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Von Martin Henkel

RB Leipzig stellt sich neu auf Wohin steuert der Verein nach der Ära Rangnick?

Oliver Mintzlaff und Ralf Rangnick gemeinsam bei einer PK 2016: Zwei Alpha-Männer, die für viel Reibung sorgten.

Oliver Mintzlaff und Ralf Rangnick gemeinsam bei einer PK 2016: Zwei Alpha-Männer, die für viel Reibung sorgten.

Der Abschied von Macher Ralf Rangnick fiel bei RB Leipzig verhalten aus. Beim Bundesligisten haben jetzt andere das Sagen, es gibt Bewegung auf vielen Positonen. In welche Richtung entwickelt sich der Verein? Eine Betrachtung von Martin Henkel.

Der vergangene Freitag war nicht einfach für RB Leipzig. Die Meldung über Ralf Rangnicks Abschied aus den Büroräumen von Red Bull Soccer International am Neumarkt in Leipzigs Innenstadt warf in der Akademie des Bundesligisten am Cottaweg die Frage auf: Geht uns das noch was an? Man entschied sich für ein halbes Nein.

Ein halbes Nein bedeutete, dass das Ende der wichtigsten acht Jahre in der überschaubar jungen Geschichte der Leipziger Red-Bull-Fußballfiliale auf der Webseite des Klubs keine Erwähnung fand. Frei nach der Formalie, dass Rangnick seit vorigem Sommer ja nicht mehr beim Verein angestellt war, sondern für den Besitzer der RB Leipzig GmbH als Entwickler tätig gewesen ist.

Immerhin, auf dem Nachrichtendienst Twitter fand das Ende der Ära Rangnick ihren Widerhall. Mit „Danke, Ralf!“ erinnerte die Medienabteilung des Klubs daran, dass es ohne den Eifer des Baumeisters und seine Verbindungen in den Fußball von 2012 an vermutlich nicht im Eiltempo aus der dritten Liga in die Champions League gegangen wäre - wenn überhaupt. Inklusive einer Vizemeisterschaft (2017), zwei dritter Plätze (2019, 2020) und dem DFB-Pokalfinale (2019).

RB Leipzig: Ralf Rangnick und Oliver Mintzlaff mussten an einem Strang ziehen

Vielleicht war man am Ende einander überdrüssig. Alles nutzt sich mit der Zeit ab. Dafür, dass über all die Jahre zwei Alpha-Männer wie Rangnick und Vereinschef Oliver Mintzlaff an einem Strang ziehen mussten und davon letztlich Schwielen an den Händen bekamen, wurde am Wochenende erstaunlich wenig schmutzige Wäsche gewaschen.

Dass man Rangnick beim geplatzten Erling-Haaland-Transfer vergangenen Winter nicht in die Gespräche mit eingebunden haben soll, obwohl Rangnick als Überzeuger par excellence gilt, war das einzige Gerücht von Wucht. Der Vorgang hat den 62-Jährigen angeblich gewaltig verärgert und zu der Überzeugung geführt, dass seine Expertise am Cottaweg nicht mehr gefragt ist.

Rangnick ist jetzt Geschichte. So wie auch eine Reihe anderer Mitarbeiter, die er mit Beginn seiner Arbeit als Sportchef in den Klub geholt hat. Co-Trainer Robert Klauß hat vergangene Woche RB verlassen. Er ist jetzt Chefcoach beim 1. FC Nürnberg. Der 35-Jährige war seit 2009 im Verein.

Nicht nur Ralf Rangnick: Großes Stühlerücken bei RB Leipzig

Oder der ehemalige Chef der Physiotherapeuten im Klub, Alexander Sekora: Auflösung der Zusammenarbeit vorige Woche. „Im Guten“ und auf eigenen Wunsch, wie es heißt. Sekora war 2012 Rangnicks erste Personalie im medizinischen Bereich. Ebenso vergangene Woche trennten sich Klub und Videoanalyst Daniel Ackermann. Der 39-Jährige war seit 2010 dabei.

Weitere Abgänge hatte auch Red Bull Soccer International zu verzeichnen, so dass die vor einem Sommer erst reaktivierte Einheit gerade ohne sportliche Kernkompetenz dasteht: Chefscout Paul Mitchell, bis 2019 für RB tätig, ist jetzt Sportchef beim französischen Erstligisten AS Monaco. Koordinator „Fußball“ Lars Kornetka, zuvor Videoanlyst bei RB und unter Rangnick in Hoffenheim, ist seinem Kumpel Roger Schmidt zur PSV Eindhoven in die Niederlande gefolgt.

Alles Zufall? Mit großer Wahrscheinlichkeit. Trotzdem: Die Spuren von sieben Jahren Rangnick bei den Sachsen sind schon ein Jahr nach seinem Abschied verwaschen. Auch im Kader, wo Rangnick-Einkäufe wie Yussuf Poulsen oder Emil Forsberg sind auf dem Sprung sind.

Vivell, Scholz, Riepenhof: RB Leipzig stellt seine Führung neu auf

Neue Leute führen jetzt die Geschicke des Klubs fort. Salzburgs Sportkoordinator Christopher Vivell etwa kommt nach Leipzig. Er hat unter anderem BVB-Stürmer Haaland für Österreichs Dauermeister gecastet. Zudem wurde mit Helge Riepenhof ein weiterer Fachmann für den medizinischen Bereich angeworben. Riepenhof war zuletzt für den italienischen Klub AS Rom, den britischen Verein Brighton Hove & Albion tätig oder hat bei der Tour de France ausgeholfen.

Und es wurden ein paar Stühle gerückt. Der frühere Sportbild-Reporter und Mintzlaff-Vertraute Florian Scholz ist als neuer kaufmännischer Leiter Sport ab sofort der zweitwichtigste Player im Verein. Er bildet mit Vivell und Sportchef Markus Krösche das neue Kompetenzteam Fußball bei den Sachsen.

RB-Führung weiß Ralf Rangnicks Erbe einigermaßen zu schätzen

Was dabei herauskommt, kann sich in vielerlei Richtungen entwickeln. In Hoffenheim, wo Rangnick vor etwas über einer Dekade den Dorfklub ebenfalls in die erste Liga geführt hatte, brauchte man Jahre, um sich vom Abschied des Aufstiegstrainers und Struktur-Entwicklers zu erholen. Neue Leute hatten neue Ideen, ehe alte Rangnick-Vertraute die Breisgauer zu ihren Ursprüngen zurückführten.

Dass sich der Emanzipationsprozess bei RB wiederholt, ist freilich wenig wahrscheinlich. Schlüsselfiguren wie Mintzlaff, Krösche und Coach Julian Nagelsmann wissen Rangnicks Erbe einigermaßen zu schätzen. Die Verpflichtung des 33 Jahre alten Cheftrainers inklusive einer bewusst inszenierten Modifikation der von Rangnick als „Klub-DNA“ ausgegebenen Spielweise mit Gegenpressing und Überfallfußball waren das Ergebnis dieser Überlegungen. Beim Erinnern an Ehemalige ist allerdings noch Luft nach oben.  (RBlive)