Choreos des Jahres 2022Neuer Schwung im Fanblock

Von Ullrich Kroemer 25.12.2022, 06:00
Choreo zu Ehren von NS-Widerstandskämpfer Werner Seelenbinder gegen Bayer Leverkusen.
Choreo zu Ehren von NS-Widerstandskämpfer Werner Seelenbinder gegen Bayer Leverkusen. (imago/Jan Huebner)

Nach der Corona-bedingten Zwangsauszeit brauchten die Fans von RB Leipzig ebenso wie andere Fanszenen zu Beginn des Jahres Zeit, um wieder Engagement und Begeisterung für große Choreografien zu entwickeln. Da die aktive Szene bei Rasenballsport, die die Kurvenbilder entwirft und umsetzt, nicht besonders groß ist und nur etwa 50 bis 100 Leute umfasst, wurden mangels Personal in der ersten Jahreshälfte nur zaghaft Choreos geplant – auch weil die Bereitschaft in der Fanszene gesunken war, dafür Geld zu spenden.

Choreo light: Comeback gegen Frankfurt

Eine erste „Choreo light” nach zweijähriger Auszeit stellten die RBL-Fans gegen Eintracht Frankfurt auf die Beine. „Chaotisches Leben, fanatisches Streben”, stand vor dem Block. Dazu schwenkten die RBL-Anhänger rot-weiße Fähnchen.

Choreo-Comeback gegen Eintracht Frankfurt am 20. März 2022
Choreo-Comeback gegen Eintracht Frankfurt am 20. März 2022
(imago/opokupix)

Eine Einstimmung auf das Pokalfinale in Berlin sozusagen. Dort tauchten die Leipziger Fangruppen die RB-Kurve links und rechts das Marathontores in Rot und Weiß und verteilten Tausende Doppelhalter mit dem Aufdruck des Rasenballsport-Fanemblems sowie des Leipziger Stadtwappens. Dazu auf zwei Bannern der schlichte Schriftzug: Rasenballsport Leipzig.

Ärger bei Pokal-Choreo

Doch die Choreo funktionierte nicht wie gewünscht, ein Banner hing schief am Rang und die Doppelhalter wurden nicht geschlossen gezeigt, was die für die Choreo mitverantwortliche Fangruppe Zone 147 danach verärgert kritisierte. Insgesamt fiel die Choreo sowohl gegenüber Gegner Freiburg ab als auch gegenüber dem eigenen Vergleich 2019, als die Choreo deutlich eindrucksvoller war. Dafür holte RB diesmal den Titel.

Pokal-Choreo von RB Leipzig im Berliner Olympiastadion.
Pokal-Choreo von RB Leipzig im Berliner Olympiastadion.
(imago/motivio)

Neuer Schwung zur neuen Saison: Messemännchen mit Pokal

Die große Pokalchoreo holten die RB-Fans dann zu Beginn der neuen Saison mit neuem Schwung und dem Pokalerfolg im Rücken nach. Beim Heimspiel auftakt gegen den 1. FC Köln am 13. August zeigten die Leipziger Anhänger das als RB-Fan umgestaltete Leipziger Messemännchen. Dazu dichteten die Leipziger: „Mein Messestadtverein – sollst für immer Pokalsieger sein.” Die erste große, vollwertige Choreo seit über zwei Jahren im Block.

Derart motiviert ging es am 5. Oktober beim Champions-League-Heimspiel gegen Celtic Glasgow weiter. Sektor B wurde komplett in Rot und Weiß getaucht – was ein wenig an die österreichische Flagge erinnerte. Dazu der Slogan: „Stadt der Messe und der Helden – Rasenball in allen Welten.”

Im Pokalspiel gegen den HSV am 18. Oktober schwenkte nur der harte Kern in der Mitte von Sektor B weinrote Fahnen, dazu stand auf einem Banner: „Pokalsieger!” Die Mini-Choreo war aber gar keine Choreo, sondern schlicht ein Intro, wie Fans betonten. In anderen Fanszenen wäre dazu wohl Pyrotechnik gezündet worden.

Höchstleistungen in den englischen Wochen

Das lag wohl auch daran, dass nur sieben Tage später Real Madrid zu Gast war und die Vorbereitungen für die Choreo gegen die „Königlichen” auf Hochtouren liefen. Gezeigt wurde über den gesamten Stehblock hinweg das Kurvenlogo – schlicht, aber prägnant.

Choreo gegen Real Madrid am 25. Oktober.
Choreo gegen Real Madrid am 25. Oktober.
(imago/Picture Point LE)

Politische Statements zum Jahresende

Die inhaltlich und künstlerisch sicher stärkste Choreo dieses Jahres war nur vier Tage später gegen Bayer Leverkusen zu sehen. Der Fanblock thematisierte nicht etwa den Tod von Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz, sondern erinnerte an den von den Nationalsozialisten hingerichteten Ringer und Widerstandskämpfer Werner Seelenbinder, nach dem der Glockenturm des Leipziger Stadions benannt ist. Ein deutliches politisches Statement.

Nachdem eine geplante Auswärtschoreo in Warschau beim Champions-League-Gruppenspiel gegen Donezk wegen schikanöser Einlasskontrollen nicht gezeigt wurde, beendeten die RB-Fans das Jahr mit einer bunten Auswärtschoreo in Bremen. „Rasenball gegen Rassismus” stand da am 12. November auf dem Oberrang des Weserstadions – dazu die Farben Grün, Gelb und Rot. Offenbar eher zufällig, denn beabsichtigt die Nationalflagge von Mali, dem Land von RB-Profi Amadou Haidara.

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