RB Leipzig

„Achim muss das erstmal sacken lassen”: Beierlorzer muss Co-Trainer-Posten bei RB Leipzig für Tedesco-Vertrauten Urwantschky räumen

Von Ullrich Kroemer 09.12.2021, 17:34
Am Dienstag coachte er noch Pep Guardiola aus, am Donnerstag wurde er bei RB Leipzig entlassen: Achim Beierlorzer.
Am Dienstag coachte er noch Pep Guardiola aus, am Donnerstag wurde er bei RB Leipzig entlassen: Achim Beierlorzer. imago images/Revierfoto

Achim Beierlorzer hat in den vergangenen Wochen bei RB Leipzig ziemlich an Renommee gewonnen. Erst schlug das Team unter seiner Regie Brügge mit 5:0, dann moderierte er die schwierige Situation nach der Entlassung von Jesse Marsch so gut, dass das Team gegen Manchester City auch wieder als ein solches auftrat und fand eine gute Balance mit Phasen des Ballbesitzes. „Achim und Marco haben das sehr gut gemacht”, lobte Kevin Kampl. Beierlorzer ließ durchblicken, dass er gern im Trainerteam weiterarbeiten und seinen zwei Jahre dauernden Vertrag erfüllen wolle. „Es gibt keine persönlichen Eitelkeiten. Der Verein hat mich gefragt, ob ich das übernehme, und ich mache das auch sehr gerne. Alles Zukünftige wird man sehen”, hatte der 54-Jährige nach dem Coup gegen Pep Guardiola noch gesagt.

Nun kam zwei Tage später das Aus für den Oberstudienrat aus Franken. In einem Gespräch am Donnerstagmorgen teilte Klubchef Oliver Mintzlaff Beierlorzer mit, dass für ihn kein Platz mehr im neu formierten Trainerteam sei, weil der neue Coach Domenico Tedesco zwei Assistenten mitbringt und in Marco Kurth ein Co-Trainer aus dem eigenen Stall bleibt. Offenbar war das der Wunsch Tedescos, denn Mintzlaff war die Situation sicht- und hörbar unangenehm: „Wir hätten uns für ihn ein längeres Engagement als Co-Trainer gewünscht, aber das bringt der Profifußball so mit sich.” Nun bot Mintzlaff dem Ex-Interimstrainer einen Posten „in einer globalen Rolle zuständig für den Nachwuchsbereich” im internationalen Red-Bull-Team an. „Achim muss das erstmal sacken lassen. Er hat noch vor zwei Tagen erfolgreich ein wichtiges Champions-League-Spiel gecoacht und ist jetzt mit der Realität konfrontiert worden”, so Mintzlaff.

„Extrem wichtig, ihn mitzunehmen”: Torwarttrainer Urwantschky wird bei RB Leipzig Co-Trainer

Statt der Erfahrung, die Beierlorzer hat und die dem Staff auch gutgetan hätte, umgibt sich Tedesco nun mit einem ausschließlich jungen Trainerteam. Dazu gehören neben Marco Kurth (43) der 39-jährige Ex-Nationalspieler Andreas Hinkel (21 Länderspiele) sowie Max Urwantschky (40). Der ist eigentlich Torwarttrainer, bekleidet nun aber eine zusätzlich geschaffene Stelle als dritter Assistent. Mit Tedesco arbeitete er bereits in Aue und bei Spartak Moskau zusammen und gilt als Vertrauter des neuen Coachs, den dieser unbedingt dabei haben wollte. Da RB unbedingt am angestammten Torwarttrainer Frederik Gößling festhalten wollte, firmiert Urwantschky nun als Co-Trainer.

Einen Vertrauten dabei zu haben, macht durchaus Sinn. Jesse Marsch scheiterte auch daran, dass er ganz allein kam. Julian Nagelsmann etwa hatte in dem Videoanalystem Benjamin Glück einen solchen Trainerversteher dabei, der sich bei Bedarf auch mal krankenhausreif schießen ließ, wenn der Trainer mal Dampf ablassen musste. Tedesco sagte nun: „Wir haben gemeinsam versucht, eine Lösung zu finden. Mir war es extrem wichtig, ihn mitzunehmen und die Jungs, die mir sehr viel Unterstützung geben, dabeizuhaben.” Urwantschky habe ohnehin bereits bei Spartak eher eine Co-Trainer-Rolle eingenommen, „wir haben in Moskau nicht nur über das Torwartspiel, sondern über alles Mögliche gesprochen”, so Tedesco.

Bis auf die genannten Personalien bleibt das Trainer- und Funktionsteam wie es war. „Uns und Domenico war es wichtig, dass wir nicht alle Strukturen aufbrechen. Wir haben tolle Mitarbeiter und müssen hier nicht zwingend Tabula rasa machen”, betonte Mintzlaff. (RBlive/ukr)