolger. Und es begann über ausgesuchte Medien mit der Arbeit des erst vor einem Jahr installierten Trainers abzurechnen, der sein Team nach einer Katastrophen-Saison auf Rang drei und damit zurück in die Champions League geführt hat. RBlive hat die Vorwürfe zusammengetragen:
Zu wenige Punkte für so viel Trainingszeit
Werner musst nur zwei Wettbewerbe spielen, Liga und Pokal. Im Pokal schied sein Team im Viertelfinale gegen den späteren Sieger FC Bayern aus. Das Ende der Liga ist bekannt. Den klubinternen Punkterekord (67) verpasste Werner um nur zwei Zählern. Und das mit einem Kader, den er vom gewohnten 4-2-2-2 bzw. 4-2-3-1 auf das von Klopp geforderte 4-3-3 umstellen musste. Sein Team durchlief zudem das dritte, große Umbruchjahr mit – wieder einmal – sechs neuen Spielern. Und Werner musste nach dem Abgang von Xavi Simons, Benjamin Sesko und Lois Openda ohne besonderen Topspieler auskommen. Gleichzeitig hat er mit 20 Siegen den alten Rekord aus 16/17 und 22/23 eingestellt. Auch in der Premierensaison war RB nur in der Liga und im Pokal aktiv gewesen. Und der Kader der Saison 22/23 war mit Dani Olmo, mit Josko Gvardiol, mit Christopher Nkunku, Dominik Szoboszlai oder Emil Forsberg der beste der RB-Geschichte.
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Sechs Mal gezittert
Zu wenige Siege gegen Topteams
Schaut man auf die Abschlusstabelle, hat Werner gegen die besten Teams tatsächlich nur acht Punkten geholt. Es hagelte zwei deftige Pleiten gegen die Bayern (1.), es gab zwei Remis gegen den BVB (2.), einen Sieg, eine Niederlage gegen Stuttgart (4.), einen Sieg und eine Niederlage gegen Hoffenheim (5.) und zwei Niederlagen gegen Leverkusen.
Zu viel Abhängigkeit von Yan Diomande
Das Flügelspiel in den Vordergrund der Offensive zu stellen, ist typischer Ole-Werner-Stil und war vom Klopp-Team auch gefordert worden. Noch im März sagte Werner: "Ich glaube, wir kommen der Art und Weise, wie wir Fußball spielen wollen, näher.“ Anfangs setzten Antonio Nusa und Johan Bakayoko den neuen Ansatz um, kurze Zeit später Diomande, Nusa und im Wechsel Brajan Gruda und Bakayoko. Vor allem Diomande erwies sich als Entdeckung. Nicht anders, als es Lamine Yamal beim FC Barcelona vor zwei Spielzeiten gewesen ist, über den ebenfalls ein Großteil der Angriffe beim spanischen Meister läuft. Außergewöhnliche Fähigkeiten zu nutzen, ist keine Schwäche, sondern ein Gebot der Vernunft.
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Zu viele Zittersiege gegen schwächere Gegner
Das Werner-Team gewann bei zwei Remis zehn von zwölf Partien gegen die sechs schwächsten Teams St. Pauli, Heidenheim, Wolfsburg, Bremen, Köln und den HSV. Sechs davon waren Siege mit einem Tor Vorsprung. Teams aus dem unteren Tabellendrittel stehen allerdings in der Regel tief, Kantersiege sind deshalb häufig die Ausnahme.
Zu wenig Intensität
RB unter Werner hatten mit 12,7 den höchsten PPDA-Wert der RB-Geschichte. PPDA beschreibt, wie viele Pässe ein Gegner spielen darf, bevor eine Mannschaft aktiv Druck ausübt. Je niedriger der Wert, desto aggressiver das Pressing. Zum Vergleich: In der zweiten Saison unter Julian Nagelsmann (20/21) lag der Wert bei knapp neun. Aggressives Pressing gehört aber zur DNA des Klubs, und hat auch immer Teams von Jürgen Klopp ausgezeichnet. Hier könnte einer der Hauptkritikpunkte an Werner liegen.
Kein Entwicklungsrisiko
Keine Entwicklung von Talenten
Angeblich soll Werner teures Personal vernachlässigt haben: Andrija Maksimovic (14 Mio. Euro, Roter Stern Belgrad), Conrad Harder (25 Mio., Sporting Lissabon) oder Johan Bakayoko (18 Mio., PSV Eindhoven). Maksimovic, 19, bekam zehn Einsätze bzw. 108 Spielminuten. Der junge Serbe agiert aber als Ballverteiler im Offensivzentrum, also dort, wo RB-Spielmacher Christoph Baumgartner zu Hause ist. Da Red Bull die Rückkehr in die Champions League erwartete, ging Werner wenig Entwicklungsrisiko und vertraute seinem Stammpersonal.
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Harder 21, bekam 32 Einsätze bzw. 1048 Minuten. Der Däne schoss drei Tore, bereitete drei vor, war aber nie besser als der gesetzte Romulo im Ein-Mann-Sturm. Bakayoko, 23, war Klopps Königstransfer. Der Belgier bekam 22 Einsätze bzw. 892 Minuten von Werner. Anfangs war er gesetzt, verlor seinen Stammplatz aber an Shootingstar Yan Diomande und war vor allem während der Rückrundenvorbereitung fast zwei Monate verletzt. Als dann auch noch der gewandte Brajan Gruda zum Kader stieß, geriet der Linksfuß ins Hintertreffen. Gründe, Gruda, Nusa oder Diomande auf der Bank zu lassen, gab es in der Rückrunde nicht mehr.
Auf Distanz zu Klopp
Abgekühltes Verhältnis zu Klopp
Zu Beginn der Saison sang Werner Hymnen auf das Verhältnis zum prominenten Red-Bull-Fußballchef, der ihn ja selbst geholt hatte. Erst auf zwei Absetzungsversuche durch Klopp im Spätherbst und Frühjahr dürfte der 37-Jährige mit nachvollziehbarer Distanzierung reagiert haben. Trotzdem betonte der Coach noch im März "den engen Austausch". Trotzdem, ein Untertan ist der Kieler jedenfalls nicht, allemal das Verhältnis eines Bundesligatrainers zu einem Berater ohnehin weniger Priorität genießen sollte, als das zu seinem Team.
Fazit
Werner kann sich wenig vorwerfen lassen. Er hat geliefert: Hat das Team aus der Krise geführt, er hat Spieler wie Baumgartner, Diomande, Max Finkgräfe, Assan Ouedraogo oder selbst El-Chadaille Bitshiabu entwickelt. Und er hat vor allem persönlich einen Sprung von Kiel über Bremen nach Leipzig gemeistert, der andeutet, dass noch mehr Entwicklung in ihm steckt. Wohl aber nicht mehr bei RB.