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Von Matthias Kießling

„Gutes Spiel gemacht“: Julian Nagelsmann sorgt nach RB-Niederlage für Verwunderung

Hatte RB Leipzig gegen Olympique Lyon einfach nur Pech?

Hatte RB Leipzig gegen Olympique Lyon einfach nur Pech?

Für Verwunderung sorgte Julian Nagelsmann nach der 0:2-Niederlage gegen Olympique Lyon nicht nur bei den versammelten Medienvertretern, sondern auch bei den Fans. „Wir haben ein gutes Spiel gemacht mit viel Power und Leidenschaft“, analysierte der Trainer von RB Leipzig. Die Reaktion der Anhängerschaft war zumindest online mit Unverständnis noch eher harmlos umschrieben.

Julian Nagelsmann sieht gute Entwicklung bei RB Leipzig

Im Gegensatz zu den Spielen in den Vorwochen habe gegen Lyon einfach nur das Matchglück gefehlt, so Nagelsmann. In Bremen oder in Mönchengladbach sei man nach längerem Anlauf mit der ersten Chance in Führung gegangen. Gegen Lyon habe man die ersten Großchancen nicht gemacht und dem Gegner durch Fehler zwei Tore geschenkt. Das erkläre dann das Resultat.

„Wir entwickeln uns gut, hatten aber bisher vor allem auch die Momente auf unserer Seite“, so Nagelsmann, der keinen spielerischen Abwärtstrend ausmachen wollte. Gegen Lyon habe man die vorhandenen Momente nicht effizient genug genutzt. Im Gegenpressing sei man dafür wieder sehr viel besser aufgetreten als noch gegen Schalke. Und auch der „Spielvortrag“ sei nicht schlecht gewesen, auch wenn man „nicht alles richtig gemacht“ habe.

Offensive Positionierung führt nicht zu großer Offensivpower

Im Stadion hatte sich den Beobachtern zuvor teilweise ein etwas anderes Bild präsentiert. Gegen einen kompakt verteidigenden Gegner taten sich die RB-Spieler schwer, in die richtigen Räume zu spielen. Die überraschend defensiv besetzte Formation wurde zwar auf dem Rasen sehr offensiv positioniert, setzte sich aber nur selten entscheidend durch. Oft spielte RB in der ersten Halbzeit mit fünf Spielern (Poulsen, Werner, Sabitzer, Klostermann, Halstenberg) auf Höhe der Lyon-Abwehrkette, schaffte es aber häufig nicht die mit viel Risiko aufgestellte Offensivpower aus einem 3-2-5 heraus ins Spiel zu kriegen.

Nach der Pause und einer Umstellung auf Viererkette tat man sich noch schwerer, den absolut vorhandenen Willen und die sehr offensive Positionierung durch gelungenes Passspiel in große Chancen umzumünzen. Nur noch drei Torschüsse gab RB in den zweiten 45 Minuten von innerhalb des Strafraums ab. Vor der Pause gab es da immerhin noch sieben Versuche.

RB Leipzig in der Schlussphase gegen Lyon ohne Torschuss

In der Endphase der Partie gab es trotz der Einwechslungen von Forsberg und Nkunku praktisch gar keine Leipziger Chancen mehr. In den letzten 20 Minuten schoss Leipzig kein einziges Mal auch nur in Richtung Lyon-Tor. Es sei schwer, in englischen Wochen am Ende „noch mal 20, 30 Prozent draufzupacken“ erklärte Julian Nagelsmann nach dem Spiel. Gleichzeitig monierte er aber auch die Besetzung des Strafraums. „In den letzten zehn Minuten sollten wir viel über außen und Flanken spielen. Das haben wir aber nicht hingekriegt. Da war der Trainer etwas enttäuscht“, gab Marcel Halstenberg einen Einblick in die misslungenen Trainerpläne.

Ob es ein gutes oder schlechtes RB-Spiel war, ist also offenbar ein streitbares Thema und hängt davon ab, welchen Teilbereich des Spiels man anschaut. Einigkeit bestand nach dem 0:2 dagegen weitgehend, dass die Niederlage völlig unnötig und eine Folge der eigenen Fehler in der Defensive und der schlechten Chancenverwertung in der Offensive war. „Das sind individuelle Fehler, die wir letzte Saison nicht gemacht haben. Das müssen wir ganz schnell abstellen, sonst kannst du auf dem Niveau keine Spiele gewinnen“, zeigte sich Peter Gulacsi fast schon genervt.

RB Leipzig mit besserem xG-Verhältnis als Bayern München

Dass von Olympique Lyon fast nichts kam, zeigt sich auch darin, dass der RB-Torhüter keinen einzigen Ball halten konnte. Bei beiden Torschüssen der Gäste aus Nahdistanz konnte der Ungar wenig machen, ansonsten blieb er meist beschäftigungslos. 1,7 Tore hätte Olympique Lyon nach expected Goals (xG = wie viele Tore werden normalerweise im Durchschnitt aus den Chancen, die ein Team hatte, geschossen) machen können.

Den Großteil dieses Wertes machen die beiden Tore aus, die RB selbst auflegte. Ein weiterer großer Teil resultiert aus einem Konter und einem Pfostenschuss in der Schlussphase, der allerdings bei Torerfolg wegen Abseits vom Videoassistenten hätte kassiert werden müssen. Ansonsten hatte Lyon aus eigenen Spielbemühungen über 90 Minuten praktisch keine relevante Einschussgelegenheit und schoss überhaupt nur fünfmal von innerhalb des Strafraums in Richtung Gulacsi-Tor.

Von RB Leipzig hätte das statistische xG-Modell 2,1 Tore erwartet. Die beiden Werner-Chancen und ein Poulsen-Abschluss, der auf der Linie geklärt wird, bringen den Löwenanteil ein. Statistisch gesehen hatte das Spiel zwischen RB und Olympique Lyon also Chancen für ein 2,1 : 1,7, wobei die 1,7 auf Gästeseite fast komplett vermeidbar gewesen wäre, wenn die RB-Defensive nicht so fehlerhaft gearbeitet hätte. Zum Vergleich: Bayern holte bei einem aufgrund der Chancen beider Mannschaften erwarteten Ergebnis von 2,1 : 2,1 ein 7:2 bei den Tottenham Hotspur und wird dafür als Retter des deutschen Fußballs gefeiert. Rein von den Chancen her hatte RB gegen Lyon eine Gewinnwahrscheinlichkeit von 62% und Bayern in London von nur 47%.

Über die Statistik nicht die Probleme vergessen

Diese Zahlen sprechen für Nagelsmanns Theorie, dass einfach das Matchglück fehlte, man zu viele Fehler eingestreut habe und ansonsten ein gutes Spiel gemacht hat. ‚Pech gehabt‘, ‚Mund abputzen‘, ‚Geschichten, die nur der Fußball schreibt‘, formuliert man dann gern nach solchen Spielen. Dass nicht alle im RB-Universum die Geschichte vom guten Spiel mit lediglich zu vielen Fehlern uneingeschränkt teilten, zeigte Emil Forsberg. „Es ist nicht gut, zwei Spiele hintereinander zu verlieren. Und auch wie wir verloren haben, ist nicht gut“, erklärte der spät eingewechselte Mittelfeldmann, der gern mehr Präzision im RB-Spiel gesehen hätte.

Damit war er schon näher an den Gefühlen vieler Zuschauer als Julian Nagelsmann mit seiner Analyse. Ganz schwarz oder weiß ist die Geschichte wohl aber wie so oft nicht. In jedem Fall sollte man über die erarbeiteten Großchancen aber auch nicht vergessen, dass im spielerischen Bereich vieles Stückwerk blieb und vor allem die Abstimmung zwischen den Mannschaftsteilen der Verbesserung bedarf. Dass in der ersten Halbzeit permanent Spieler in die Tiefe starten, während von hinten konsequent der tiefe Ball verweigert wird, mutete zumindest erstaunlich an. Dass man dem Gegner in keinem Fall auch noch selbst die Tore auflegen sollte, versteht sich dabei von selbst.